Lachs

Aus Gesund-Leben
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Lachsfilets, Lachsspieße, Räucherlachs, Lachsfischstäbchen: Die Liste an Lachsprodukten, die in Supermärkten gekauft werden können, ist lang. Was früher ein Luxusprodukt war, gehört heute zu einer der beliebtesten Fischsorten in Europa, den USA und Japan. Der Konsum ist 2018 dreimal so hoch wie noch 1980. Lachs wird vor allem wegen der gesunden Omega-3-Fettsäuren geschätzt. Die größten Lachsbauern sitzen an der langen Westküste Norwegens, wo jedes Jahr ungefähr 1,2 von weltweit 2,3 Millionen Tonnen Lachs in Aquakulturen gezüchtet werden: schwarze kreisrunde Käfige, fünfzig bis hundert Meter im Durchmesser, zwanzig bis fünfzig Meter tief, mit bis zu zweihunderttausend Lachsen im Netz. Aquakulturen sind mit der weltweiten Nachfrage nach Lachs einhergegangen, sie sollten den Wildfang entlasten und logistisch planbar sein. Wie der Jäger zum Bauern wurde, so ist der Fischer zum Züchter geworden. Vor Norwegen leben daher heute rund 500.000 wilde Lachse – und eine halbe Milliarde Zuchtlachse. [1]

Lebensmittelsicherheit bei Zuchtlachs

Greenpeace für bessere Kennzeichnung der Inhaltsstoffe

Auch in Österreich könnte norwegischer Zuchtlachs auf den Tellern landen – ohne, dass es die Konsumenten wissen. "In vielen verarbeiteten Produkten, Schlemmerfilets oder Nudeln mit Lachs, befindet sich Fisch, dessen Herkunft nicht deklariert ist", sagt Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin von Greenpeace Österreich. Im Gegensatz zu Frischfisch, wird die Herkunft von Fisch in verarbeiteten Produkten oft nicht augeschildert. Sprinz plädiert dafür, dass diese Kennzeichung verpflichtend wird. Vor allem der Pferdefleischskandal habe den Menschen bewusst gemacht, wie wenig sie über verarbeitete Produkte wissen. Es sei nun an den Herstellern, darauf zu reagieren.[2]

Starker Rückgang von Antibiotika in Zucht-Lachs durch Impfen von Lachs

Zumindest in Norwegen ist der Verbrauch von Antibiotika in den letzten Jahren drastisch gesunken: Wurden vor rund 30 Jahren noch pro Tonne Fisch 5000 Gramm Antibiotika gebraucht, sind es heute weniger als 0,9 Gramm, wie der NDR unter Berufung auf das Thünen-Institut für Fischerei Hamburg berichtet. Der Rückgang wurde möglich, weil die norwegischen Züchter die Lachse neu impfen, bevor sie sie in die Käfige im Meer setzen. Der Impfstoff gilt als unproblematisch.[3]

Bio-Zuchtlachs ohne Antibiotika, Wachstumshormonzusatz, Ethoxyquin & künstliche Farbstoffe

Biologisch gezüchtete Lachse haben mehr Platz in ihren Becken als herkömmliche Zuchtlachse. Sie dürfen nicht alles fressen und bekommen weder Antibiotika noch künstliche Wachstumshormone. Ihr Futter wird auch nicht mit dem zweifelhaften Ethoxyquin haltbar gemacht, sondern allenfalls mit Tocopherol (Vitamin E), das ebenfalls antioxidativ wirkt. Auch ihre Farbe verdanken Bio-Zuchtlachse nicht künstlichen Farbstoffe, sondern Garnelenschrot, naturbelassenen Hefen und Algen.[3]

Lausbekämpfung durch Verlagerung der Lachsfarmen von den Küsten hinaus aufs offene Meer

