Anti-Aging

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Der Begriff Anti-Aging, auch Altershemmung, ist eine Bezeichnung für Maßnahmen, die zum Ziel haben, das biologische Altern des Menschen hinauszuzögern, die Lebensqualität im Alter möglichst lange auf hohem Niveau zu erhalten und auch das Leben insgesamt zu verlängern. Verwendet wird dieser Begriff in der Medizin, von Ernährungswissenschaftlern, der Nahrungsergänzungsmittelindustrie, von Kosmetikherstellern und auch teilweise im Zusammenhang mit Schönheitsoperationen. Anti-Aging ist ein Marketingbegriff.

Anti-Aging unterscheidet sich von Verjüngung: Während Anti-Aging das Ziel hat, Alterungsprozesse zu verlangsamen, sollen diese durch Verjüngungsmaßnahmen zurückgesetzt werden.[1]

Inhaltsverzeichnis

Altersforschung/Biogerontologie

Wenn wir nicht so altern würden, wie wir es zurzeit tun, würde der Mensch nach Meinung von D. Pearson/S. Shaw durchschnittlich etwa 800 Jahre leben, nach Meinung von Randolph M. Nesse und George C. Williams etwa 690 Jahre. Die Lebensspanne wäre nur durch Unfälle, Fremd- oder Selbsttötung und Krankheiten begrenzt. Die durchschnittliche Lebenserwartung (LE) hat sich zwar in der letzten Zeit in den Ländern der Ersten Welt deutlich erhöht, das maximal erreichbare Lebensalter scheint dagegen seit sehr langer Zeit konstant bei etwa 120 Jahre (bis 122 Jahre) zu liegen, ohne dass derzeit abzusehen ist, dass dieser Wert zukünftig durch Anti-Aging-Maßnahmen beeinflussbar sein wird, da er unter Umständen genetisch determiniert ist.[1]

Die 10 häufigsten Todesursachen in Deutschland 2013 (Volkskrankheiten)

In Deutschland sind über zwei Drittel aller Todesfälle ursächlich zurückzuführen auf Krebs, koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes-Erkrankungen.

Die 10 häufigsten Todesursachen im Jahr 2013 in Deutschland[2]

Todesursache (2013 in Deutschland)[2] Anzahl Gestorbene
Chronische ischämische Herzkrankheit 73 176
Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt) 52 044
Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) 45 815
Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge (Lungen- und Bronchialkrebs) 44 813
Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit 28 882
Nicht näher bezeichnete Demenz 24 738
Hypertensive Herzkrankheit 24 669
Schlaganfall, nicht als Blutung oder Infarkt bezeichnet 18 883
Pneumonie, Erreger nicht näher bezeichnet (Lungenentzündung) 18 797
Bösartige Neubildung der Brustdrüse (Brustdrüsenkrebs (Mamma)) 18 009

In einer stetig alternden Bevölkerung wächst auch die Zahl von Personen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die durch Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems (bspw. Demenz oder Bewegungsstörungen) und andere altersbedingte Erkrankungen, wie rheumatische oder abbauende Erkrankungen des Bewegungsapparats, hervorgerufen werden.[3]

Es gibt vermehrt Hinweise, dass bestimmte Lebensstil-Faktoren, wie beispielsweise Rauchen, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und fehlende körperliche Aktivität eine wichtige Rolle bei der Entwicklung jeder dieser chronischen Erkrankungen spielen können.[3]

Es gibt weitere mögliche Risikofaktoren:

  • virale und bakterielle Infektionen
  • chronische Entzündungsprozesse
  • psychosozialer Stress
  • berufliche und Umwelt-Expositionen
  • Beeinträchtigungen des Immunsystems.

Neuere Studien legen nahe, dass einige dieser Risikofaktoren bei verschiedenen chronischen Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes, bestimmten Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen.[3]

Faktoren des des körperlichen Alterns

Wissenschaftler der Biogerontologie sind überzeugt, dass der Prozess des körperlichen Alterns gleichzeitig durch mehrere Faktoren bedingt ist, von denen sich nur wenige bedingt beeinflussen lassen. Unterschieden werden prinzipiell[1]:

  • Programmtheorien, genetische Ursachen (inkl. Telomerverlust), auch aktives Altern genannt
Wissenschaftliche Studien zur Zwillingsforschung haben ergeben, dass die Lebenserwartung zu etwa 30 Prozent durch die Gene vorgegeben ist. Andere Studien schätzen die Bedeutung der genetischen Ursachen höher ein und kommen auf einen Wert von 70 %. Wer aus einer Familie kommt, in der mehrere Vorfahren ein hohes Alter erreicht haben, hat selbst statistisch auch eine höhere Lebenserwartung. Langlebigkeit ist also ein vererbbares Merkmal. Eine Vielzahl von Genen (death genes, longevity assurance genes) sind bei Lebewesen inzwischen identifiziert worden.
  • Altern durch Lebensstil und Umwelteinflüsse
Erwiesenermaßen beeinflussen Lebensstil und Umweltbedingungen den Prozess des Alterns; sie können ihn verzögern oder beschleunigen. Negative Auswirkungen haben Tabakrauchen und hoher Alkoholkonsum, zu wenig Schlaf, Übergewicht, Stress, aber auch Verkehrslärm und Umweltverschmutzung.
  • Biochemisches Altern/Abnutzungstheorien
Das biochemische Altern ist ein Prozess, der im Körper abläuft und bei dem freie Radikale die wesentliche Rolle spielen. Sie entstehen permanent als Abfallprodukte des Stoffwechsels und gelten als potenziell zellschädigend. Nach Ansicht mancher Forscher können sie durch eine zusätzliche Zufuhr von bestimmten Vitaminen, Liponsäure oder Selen teilweise unschädlich gemacht werden, was sich auf den Prozess des Alterns auswirken soll. Auf den Menschen bezogene Studien, die dies beweisen, gibt es jedoch nicht.
  • Hormonelles Altern
Im Laufe des Lebens sinkt die Produktion verschiedener Hormone im Körper kontinuierlich, was als eine wesentliche Ursache des Alternprozesses und von Krankheiten wie Demenz, Arthrose, Knochenschwund und auch von Krebs angesehen wird.

Viele Hochbetagte leben auf Okinawa, in Sardinien & in Neuschottland

Die Altersforscher gehen nach aktuellem Wissensstand davon aus, dass Menschen im Idealfall etwa 120 Jahre alt werden können. Bekanntlich erreichen sehr wenige tatsächlich dieses Alter. Ein Ziel der Forschung ist es, die Bedingungen zu ergründen, die das Erreichen eines sehr hohen Lebensalters fördern. Seit 1976 gibt es daher Untersuchungen der nationalen Gesundheitsinstitute der USA und des japanischen Gesundheitsministeriums auf der Insel Okinawa, auf der überdurchschnittlich viele Menschen leben, die mindestens 100 Jahre alt sind, nämlich rund 600 bei insgesamt 1,3 Millionen Bewohnern. Okinawa ist die ärmste Präfektur Japans, die Menschen leben vor allem vom Fischfang.[1]

Relativ viele Hochbetagte leben aber auch auf Sardinien und in Neuschottland. In den Mittelmeerländern ist die Rate der Zivilisationskrankheiten niedriger als im übrigen Mitteleuropa. Bis heute hält sich auch das Gerücht, dass das Volk der Hunza besonders langlebig sei. Diese Annahme ist jedoch wissenschaftlich widerlegt, zu dieser Theorie ist es vermutlich durch reine Schätzung auf Grund des Aussehens älterer Menschen dieser Volksgruppe gekommen.[1]

Medizinische Anti-Aging-Therapien

Der Nachweis einer tatsächlichen Lebensverlängerung ist schwer zu führen. Man braucht dazu große Vergleichsgruppen, die randomisiert prospektiv und am besten doppelblind mit verschiedenen Substanzen behandelt werden. Nach etwa 5 bis 10 Jahren vergleicht man die Sterblichkeit.[1] Obwohl der Markt für Anti-Aging-Mittel, insbesondere Hormone, Vitamine und Spurenelemente, wächst, konnte nach diesen strengen Kriterien die Wirksamkeit nicht sichergestellt werden. Bei der Vermeidung von Herzinfarkten waren beispielsweise die sogenannten Antioxidantien Vitamin E und C in großen Studien wie der englischen Heart Protection Study unwirksam.