Der führende Lachsproduzent Marine Harvest hat vor kurzem das Marine-Egg-Projekt vorgestellt, einen gigantischen Container in Form eines Eies. Darin werden die Lachse geschützt gezüchtet. Zudem sollen Lachsfarmen von den Küsten hinaus aufs offene Meer verlegt werden. Man rechnet damit, dass im Zuge der Reformen hin zu erneuerbaren Energien immer mehr Ölplattformen künftig ihren Nutzen verlieren werden. Der norwegische Bohranlagen-Hersteller Roxel hat bereits Plä- ne präsentiert, Ölplattformen in Fischfarmen umzuwandeln. Allein in der Nordsee befinden sich mehr als 550 solcher Plattformen.[1]

Zunehmende Probleme bei Zuchtlachsen

Antioxidantien wie Ethoxyquin machen das Grünfutter für Zuchtlachse haltbar

Der Appetit auf Lachs ist weltweit so gross, dass er mit Wildtieren allein nicht mehr gestillt werden kann. Deshalb werden Lachse gezüchtet. Mehr als 90 Prozent von ihnen stammen heute aus sogenannten Aquakulturen, wie die im Wasser liegenden Fischfarmen genannt werden. Während sich Lachse in freier Wildbahn von Garnelen, kleinen Krebsen und anderen Fischen ernähren, bekommen die gezüchteten vor allem pflanzliche Pellets vorgesetzt – weil das günstiger als tierisches Futter ist, aber auch, weil die Bestände an zu verfütternden Tieren nicht ausreichen würden. Das Grünfutter ist auch noch aus einem weiteren Grund problematisch: Es verdirbt schnell. Um dem Verfall etwas entgegenzusetzen, wird es mit Antioxidantien versetzt. In der Regel mit Ethoxyquin, das früher in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel eingesetzt und 2006 in der EU verboten wurde, weil es direkt ins menschliche Gehirn gelangen kann und im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen. Dass der Stoff trotz des Verbots immer noch ins Futter gemischt wird, liegt daran, dass bis zum Jahr 2020 eine Übergangsfrist gilt. Für den Konsumenten bedeutet das nichts Gutes, wie ein Test des Konsumentenmagazins «Gesundheitstipp» [4] zeigte. Laut diesem enthalten Lachse aus Norwegen bis zu 671 Mikrogramm Pestizid pro Kilo.[3]

Zuchtlachs mit pflanzlicher Fütterung hat weniger Omega-3-Fettsäuren

Die norwegischen Lachszüchter beziehen ihr pflanzliches Futter vor allem aus Südamerika. Weil die Lachse vegetarisch ernährt werden, benötigen die Züchter zwar weniger und billigeres Futter, die gesunden Omega-3-Fettsäuren könnten im Fischfleisch dadurch aber weniger werden. Die taz zitiert den Osloer Herzforscher Harald Arnesen: "Der Zuchtlachs wird zum schwimmenden Gemüse." Das Fleisch enthalte nur noch halb so viele Fettsäuren wie noch vor zehn Jahren.[2]

Hormone, Antibiotika und Pestizide oder Putzerfische gegen Lachsläuse

Den Fischen werden chemische Substanzen zugefügt: Hormone sollen ihr Wachstum antreiben, Antibiotika die Lachse gesund halten und Pestizide Parasiten wie die Lachslaus (Lepeophtheirus salmonis) fernhalten. Farbstoffe sorgen für die aus Konsumentensicht typische Lachsfarbe. Vor allem die Lachsläuse setzen den Tieren ordentlich zu. Die nur wenige Millimeter grossen Krebse beissen sich in den Lachsen fest und ernähren sich von deren Körperschleim, Blut und Schuppen. Dadurch schwächen sie die Fische und machen sie anfällig für Krankheiten, woran diese dann meist verenden. Der Schaden ist immens. Laut dem Norwegian Seafood Council, der Vertretung der Fischindustrie, starben allein im Jahr 2016 rund 53 Millionen Tiere wegen der Lachslaus. Immerhin: Mittlerweile versuchen viele Betriebe, der Lage mit Putzerfischen Herr zu werden, die die Parasiten abfressen sollen. Denn auch die Züchter wissen: Alles, was den Tieren an Substanzen zugeführt wird, landet später mit dem Fisch zusammen auf unseren Tellern.[3]