Allgemeine Empfehlungen zur Lebensweise

Als Anti-Aging-Therapie werden ganz uneinheitlich unterschiedliche Maßnahmen bezeichnet. Das kann, angefangen bei der therapeutischen Behandlung bestimmter Alterskrankheiten wie Alzheimer und Gedächtnistraining, über Ernährungsberatung und bis hin zum Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln und Hormontherapien gehen. Bis in die 1990er Jahre galt auch die Frischzellentherapie als mögliche „Geheimwaffe“ gegen Alternsprozesse; in Deutschland wurde sie 1997 verboten. Im Jahr 2000 wurde das Verbot zwar aufgehoben, die Therapie ist mittlerweile jedoch nicht mehr besonders populär.[1]

Auf Grund vorliegender Forschungsergebnisse empfehlen die verschiedenen Anti-Aging-Experten generell Dinge, die allgemein die Gesundheit fördern können:

  • Ausgewogene Ernährung
  • Vermeidung von Übergewicht und gemäßigtes „Hungern“
  • Regelmäßige Bewegung (Verbrauch von mindestens 8.370 bis 12.560 kJ an Nahrungsenergie pro Woche, in veralteten Einheiten ca. 2.000 bis 3.000 kcal pro Woche); siehe auch Seniorensport
  • Verzicht auf das Rauchen
  • Verzicht auf ausgiebige Sonnenbäder und Besuche in Solarien
  • Vermeidung von negativem Stress

Die Hormonsubstitution bei alternden Menschen ist unter Medizinern umstritten. Hormongaben können auch negative Auswirkungen haben, wie es aus Studien ersichtlich ist. So steht die langfristige Einnahme weiblicher Hormone im Verdacht, das Risiko für ein Tumorwachstum zu erhöhen.[4][1]

Folsäure

Folsäure, ein Vitamin der B-Gruppe, zeigte bei mehreren Studien eine gute Wirkung gegen Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.[5][1]

Entzündungs- und Thromobozyten-Aggregationshemmung

Folgende Medikamente können die Lebenserwartung eines Teiles der Bevölkerung, der zur Arteriosklerose neigt (Männer ab 50, Frauen ab 65), möglicherweise günstig beeinflussen[1]:

  • Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer bei Menschen, die an krankhaft erhöhtem Blutdruck (arterielle Hypertonie) leiden. Ein überlegener Effekt besonderer Substanzgruppen ist bisher nicht nachgewiesen. Nachgewiesen ist ausschließlich eine effektive Blutdrucksenkung.
  • Entzündungs- und Thromobozyten-Aggregationshemmer (z. B. Acetylsalicylsäure). Rudolf Virchow hat 1852 die Arteriosklerose als primäre Entzündung der Schlagadern erkannt. Sie wird heute als epitheliale Dysfunktion im Initialstadium der Arteriosklerose beschrieben
  • Cholesterinsenker, wie beispielsweise Statine, wurden bisher nur bei koronaren Risikopatienten geprüft. Die ALLHAT-LLT-Studie[6] zeigte keinen Effekt der Intervention, während die ASCOT-LLA-Studie[7] einen Effekt festgestellt haben will. Die letztgenannte Studie weist erkennbare Mängel auf. Sie wurde vorzeitig abgebrochen, während die ALLHAT-LLT-Studie korrekt zu Ende geführt wurde.
  • Omega-3-Fettsäuren

Thymustherapie

Laut einer im April 2014 veröffentlichten Studie gelang es im Mausmodell durch eine Hochregulierung des Transkriptionsfaktors FOXN1 den sich im Alter verkleinert habenden Thymus wieder zu vergrößern. Die behandelten Mäuse zeigten eine signifikante Outputsteigerung der im Thymus produzierten CD4 und CD8 T-Zellen, was gleichbedeutend ist mit einer erhöhten Immunkompetenz.[8][1]

Testosterontherapie

Das Testosteronniveau sinkt bei Männern um bis zu ein Prozent pro Jahr, sodass es bei Personen von 60 bis 80 Jahren nur noch 30 bis 50 % des Ausgangswertes hat.[9] Durch einen zu niedrigen Testosteronspiegel erhöht sich das Herzinfarktrisiko signifikant.[10] Allerdings sollte bei einer Vorgeschichte von Herzinfarkten mit Testosterongaben äußerste Vorsicht angebracht sein.[11] Durch Testosterongabe (+ Training) erhöht sich die Muskelmasse, wodurch bei älteren Männern die Mobilität und die Lebensqualität deutlich verbessert wird.[12] Im Seniorensport gehören Therapeutic Use Exemptions. für Testosteron zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten, da bei niedrigem Testosteronspiegel die sportliche Leistungsfähigkeit deutlich herabgesetzt ist.[13] Die Zufuhr von Testosteron bei Männern mit Prostatakrebs ist umstritten, da einerseits die bisherigen Ergebnisse der Forschung höchst widersprüchlich sind,[14] es aber auch andererseits zu einem Paradigmenwechsel in der Prostataforschung gekommen ist.[15][1]

"Wunder-Gen" Sirtuin & Kalorienrestriktion

Menschenaffen: Kalorienrestriktion mit ständiger leichter „Hungerkur“ verlängert Lebensalter um bis zu 40%

Eine lebenslange hypokalorische Ernährung (Kalorienrestriktion) erhöht die Lebenserwartung bei Tieren, aber auch bei Einzellern, und ist bis jetzt bei Mäusen, Ratten, Fischen, Fliegen und Spinnen nachgewiesen. In Tierversuchen an Mäusen, aber auch bei Menschenaffen habe sich durch eine ständige leichte „Hungerkur“ das Lebensalter um bis zu 40 Prozent verlängert, bei Hefezellen um 70 Prozent.[16] Bei Mäusen entspricht das einem Plus von zwei Jahren. Anhänger einer permanenten unterkalorischen Ernährung bezeichnen sich selbst als Cronie.[1]

Einige Wissenschaftler bezweifeln, dass sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Außerdem hat eine dauernde unterkalorische Ernährung auch unerwünschte Begleiterscheinungen. Bei Affen wurde Knochenschwund festgestellt, außerdem sinkt die Körpertemperatur und die Paarungsbereitschaft verschwindet.[16][1]

Eine Variante der Kalorienrestriktion ist das intermittierende Fasten.

David Sinclair von der Harvard Medical School in Boston ist davon überzeugt, dass eine extreme Diät einen „Notruf“ in den Körperzellen auslöst, der den Alterungsprozess drastisch verlangsamt. Er hat in Laborversuchen herausgefunden, dass sich dieser lebensverlängernde Effekt in vitro bei Hefezellen durch die Substanz Resveratrol aus Rotwein künstlich auslösen lässt. Ob sich das Ergebnis auf Menschen übertragen lässt, ist offen.[16][1]

Yoshinori Nagumo: Lebensdauer um 50% länger bei Nahrungszufuhr-Reduktion um 40%

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Buch von Yoshinori Nagumo:
Ein leerer Magen macht gesund[17]

Buch von Yoshinori Nagumo "Ein leerer Magen macht gesund" (2014)

Das Buch von Yoshinori Nagumo "Ein leerer Magen macht gesund"[17], herausgegeben im Jahr 2014, empfiehlt, den Magen knurren zu lassen und nur einmal am Tag zu essen. Kern-These von Yoshinori Nagumo in diesem Buch:

„Zu glauben, man könne gesund werden, indem man ordentlich Nahrung zu sich nimmt, ist eine überholte Vorstellung. Im Gegenteil lässt sich sogar behaupten, dass es auf zellulärer Ebene eine Fülle positiver Wirkungen auf den Körper hat und verjüngend wirkt, wenn wir einen leeren knurrenden Magen haben.[18]

Yoshinori Nagumo wurde 1955 in eine Ärztefamilie geboren. Sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater waren Mediziner. Er selbst studierte ebenfalls Medizin, arbeitete als Chefarzt in einer medizinischen Ambulanz für Brustchirurgie, bevor er schließlich seine eigene Praxis aufmachte. Inzwischen ist er Direktor der fünf Nagumo-Kliniken in Tôkyô, Nagoya, Ôsaka, Fukuoka und Tokushima, die sich auf Brust(krebs)operationen spezialisiert haben. 2012 wurde er zum Ehrenpräsidenten der International Anti-Aging Medical Society ernannt.[17]

In seinem Buch erklärt Nagumo:

  • Warum es gesund ist, nicht zu essen
  • Warum wir einen knurrenden Magen »genießen« sollten
  • Warum sich der Körper nicht an einen vollen Magen anpassen kann
  • Warum man von Gemüse nichts wegwerfen sollte
  • Warum man für die Gesundheit keinen Leistungs-Sport treiben sollte
  • Warum, wer nicht schön ist, auch nicht gesund ist

Lebensdauer um 50 Prozent länger, wenn man die Nahrungszufuhr um 40 Prozent reduziert
Was hierzulande gern verschwiegen wird: Krebs ist hauptsächlich ein Energieproblem. Oder anders gesagt: Auch ein Tumor muss »essen«. Und wenn er nichts zu essen bekommt, kann er nicht (weiter-)wachsen und muss sterben. In sämtlichen Tierversuchen sei bewiesen worden, schreibt Nagumo, »dass sich die Lebensdauer um 50 Prozent verlängerte, wenn man die Nahrungszufuhr um 40 Prozent reduzierte. Ferner zeigte sich, dass Tiere, die weniger Futter bekamen, eine lebhaftere Mimik, ein schöneres Fell und ein jüngeres Aussehen hatten.« Den Affen, die sich vollessen konnten, seien dagegen die Haare ausgefallen, »ihre Gesichtshaut wurde schlaff, und die Alterung schritt schneller voran, während sich bei den Affen mit reduzierter Futtermenge ein glänzendes Fell und eine straffe Haut zeigten.« So weit, so gut. Die segensreichen Wirkungen des Abspeckens oder gemäßigten Essens klingen auch in der westlichen Schulmedizin an. Und schließlich, so Nagumo, sei ja auch »an der buddhistischen Fastenpraxis und dem Fasten im islamischen Ramadan zu sehen …, dass man umso länger lebt, je weniger man isst, statt sich den Bauch vollzuschlagen.«[18]

Von 77 auf 62 Kilo: nicht durch Sport, sondern nur durch nur noch eine Mahlzeit pro Tag
Der Mann spricht aber nicht nur als Mediziner, sondern auch aus eigener Erfahrung. Nachdem der zierliche Japaner zunächst 77 Kilo gewogen hatte, »ging ich eine Zeitlang eifrig ins Fitnessstudio, besuchte das Schwimmbad und trainierte an verschiedenen Sportgeräten. Ich dachte nämlich, durch Sport könne man abnehmen. Es mag wie Ironie klingen, aber durch Sport nahmen im Gegenteil mein Appetit und damit auch mein Gewicht ständig zu. Auch Diäten waren mir lästig, das Kalorienzählen gab ich ebenfalls schnell wieder auf; kurz gesagt, ich kam nicht weiter.« Erst als er anfing, pro Tag nur noch eine Mahlzeit aus einer Suppe und einem Hauptgericht zu sich zu nehmen, schaffte er den Durchbruch: »Nachdem ich alles Mögliche ausprobiert hatte, kam ich zu dem Ergebnis, dass ›eine Mahlzeit am Tag‹ ausreicht. In den über zehn Jahren seither blieb mein Gesundheitszustand optimal und mein Gewicht konstant bei 62 Kilo. Vor allem verjüngte sich meine Haut, und beim gründlichen Gesundheits-Check-up zeigte sich, dass das biologische Alter meiner Blutgefäße dem eines 26-Jährigen entsprach.« Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber in seinem Buch werde er »genau erklären, warum ›eine Mahlzeit am Tag‹ eine für die Gesundheit notwendige Methode ist, und Ihnen zeigen, wie man in der Praxis mit einer Mahlzeit am Tag leben kann. Außerdem werde ich erläutern, wie der Körper und vor allem seine äußere Erscheinung sich durch ›eine Mahlzeit am Tag‹ verändern werden. Weil ich davon ausgehe, dass dieses Buch Ihr bisheriges Allgemeinwissen über Gesundheit nach und nach über den Haufen werfen dürfte, empfehle ich Ihnen, es mit Vergnügen bis zum Ende zu lesen.«[18]

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Wer Diät hält, sieht auf lange Sicht oft besser aus: Die Rhesusaffen Canto (links, 27 Jahre, auf Diät)
und Owen (rechts, isst uneingeschränkt, 29) zeigen das eindrucksvoll[18]


Die »Gene der Lebenskraft« können nur bei Hunger und Kälte aktiviert werden
Naguma wählte nicht (nur) den Energie-, sondern einen anderen Ansatz und spricht von den »Genen der Lebenskraft«: »Dazu gehören

  • das ›Hunger-Gen‹, das den Hunger besiegt;
  • das ›Gen der Lebensverlängerung‹, das bei Hunger das Überleben sichert;
  • das ›Fortpflanzungs-Gen‹, das dafür sorgt, dass die Geburtenrate in Hungerzeiten steigt;
  • das ›Immunitäts-Gen‹, das Infektionskrankheiten besiegt;
  • das ›Anti-Krebs-Gen‹, das den Krebs bekämpft;
  • das ›Reparatur-Gen‹, das den Alterungsprozess bremst und Krankheiten heilt,

und andere mehr.« Diese »Gene der Lebenskraft« könnten jedoch nur bei Hunger und Kälte aktiviert werden. »Wenn wir uns hingegen überessen, bewirken diese Gene letztlich, dass der Körper altert, die Vitalität nachlässt und die Immunkraft den eigenen Körper angreift.«[18]

Wunder-Gen Sirtuin repariert bei leerem Magen viele beschädigte Gene
»Hauptverdächtiger« für die positiven Wirkungen gedrosselter Nahrungszufuhr ist für Nagumo das sogenannte Gen Sirtuin. Die Ergebnisse der oben genannten Experimente ließen den Schluss zu, »dass bestimmte Gene aktiviert werden, um das Leben so gut wie möglich zu bewahren, wenn ein Lebewesen Hunger leidet.« Mit anderen Worten: Wenn man die Not- und Reparaturprogramme des Körpers ständig aktiviert, bleibt man gesünder und lebt länger, weil sich der Körper ständig selbst repariert. »Von dieser Hypothese ausgehend, forschte man weiter und entdeckte schließlich das Gen Sirtuin.« Dabei sei man »zu der neuen Erkenntnis« gelangt, »dass dieses Gen bei leerem Magen sämtliche Gene in den 50 bis 60 Billionen Zellen des menschlichen Körpers scannt und die beschädigten Gene repariert. Es hat sich gezeigt, dass dieses Gen nicht nur an der Verlängerung des Lebens, sondern gleichzeitig auch an der Verhinderung von Alterung und Krankheit beteiligt ist. Durch die Entdeckung dieses Gens ist es uns möglich geworden, das Leben zu verlängern, und daher ist es unter den ›Genen der Lebenskraft‹, die das Leben der Menschheit verlängert haben, an erster Stelle zu nennen.«[18]