Wegen Lachsläusen sind Großhandelspreise für Lachs 2017 um bis zu 50% gestiegen

Seit dem Beginn der Industrie in Norwegen in den 1970er-Jahren kämpfen die Lachszüchter mit neuen Krankheiten und Parasiten, die sich auf dem engen Raum in den Netzen schneller verbreiten. Eines der größten Probleme der Industrie ist nur ein paar Millimeter groß und hat den Namen Lepeophtheirus salmonis: eine Laus, die sich an der Haut festsetzt und dort kleine Wunden und Abschürfungen verursacht. Der Fisch kann an dem Befall sterben. Der Parasit hat dazu geführt, dass die Großhandelspreise für Lachs vergangenes Jahr um bis zu fünfzig Prozent gestiegen sind. In Norwegen ist die Produktion der fünf größten Lachsfirmen um 60.000 Tonnen geringer ausgefallen als erwartet. Umweltwissenschafter weisen darauf hin, dass die Läuse als Träger von Krankheiten auch andere Farmen sowie Wildlachs befallen können. So hat etwa ein Ausbruch in Chile 2007 dafür gesorgt, dass mehrere Farmen in der Umgebung mit Lachsanämie infiziert wurden, welche die Fischbestände vernichtete. Der Parasit wird zudem immer resistenter gegenüber Chemikalien.[1]

Bekämpfung der Lachsläuse mit Avermectinen (Insektenvernichtungsmittel) & Lumpenfischen

Während Antibiotika gegen Infektionen der Lachse verwendet werden, sollen die Parasiten mit Insektenvernichtungsmittel bekämpft werden. So sind etwa die Verkaufszahlen von sogenannten Avermectinen, die bei der Parasitenbekämpfung von Haus- und Nutztieren eingesetzt werden, laut norwegischem Gesundheitsinstitut seit 2010 stark gestiegen. Nach der Verwendung gelangen sie meist in die unmittelbare Umgebung der Farmen. Umweltwissenschafter befürchten, dass dadurch andere Organismen geschädigt werden könnten. Waschen und umsiedeln Um gegen das Problem vorzugehen, testen norwegische Lachsfarmen neue Methoden. So wird etwa von chemischen auf mechanische Behandlung umgestiegen, indem die Lachse mit frischem Wasser abgespült werden. In anderen Fällen werden die Tiere bereits früher getötet, noch bevor sie ausgewachsen sind. Auch natürliche Helfer werden eingesetzt, wie etwa Lumpenfische, die Läuse auf der Haut fressen. Das hat aber zu einer Dezimierung des wilden Lachsbestands geführt.[1]

Pestizid Endosulfan

EU erhöht Endosulfan-Grenzwert: Zuchtlachs darf mehr Gift enthalten

Das Pestizid Endosulfan wirkt negativ auf das Hormonsystem. Das Gift wird für hunderte Missbildungen und Erkrankungen in Südwestindien verantwortlich gemacht und soll zudem Schuld am großen Fischsterben im Rhein gewesen sein. Endosulfan hat nicht nur eine toxische Wirkung auf Insekten, das Pestizid beeinflusst auch die Fortpflanzungsfähigkeit bei Menschen und die Entwicklung bei menschlichen Föten. Deshalb ist der Einsatz des Gifts in 80 Ländern der Welt verboten. Seit 2011 steht das Pestizid auf der Liste der Stockholmer Konvention. Damit tritt stufenweise ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot in Kraft. Trotzdem erhöhte die Europäische Kommission unlängst den Grenzwert für Endosulfan in Zuchtlachsen auf das Zehnfache. Statt 0,005 Milligramm dürfen nun 0,05 Milligramm in einem Kilogramm Fisch enthalten sein. Das ist vor allem im Interesse Norwegens, das der größte Zuchtlachsexporteur der Welt ist. Die nationale Lebensmittelbehörde "Mattilsynet" sprach in einer Aussendung davon, dass die Anhebung des Grenzwertes von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Zuchtindustrie ist.[2]