Resveratrol aktiviert Sirtuine & wirkt so lebensverlängernd wie Kalorienrestriktion

Eine der vielfältigen Wirkungen von Resveratrol ist hoch spezifisch für diese Substanz und sorgt vor allem in der Anti-Aging-Medizin für Aufsehen. Resveratrol hat auf unterschiedliche Organismen die gleiche lebensverlängernde Wirkung wie eine anhaltende Kalorienrestriktion (Calorie restriction, CR). Es zählt somit zu den CR-Mimetika oder auch Kalorienrestriktionsmimetika (CRM).[19]

Die Kalorienrestriktion gehört zu den am längsten bekannten, am besten untersuchten und umfassend dokumentierten Therapieansätzen der Anti-Aging-Medizin. Bis heute ist sie die einzige interventionelle Maßnahme, für die experimentell eine tatsächliche Lebensverlängerung nachgewiesen werden konnte. Bereits in den 1930er-Jahren berichte Clive McCay von Versuchen, wonach Laborratten, deren Nahrungsaufnahme um 30 Prozent reduziert wurde, eine um bis zu 50 Prozent verlängerte Lebenserwartung hatten [20]. Diese Pionierarbeiten wurden seitdem mit unterschiedlichen Spezies, vom Fadenwurm bis zum Primaten, wiederholt und konnten den Effekt nahezu ausnahmslos für alle biologischen Organismen bestätigen.[19]

Lange Zeit war nicht bekannt, auf welche Weise die Kalorienrestriktion lebensverlängernd wirkt. Der Mechanismus wurde erst in den letzten Jahren aufgeklärt. Im Wesentlichen besteht er in einer Form des »gene silencing«. Über die Induktion von Nicotinamid (NAD) bewirkt CR in erster Linie eine Aktivierung sogenannter Sirtuine (SIR). Unter deren Einfluss kommt es in der Zelle zu einer vermehrten DNA-Reparatur, wodurch die Einzelzelle länger überlebt. In der Folge verlängert sich die Lebensspanne des Organismus[21][22]. Dieser Mechanismus wurde zunächst an den klassischen Versuchsmodellen genetischer Forschung (Bäckerhefe, Fadenwurm, Taufliege) erforscht, ist allerdings nach neuesten Studien offensichtlich universell wirksam. Inzwischen wurde der Sirtuin-Mechanismus auch an Humanzellen nachgewiesen.[23].[19]

Doch auch wenn das Modell auf den Menschen übertragbar wäre, liegt die weitaus höhere Hürde in der Umsetzung. In einer Zeit, in der die meisten Menschen Probleme haben, ihr Körpergewicht auch nur im oberen Normbereich zu halten, ist eine langfristige systematische Kalorienrestriktion um 30 Prozent wohl nur für eine asketisch gestimmte Minderheit eine tatsächliche Option. Sehr früh begann daher die Suche nach sogenannten CR-Mimetika. Dies sind Substanzen, die die gleichen biochemischen Prozesse aktivieren wie eine Kalorienreduktion, ohne dass der Mensch eine andauernde Hungerdiät einhalten muss. Fündig geworden sind die Forscher beim Resveratrol. Insbesondere die Arbeitgruppe um D. Sinclair konnte nachweisen, dass das Molekül bei niederen Organismen die gleiche lebensverlängernde Wirkung zeigt wie eine hypokalorische Kost[24]. Der Vorteil der Supplementierung lag zudem darin, dass diese im Gegensatz zum Untergewicht die Fertilität nicht reduzierte [25].[19]

Zweifellos sind dies lediglich erste Ergebnisse, die in weiteren Untersuchungen an höheren Organismen überprüft werden müssen. Festzuhalten bleibt jedoch: Resveratrol ist bis 2007 die einzige Substanz, für die experimentell eine signifikante Lebensverlängerung nachgewiesen werden konnte. Wichtig ist dabei natürlich, dass die gewonnene Lebensspanne auch gesunde Lebenszeit ist. Hierfür gibt es deutliche Anhaltspunkte. Danach geht eine Aktivierung des Sirtuin-Mechanismus nicht nur mit einer Verlängerung der Gesamtlebenszeit einher, sondern auch mit einer deutlichen Reduktion altersassoziierter Abbauvorgänge, insbesondere im Bereich der Neurodegeneration[26]. Für Forscher und Anti-Aging-Mediziner wird Resveratrol somit mehr und mehr zu einer Schlüsselsubstanz für gesundes Altern.[19]

Sirtuine (Anti-Aging-Enzyme) zögern altersbedingte degenerative Erkrankungen hinaus

Aufgrund ihrer Fähigkeit, zahlreiche Enzyme und Proteine zu modifizieren, die eine Schlüsselrolle bei verschiedenen Krankheiten spielen, sind Sirtuine in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Forschung gerückt. Vor allem die Tatsache, dass zahlreiche Zielproteine auch bei pathologischen Mechanismen entarteter Zellen (Krebs) eine Rolle spielen, lässt die Hoffnung auf neue Therapieoptionen bei bestimmten Krebsarten aufkommen. Auch Enzyme, die eine Rolle bei der Alzheimer-Krankheit, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und Adipositas spielen, finden sich unter den Substraten von Sirtuinen. Ihr Einfluss auf die Zellalterung könnte ein besseres Verständnis von Alterungsprozessen in menschlichen Zellen liefern. Sirtuine werden aufgrund ihrer lebensverlängernden Wirkung auf Mikroorganismen in der Presse immer wieder als „Anti-Aging-Enzyme“ bezeichnet. Diese Wirkungen einer gesteigerten Sirt1-Aktivität konnten in Experimenten mit Hefen gezeigt werden[27][28] und die Ergebnisse an anderen Modellorganismen durch Versuche mit dem Sirtuin-Aktivator Resveratrol bestätigt werden.[29][30][31] Allerdings können diese Studien nicht einfach auf den Menschen übertragen werden, da die Verlängerung der Lebensdauer der Mikroorganismen im Wesentlichen auf einer Kalorienrestriktion gründet. Experimente an Mäusen konnten keine Lebensverlängerung zeigen, wobei aber altersbedingte degenerative Erkrankungen signifikant hinausgezögert werden konnten.[32][31]

Wirkt Fasten/Nahrungsentzug auf Basis der Autophagie gegen Krebs und Alzheimer?

Medizinnobelpreis 2016 für Zellforscher Yoshinori Ohsumi für Aufklärung der Mechanismen der Autophagie
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Yoshinori Ōsumis Forschungen sind für
die verschiedensten medizinischen Gebiete
relevant, unter anderem für neurologische
Erkrankungen oder Krebs[33]


Medizinnobelpreis für Zellforscher Yoshinori Ōsumi für Erforschung der Mechanismen der Autophagie
Stockholm – Der 71-jährige Japaner Yoshinori Ōsumi (auch Ohsumi) vom Tokyo Institute of Technology hat den Medizin-Nobelpreis im Jahr 2016 für seine Entdeckung der Mechanismen der sogenannten Autophagie erhalten – jenes Prozesses, mit dem Zellen eigene Bestandteile abbauen und verwerten. Ōsumis Entdeckungen führten laut dem Nobelpreiskomitee zu einem neuen Paradigma im Verständnis davon, wie die Zelle ihre Inhalte wiederverwendet. Seine Erkenntnisse öffneten den Weg zu einem besseren Verständnis der grundlegenden Bedeutung von Autophagie in vielen physiologischen Prozessen wie beispielsweise bei der Anpassung an Hunger oder bei der Reaktion auf eine Infektion. Mutationen in Autophagie-Genen können Krankheiten verursachen, zudem ist der autophagische Prozess unter anderem an Krebs und neurologischen Erkrankungen beteiligt.[33]

"Autophagie" bedeutet "Selbstessen" oder auch "Selbstverdauung"
Das Wort "Autophagie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als "Selbstessen" oder auch "Selbstverdauung". In den 1960er-Jahren beobachteten Forscher erstmals, dass die Zellen ihre eigenen Inhalte zerstören können. Ōsumi klärte die molekularen Mechanismen der Autophagie am Beispiel von Hefezellen und später auch von Säugetierzellen, die sich durch Abbau körpereigener Proteine auf gewandelte Umweltbedingungen einstellen. Dabei identifizierte er mit seiner Gruppe die beteiligten Enzyme, deren Regulierung je nach Stoffwechselzustand sowie den Mechanismus der Bildung von Autophagosomen (Membranen, die die abzubauenden Proteine umschließen und an Vakuolen oder Lysosomen abgeben). Seine vielleicht wichtigste Arbeit publizierte Ōsumi 1993, als es ihm gelang, 15 Gene zu beschreiben, die bei der Autophagie in Zellen von Bäckerhefe eine entscheidende Rolle spielen. In einer Reihe von "eleganten" (so das Nobelpreiskomitee) Nachfolgestudien klonte er einige dieser Gene in Hefe- und Säugetierzellen und konnte so die Funktion der jeweiligen Proteine entschlüsseln. Erst aufgrund dieser Entdeckungen wissen wir heute mehr über die grundlegende Bedeutung von Autophagie für Krankheits- und auch Alterungsprozesse. [33]

Das System der Autophagie ist fundamental für das Funktionieren der Zellen
Fumiyo Ikeda vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sagte: "Yoshinori Ōsumi weiß alles. Er kennt alle Geschichten. Er ist zentrale Figur dieses Forschungsgebietes." Seine gewonnenen Erkenntnisse seien "grundlegende Beiträge zu Abläufen in Zellen." "Das System der Autophagie ist fundamental für das Funktionieren der Zellen. Es geht darum, wie die Zelle Mist loswird", schilderte die Wissenschafterin die Bedeutung der Aufklärung der Mechanismen der "Selbstverdauung" von Proteinkomplexen und Organellen. Die Regulation dieser Prozesse sei von enormer Bedeutung. Auf den Arbeiten von Ōsumi aufbauend seien mittlerweile auch viele seiner Mitarbeiter und Schüler auf diesem Fachgebiet bekannt geworden.[33]

Autophagie-Induktoren Rapamycine, Spermidin oder Fasten/Nahrungsentzug
bremsen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder ALS

Frank Madeo vom Institut für molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz wies darauf hin, dass es mittlerweile zahlreiche Arbeiten an Tiermodellen gibt, die zeigen, dass verschiedenste Formen der Neurodegeneration durch die Induktion von Autophagie bekämpft werden können. Das liege daran, dass im Grunde alle neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder ALS auf der exzessiven Aggregation oder Verklumpung von Proteinen beruhen, die die Funktion der Nervenzelle stören. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)[34] ist eine neurodegenerative Erkrankung, die klinisch durch die fortschreitende Degeneration der oberen und unteren motorischen Neurone gekennzeichnet ist. Sie beginnt zumeist fokal und ergreift im Verlauf die gesamte Körpermuskulatur unter Einbeziehung der bulbären Muskeln und der Atemmuskulatur. Die Erhöhung der Autophagie-Rate räume mit diesen Proteinaggregaten auf, indem sie die Verdauung der Aggregate bewirke. Das funktioniere sowohl pharmakologisch (durch die Autophagie-Induktoren Rapamycine oder Spermidin) als auch physiologisch (durch den Autophagie-Induktor Fasten/Nahrungsentzug). Klinische Studien am Menschen würden bereits laufen.[33]

Gestörte Autophagie-Abläufe in Verbindung mit Tumorerkrankungen und altersbedingten Krankheiten
Michael Jantsch, Zell- und Entwicklungsbiologie an der Med-Uni Wien, schilderte den Ablauf der Prozesse so: "In den Zellen müssen viele Proteine und Organellen, die im Laufe von Alterungsprozessen zum Beispiel durch Oxidation geschädigt worden sind, abgebaut werden. Sie werden deshalb dafür markiert und bei der Autophagie mit einer Membran umgeben." In diesen Bläschen wird der "Abfall" zu den Lysosomen – Bläschen mit Abbauenzymen – transportiert. Die Membran verschmilzt mit dem Lysosom, und die Fracht ist damit bei der Müllentsorgung angekommen. Man habe mit gestörten Autophagie-Abläufen vor allem manche Tumorerkrankungen in Verbindung bringen können, aber auch altersbedingte Krankheiten.[33]

Autophagie ist für das Funktionieren des Organismus notwendig
Claudine Kraft von den Max Perutz Laboratories (MFPL) in Wien forscht direkt an Autophagie. "Man wusste schon lange, dass es einen solchen Mechanismus gibt. Ōsumi hat das erste daran beteiligte Gen entdeckt, das er ATG1 nannte. Er entdeckte danach 14 weitere Gene, die an Autophagie beteiligt sind." Neben der Beseitigung von Abfall in den Zellen sei die "Selbstverdauung" aber auch für mehrere andere Prozesse wichtig. "So können damit in die Zelle eingedrungene Pathogene, zum Beispiel Bakterien, erkannt und beseitigt werden. Darüber hinaus erlaubt die Autophagie ein Recycling in der Zelle. Wenn eine Zelle keine Nährstoffe erhält, beginnt sie mit Autophagie, um daraus wieder Bausteine zu erhalten." Kommen Mäuse mit ausgeschalteter Autophagie auf die Welt, verhungern sie, weil ihnen bis zur Versorgung mit Muttermilch die notwendige Energiezufuhr fehlt. Wichtig sei die Forschung für das Verständnis von neurodegenerativen Erkrankungen. "Wenn man bei Mäusen ausschließlich im Gehirn die Autophagie ausschaltet, kommen sie zwar lebend zur Welt. Sie zeigen aber sofort Symptome von Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson." Das weist darauf hin, dass etwas Autophagie für das Funktionieren des Organismus einfach notwendig ist.[33]

Ernährung

Antioxidantien: Vitamine A, C und E, Selen

Häufig wird eine hohe tägliche Zufuhr der Vitamine A, C und E empfohlen sowie von Selen, um die schädliche Wirkung der freien Radikale zu bremsen. Bei einem solchen Vorgehen müssten die entsprechenden Substanzen allerdings in hoher Dosierung lebenslang gegeben werden. Zu hohe Vitamin-C-Gaben führen wiederum zu einem Ansteigen der Konzentrationen an freien Radikalen insbesondere in Anwesenheit von freiem Eisen, was eine mögliche Wirkung in Frage stellt.