Erwachsener mit 60kg könnte 7,2 Kilogramm Fisch pro Tag essen

Für die Gesundheit der Konsumenten habe dieser Schritt keine Auswirkung. Die akzeptable Tagesdosis liegt laut Weltgesundheitsorganisation bei 0,006 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das würde bedeuten, dass ein 15 Kilogramm schweres Kind bedenkenlos 0,08 Milligramm zu sich nehmen könnte, ein erwachsener Mensch mit 60 Kilogramm sogar 0,36 Milligramm. Selbst wenn der Fisch tatsächlich mit 0,05 Milligramm pro Kilogramm belastet wäre, könnte dieser Erwachsene 7,2 Kilogramm Fisch pro Tag essen.[5] Trotzdem nennt es Waltraud Novak von Global 2000 einen Schlag ins Gesicht, dass der Grenzwert angehoben wurde. Die Leiterin des Pestizidreduktionsprogramms verweist auf Studien, wonach Endosulfan in Verdacht steht, ein Endokriner Disruptor zu sein. Diese Stoffe wirken wie Hormone und können dadurch das Gleichgewicht des Hormonsystems von Säugetieren stören.[2]

Gesundheitsgefahren: Krebsrisiko noch nicht ausreichend erforscht

Gemäß Information auf Wikipedia ist Endosulfan eines der giftigsten Pestizide, die heute noch auf dem Markt sind. Es ist eine östrogen wirkende Verbindung, welche dadurch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflusst und Entwicklungsstörungen bei Föten von Tieren und Menschen verursachen kann. Ein Krebsrisiko wird diskutiert.[6] Laut [7] ist ein Krebsrisiko noch nicht ausreichend erforscht.[2]

Bereits in kleinen Mengen giftig

Diese Disruptoren können bereits in sehr kleinen Mengen giftig wirken. Deshalb würde laut Novak der Satz "Die Dosis macht das Gift" auf sie nicht zutreffen. Erst in den vergangenen Jahren wäre verstärkt auf diesem Gebiet geforscht worden. Die Europäische Union habe sich noch nicht einmal auf eine Methode geeinigt, um diese Eigenschaft nachzuweisen. "Man weiß in Wahrheit zu wenig, um überhaupt einen Grenzwert festzulegen", sagt Novak. Das norwegische Ernährungsinstitut Nifes sieht durch die erhöhten Pestizidwerte in Lachs keine gesundheitlichen Gefahren für Konsumenten. In einer Aussendung wirbt es sogar dafür, dass Schwangere und Kinder mehr Meerestiere essen sollen. Dem widerspricht der Biologe Jérôme Ruzzin in einem Artikel der taz. "Das Niveau von Umweltgiften im Zuchtlachs ist im Verhältnis zu anderen Lebensmitteln so hoch, dass wir reagieren müssen", erklärt der Wissenschaftler an der norwegischen Universität Bergen. Deshalb sollten vor allem Schwangere und Kinder möglichst geringe Mengen des Fisches essen.[2]

Weitere Informationen

Siehe auch

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Norwegen kämpft gegen Lachsläuse, Jakob Pallinger, derStandard.at, 17. Juni 2017
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 EU erhöht Grenzwert: Zuchtlachs darf mehr Gift enthalten, Bianca Blei, 25. Juni 2013, derStandard.at
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Was im Zuchtlachs steckt, ist absolut unappetitlich, 7. August 2018, www.20min.ch, abgerufen am 6.10.2018
  4. Wenn Zuchtfisch, dann besser Bio-Qualität, Gesundheitstipp.ch 03/2017 vom 16. März 2017, von Sonja Marti
  5. Gift im Fisch: EU erlaubt mehr Pestizide im Lachs, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 26. Juni 2013
  6. Edosulfan auf Wikipedia
  7. Giftige Fische: EU erlaubt mehr Endosulfan im Lachs, mytoday.at, 30. Juni 2013