Verzicht auf tierische Fette, Zucker, Alkohol & Nikotin

Außerdem wird häufig geraten, auf rotes Fleisch, tierische Fette, Zucker, regelmäßigen Kaffee- und Alkoholkonsum und Nikotin zu verzichten. Statt Rotwein wird eher „Roter Traubensaft“ oder „Weintraubenextrakt aus roten Trauben und Kernen“ empfohlen.[35] Die Gelatine-Hersteller behaupten, dass durch die Einnahme von täglich 10 Gramm ihres Produktes unter anderem das Bindegewebe gefestigt und die Faltentiefe der Haut gemindert werde.[36][1]

Okinawa & Sizilien: Viel Fisch, Soja, Tofu, grüner Tee

Nachweislich leben überdurchschnittlich viele Menschen, die älter als 100 Jahre alt werden, auf Okinawa und auf Sizilien; auf beiden Inseln werden die Geburten amtlich erfasst.[16] Im Gegensatz dazu gibt es zum Beispiel für die Altersangaben der Hunzukuc keine amtlichen Belege. Auf Okinawa ernähren sich die Bewohner vor allem von Fisch, Nori, Goya-Gurken, Soja, Tofu, Kohl, Süßkartoffeln, Obst und grünem Tee. Auf Sizilien wird viel Gemüse gegessen, außerdem spielen Fisch und Olivenöl bei der Ernährung eine wichtige Rolle.[1]

Da die meisten Menschen, die über 100 Jahre alt werden, schlank sind und tendenziell eher Untergewicht haben, was auch auf Okinawa und Sizilien der Fall sein soll, gibt es außerdem den Tipp, die tägliche Kalorienzufuhr zu senken und bei den Mahlzeiten nie bis zur völligen Sättigung zu essen.[1]

Dr. Ulrich Strunz: Alpha-Liponsäure gegen Altersflecken

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Dr. Ulrich Strunz: Alpha-Liponsäure gegen Altersflecken[37]


Dr. Ulrich Strunz berichtete in [37] am 8. September 2017 begeistert darüber, dass Professor Ames, etwa so alt wie Dr. Strunz, im Fernsehen bei Nina Ruge über ein wirksames Mittel gegen Altersflecken informiert hatte, das Dr. Strunz in der Folge selbst erfolgreich angewendet hatte. Professor Dr. Ames, laut Dr. Strunz der im Jahr 2017 berühmteste Biochemiker der Welt, meinte in der TV-Sendung: „Altersflecken? Hab ich nicht. Ich nehme Alpha‐Liponsäure“. Er schob seinen Ärmel hoch und zeigt Unterarm und Hand: Glatt, jugendlich und wie ein Kind ohne Altersflecken. Dr. Strunz hatte bis zu dieser Sendung Altersflecken und hatte dies bis dahin hingenommen. Daraufhin nahm Dr. Ulrich Strunz Alpha‐Liponsäure und innerhalb weniger Wochen waren die Altersflecken verschwunden. Seine wirksame Dosis: Alpha-Liponsäure 600 mg, 4x1, 4 Wochen, dann 1x1.[37]

Lithium verlängert das Leben um 3-4 Jahre

Zum Lithiumblutspiegel gibt Dr. Ulrich Strunz[38] an, ein normaler Blutwert würde zwischen 2-30 µg pro Liter liegen. Er selbst habe jedoch 72 µg und damit einen weitaus höheren Wert. Hinzu kommt dann jedoch noch ein anderes Problem: Wie erhöht man seinen Lithiumspiegel überhaupt? Es gibt Lithiumpräparate, die man rezeptfrei bekommen kann. Ein Weg, den Lithiumbedarf zu decken und die Lithiumaufnahme zu erhöhen, führt über Mineralwasser, insbesondere Heilwasser. Denn die normale Nahrung kann uns durch essbare Lebensmittel kaum ausreichend mit Lithium versorgen.[39]

Prof. M. Ristow aus Jena hat japanische Kollegen angeregt, Lithium über die antidepressive Wirkung hinaus weiter zu erforschen. Und prompt stellte sich heraus, dass bei viel Lithium im Leitungswasser auch das Leben Gesunder (ohne bipolare Störungen) sich verlängerte.[40] Ein lebensverlängernder Effekt wurde also auch bei nicht Selbstmord-gefährdeten Menschen nachgewiesen: umgerechnet um 3-4 Jahre.[38] Außerdem ist Lithium zur Alzheimer-Prophylaxe sehr gut geeignet: Von 66 ehemaligen bipolaren Patienten sind nur 3% an Alzheimer erkrankt gegenüber 33% bei der Vergleichsgruppe. Eine spätere Studie mit 21'000 ehemaligen Lithium-Patienten zeigte ebenfalls ein deutlich vermindertes Risiko.[41]

Spermidin (ab 80 Mikromol pro Tag): Lebenserwartung-Erhöhung um fünf Jahre (2018)

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The Longevity Labs (Graz): Spermidine Life (Kosten: 60 Kapseln/Monat 49,90 €)[42]


Das natürliche Polyamin Spermidin [43] hat einen Anti-Aging-Effekt (ca. 5J.) zur Folge
Erstmals habe 2018 ein internationales Forscherteam, geleitet von der Medizin Uni Innsbruck, diesen Effekt nun auch für den Menschen nachweisen können, teilte die Universität mit. Zuvor hatte das Polyamin in der Zellkultur und bei Tieren lebensverlängernde Wirkung gezeigt. Wer mit der Nahrung viel Spermidin zu sich nimmt, verlängere damit möglicherweise seine gesunde Lebensspanne, so die Forscher, die untersucht hatten, inwieweit Nahrungsbestandteile in der Lage sind, systemisch Einfluss auf Entzündungs- und Alterungsprozesse zu nehmen. Untersucht wurde, inwieweit die über die Nahrung aufgenommene Menge an Spermidin mit der Lebensspanne korreliert. Das Ergebnis: Probanden, die viel Spermidin über die Ernährung zuführen, also mindestens 80 Mikromol pro Tag, wiesen ein deutlich geringeres Risiko auf, im 20-jährigen Beobachtungszeitraum zu versterben. "Der Überlebensvorteil von spermidinreicher im Vergleich zu spermidinarmer Ernährung (bis zu 60 Mikromol pro Tag) beträgt rund fünf Jahre", sagte Forscher Raimund Pechlaner.[44]

Lebensverlängernde Wirkung von Spermidin beruht auf seiner Fähigkeit, Autophagie anzuregen
Der Gehalt von Spermidin, das in hoher Konzentration in Samenflüssigkeit sowie in anderen Körperzellen vorkommt und auch von bestimmten Darmbakterien produziert wird, nehme im Lauf des Lebens ab. "Dieser Entwicklung kann durch eine Ernährung mit spermidinreichen Lebensmitteln wie Keimgemüse, Erbsen, Vollkornprodukten, Äpfeln, Salat, Pilzen, Nüssen, Kartoffeln oder gereiftem Käse entgegengewirkt werden", betonten die Innsbrucker Forscher. Umgelegt auf die individuelle Nahrungsmittelzufuhr, würde man sich mit beispielsweise zwei Portionen Vollkornbrot, zweimal Salat und einem Apfel auf dem täglichen Speiseplan im oberen Drittel der Spermidin-Einnahme wiederfinden. Mechanistisch gesehen beruht die lebensverlängernde Wirkung von Spermidin laut den Wissenschaftern vor allem auf seiner Fähigkeit, Autophagie anzuregen. Bei diesem, auch durch mehrstündiges Fasten ausgelösten, Selbstreinigungsprozess der Zelle werden fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile abgebaut und verwertet.[44]

Vermehrte Spermidin-Aufnahme signalisiert der Zelle, den Selbstreinigungsprozess zu starten
Weil die Autophagie (Interview mit Molekularbiologe Slaven Stekovic: Wie Fasten unsere Zellen verjüngt [45]) im Alter an Effizienz verliert, kommt es zu krankheitsrelevanten Ablagerungen in den Zellen, die wiederum zu Demenz, Diabetes, Tumoren und Atherosklerose führen können. "Die vermehrte Aufnahme von Spermidin signalisiert der Zelle, den Selbstreinigungsprozess zu starten und schützt damit vor Ablagerungen und vorzeitiger Alterung", so Kiechl. Die Ergebnisse der Studie, die unter der Federführung der Medizin Uni Innsbruck und mit der Universität Innsbruck und dem Krankenhaus Bruneck sowie mit Forschern in Graz, London und Paris entstanden sind, wurden 2018 im American Journal of Clinical Nutrition (AJCN) veröffentlicht.[46] [44]

Höchster Gehalt an Spermidin: Weizenkeime, Kräuterseitling-Pilz & NATTO-Soja

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Spermidin-reiche Lebensmittel: Weizenkeime, Kräuterseitling-Pilz & NATTO-Soja[47]


Buchautor & Molekularbiologe Slaven Stekovic über Nattō: gekochte & mit einem Bakterium angesetzte Sojabohnen
Wer lange leben will, der muss sich dafür manchmal auch überwinden: Etwa dann, wenn man kein Japaner ist und das japanische Nattō verspeisen will – gekochte und mit einem Bakterium angesetzte Sojabohnen. Durch die Fermentation bildet sich ein Fäden ziehender Schleim um die Bohnen – und ein starker Geruch. Nattō zeichnet eines aus: Ein hoher Gehalt an Spermidin. Diese natürliche Substanz hat eine besondere Eigenschaft: "Sie kann im Körper den Effekt von Fasten nachahmen", sagt der Molekularbiologe Slaven Stekovic von der Karl-Franzens-Universität Graz. Er beschreibt in seinem neuen Buch "Der Jungzelleneffekt", wie das Reparaturprogramm der Zellen aktiviert werden kann. [47]

Autophagie besonders wirksam bei Kalorienverzicht innerhalb von zumindest 15 bis 16 Stunden
Autophagie (von altgriechisch "sich selbst verzehrend") heißt der Reinigungsprozess der Zellen. "Dabei bauen sie defekte Bestandteile, molekularen Schrott, ab, der dafür verantwortlich ist, dass die Zelle nicht mehr zur Gänze funktionsfähig ist. Durch diese Reinigung von nicht mehr intakten Bestandteilen verbessert sich die Zellfunktion." Die Autophagie kommt in Gang, wenn über einen längeren Zeitraum keine Nahrung aufgenommen wird: "Dabei kann die Zelle in einer Art Recyclingprozess Energie gewinnen – als Ersatz für die Energie aus der Nahrung." Stekovic betont, dass – aus wissenschaftlicher Sicht – die Autophagie am besten aktiviert wird, wenn es wirklich einen kompletten Verzicht auf Nahrung gibt: "Also auch keine Smoothies oder Suppen zwischendurch – sondern keine Kalorienaufnahme innerhalb von zumindest 15 bis 16 Stunden." Ab dieser Zeit steige die Chance, dass die Autophagie eingeschaltet wird. "Aber wir können keine genaue Zeitangabe sagen. Das hängt auch vom Lebensstil und der Ernährung ab."[47]

Spermidin-reiche Ernährung täuscht dem Körper Fasteneffekte vor
Grazer Forscher um Frank Madeo – Stekovic hat in ihrem Team mitgearbeitet – haben bereits 2009 herausgefunden, dass es auch eine Möglichkeit für "Fasten ohne fasten" gibt: Auch die natürliche Substanz Spermidin kann diesen körpereigenen Reinigungsprozess ankurbeln. In Tierversuchen etwa mit Fruchtfliegen hat sich gezeigt, dass Spermidin die Gedächtnisleistung verbessern kann – also die Funktion der Nervenzellen erhöht. "Man kann mit einer Spermidin-reichen Ernährung ein wenig schummeln und dem Körper Fasteneffekte vortäuschen", sagt Stekovic. "Das Fasten kann es aber nicht ersetzen." In seinem Buch präsentiert er Rezepte für Spermidin-reiche Lebensmittel - welche das genau sind, zeigt die Infografik (in absteigendem Spermidin-Gehalt): Weizenkeime, Kräuterseitling-Pilz, Natto-Soja, Cheddar (12 Monate), Pilze, Erbsen, Brokkoli, Nüsse und Polenta.

Stekovic selbst fastet zwischen zwei und vier Tagen pro Woche mit komplettem Nahrungsverzicht
Slaven Stekovic selbst fastet übrigens zwischen zwei und vier Tagen pro Woche – eine Folge seiner wissenschaftlichen Arbeit: "Ich habe ein Forschungsprojekt geleitet, wo wir die Auswirkungen untersuchten, wenn jemand jeden zweiten Tag fastet. Und ich habe das dann auch für mich privat übernommen, weil es mir sehr guttut." Fasten stärke auch die Wahrnehmung durch alle Sinne: "Das hat einen evolutionären Grund: Wenn keine Nahrung vorhanden ist und ich sie erst finden muss, dann hängt mein Überleben davon ab, wie gut ich sehe, höre und rieche."

Ist also eine reine Kalorienreduktion weniger effektiv als ein kompletter Nahrungsverzicht für einen gewissen Zeitraum? – "Wer weniger isst, hat viele positive Effekte: Entzündungsfaktoren gehen zurück, das schädliche Fett im Bauchbereich wird weniger, Schlaf- und Herzrhythmus normalisieren sich, die Funktion des Verdauungstraktes verbessert sich", betont Stekovic: "Es gibt viele Überschneidungspunkte zu einem kompletten Nahrungsverzicht – aber für die positiven Effekte der Autophagie ist ein völliger Kalorienverzicht besser."

Und wie sieht der Molekularbiologe den spirituellen Effekt des Fastens? "Den finde ich sehr wichtig. Wir wissen aus Untersuchungen, dass spirituelle Menschen glücklicher sind und länger leben. Egal ob Yoga oder Meditation in einer Kirche: Der Parasympathikus – der Ruhenerv – wird aktiviert, Regenerationsprozesse schalten sich ein." [47]

Bewegung und Sport

Eine bis knapp 2 1/2 Stunden Jogging pro Woche ist gut für die Gesundheit

Beim Jogging kommt es auf das richtige Maß an. Eine Studie aus Dänemark kommt zu dem Schluss, dass das Laufen nur dann auf lange Sicht wirklich gut für die Gesundheit ist, wenn leicht oder moderat gejoggt wird. Optimal sind demnach eine bis knapp zweieinhalb Stunden Jogging pro Woche, am besten verteilt auf nicht mehr als drei Laufeinheiten, wie die Fachzeitschrift „Journal of the American College of Cardiology“[48] berichtet. Auch sollte kein allzu hohes Tempo eingeschlagen werden.[49] Für die Untersuchung hatten die Forscher aus Kopenhagen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg Daten von 1098 Joggern und 3950 gesunden Nicht-Joggern gesammelt. Heraus kam, dass die Sterblichkeitsrate unter „exzessiven“ Joggern fast genauso hoch war wie bei den Nicht-Joggern. Die niedrigste Sterblichkeitsrate wurde bei den „leichten“ Joggern verzeichnet, gefolgt von den moderaten Joggern. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass sehr anstrengendes Jogging über Jahrzehnte hinweg Gesundheitrisiken mit sich bringen könne, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System, erläuterte Peter Schnohr vom Frederiksberg-Hospital in Kopenhagen. Wem es darum gehe, seine Lebenserwartung zu steigern, dem sei zu raten, dass er nur ein paar Mal pro Woche jogge, und dies in einem moderaten Tempo. „Alles, was darüber hinausgeht, ist nicht nur überflüssig, es kann sogar schaden“, warnte Schnohr.[49]

Extrem-Sport beschleunigt den Alterungsprozess

Der Marathon bedeutet für viele Amateure die Krönung ihrer Laufkarriere. Sportmediziner und Sportpädagogen sehen darin jedoch keinerlei gesundheitlichen Nutzen. Im Gegenteil: Extrem-Sport beschleunigt den Alterungsprozess.[50] Dr. Gobert Skrbensky, Sportorthopäde im Wiener AKH: Es wird zu weit, zu schnell und zu oft gelaufen. Das Resultat zeigt sich dann in der typischen Trias der Läuferbeschwerden: schmerzende Schienbeine, entzündete Achillessehnen und beleidigte Kniegelenke. Kardiologen, Endokrinologen, Sportmediziner, Orthopäden sind sich einig: Gesund ist der Marathon sicher nicht, sagt der Wiener Leistungsphysiologe Valentin Leibetseder. Er setzt den Körper nur enorm unter Stress. Wenn überhaupt etwas gesund sei am Marathon, dann ­bestenfalls das richtig betriebene Training für einen Halbmarathon. Eigentlich wäre es das Beste, wenn ein Läufer zwei Tage vor dem Marathon einen ordentlichen Schnupfen bekäme oder das Auto eingeht, damit er gar nicht an den Start gehen kann. Denn wer sich nicht perfekt auf die Langdistanz vorbereitet, kommt leicht in jenen Bereich, den Mediziner als das Paradox der Bewegung bezeichnen: Nicht nur ein Zuwenig, sondern auch ein Zuviel an Bewegung kann dem Körper schaden.[50]

Der Marathonlauf bedeutet eine enorme Belastung für Sehnen, Knochen und Gelenke. Wer darauf verzichtet, verkürzte Strukturen etwa in der Achillessehne, den Waden oder den Oberschenkeln durch entsprechend aktive Bewegungsübungen zu trainieren, riskiert Entzündungen. Dies gilt sowohl für Laufneulinge als auch für ambitionierte Läufer. Denn pro Laufschritt müssen schon im Normalfall Kräfte abgefedert werden, die dem Drei- bis Fünf­fachen des Körpergewichts entsprechen. Und wer bei einem schlechten Schritt einknickt, bei dem steigt die Belastung ­augenblicklich bis auf das Siebenfache an. Selbst perfekt sitzende Schuhe, die nicht zu hart, aber knöchelfrei sein sollten, können dabei nur Belastungsspitzen dämpfen, nicht aber die Belastung selbst.[50]

Kniegelenks-Leiden: Häufigkeit steigt mit der wöchentlichen Kilometerleistung:
Nur wer mit ausgezeichnet trainierter Muskulatur und perfektem Laufstil an den Start geht, hat die Chance, Sehnen­entzündungen oder Knorpelschäden im Knie zu vermeiden. Laut einer Anfang 2008 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten Überblicksstudie ist das Kniegelenk der am häufigsten in Mitleidenschaft gezogene Körperteil von Langstreckenläufern. Zwischen 20 und 80 Prozent leiden daran, und die Häufigkeit steigt mit der wöchentlichen Kilometerleistung. Laufen für die körperliche Fitness heißt in jedem Fall easy going, sagen Experten. Anfänger sollten sich zunächst eine Vorbereitungszeit gönnen. Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, sollte die Ernährung umstellen. Das Laufen selbst führt nicht zur Arthrose, wohl aber das Übergewicht. Wer sich gegen Knorpelschäden absichern will, sollte daher als ­Erstes eine gelenksentlastende Bewegungsform wählen, etwa Schwimmen oder Radfahren, bevor er mit dem Laufen beginnt. Diese Sportarten fördern den Aufbau von eventuell zu schwach entwickelter Muskelkraft. Mangelhaft ausgebildet sind zumeist die Muskelgruppen auf der Innenseite der Oberschenkel, oft auch bei schon routinierten Läufern. Schlaffe Oberschenkelmuskeln können die Kniegelenke nur mangelhaft stabilisieren. Ober- und Unterschenkelknochen krachen regelrecht aufeinander, was den Knorpel über Gebühr strapaziert.[50]

Boston-Studie: Extremer Ausdauersport führt nachweislich zu kardialem Stress
Wer mit zu geringem Trainingsumfang in den Wettkampf geht, spürt dies bald an der heftigen Reaktion seines Körpers. Unter den zahlreichen Studien, welche dieses Phänomen bereits untersucht haben, fand vor allem eine Arbeit der Harvard Medical School internationale Beachtung. Die Mediziner untersuchten 60 Hobbyläufer des Boston-Marathons, darunter 41 Läufer und 19 Läuferinnen, nach diversen Parametern und fokussierten dabei vor allem auf das Herz. Vor und nach dem Bewerb wurden die Läufer mittels Ultraschall (Echokardiografie) getestet, dazu wurde auch ihr Blut laborchemisch auf bestimmte Biomarker untersucht. Die Probanden Durchschnittsalter 41 Jahre, schlank, fit und gesund staunten nicht schlecht, als sie die Ergebnisse sahen.[50]

Der Ultraschallbefund zeigte vielfach das Bild eines pathologisch ermüdeten Herzens. Bei etwa 60 Prozent des Samples fanden sich Eiweiße im Blut, die normalerweise als Biomarker für Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz gelten. So lag der Wert für das kardiale Troponin T (cTnT), ein Protein, das in der Klinik auf absterbende Herzzellen hinweist, bei 40 Prozent sogar über jenem Level, ab dem Kardiologen bereits an einen akuten Herzinfarkt denken. Ebenso verdoppelten sich bei den Läufern die Werte für den Biomarker NT-proBNP, was bei klinischen Patienten als Zeichen für eine pathologische Überbelastung des Herzmuskels (Herzinsuffizienz) gedeutet worden wäre. Dem größten kardialen Stress waren Läufer ausgesetzt, deren wöchentliche Trainings­leistung unter 56 Kilometer lag. Wer diese Trainingsmarke übersprungen hatte, zeigte deutlich weniger kardialen Stress. Und bei jenen Läufern, die mehr als 72 Kilometer pro Woche trainiert hatten, näherten sich die registrierten Biomarker fast dem Normalwert. Für die Läufer waren die Befunde dennoch überraschend. Keiner von ihnen hatte während des Laufs über Herzbeschwerden, Brustschmerzen oder übergroße Atemnot geklagt. Mittlerweile wurden solche Untersuchungen an tausenden Marathonläufern, Triathleten, 100-Kilometer-Läufern und anderen extremen Ausdauersportlern wiederholt, mit ähnlichen Ergebnissen. Extremer Ausdauersport führt nachweislich zu kardialem Stress. Es wird vermutet, dass Autoimmunreaktionen auf das ausgeschüttete Troponin Entzündungen im Herzmuskel provozieren könnten, gefolgt von Bindegewebsverdickungen (Fibrose) und Herzfehlern.[50]

Bei 36 % der Marathonläufer ­fanden Kardiologen erhöhte Arterio­sklerose-Parameter in den Herzkranzgefäßen
Dass Marathonlaufen das Herz auch langzeitig schädigen könnte, darauf deuten Erkenntnisse des Kardiologen Stefan Möhlenkamp vom Westdeutschen Herzzentrum in Essen hin. Im Rahmen eines Herzvorsorgeprogramms untersuchte der Mediziner einen 63-jährigen Marathonläufer, bei dem er ein paar Tage nach dem Lauf einen stillen Herzinfarkt diagnostizierte. Der Läufer hatte davon nichts bemerkt. Möhlenkamp startete daraufhin eine groß angelegte Untersuchung an mehr als 100 erfahrenen Marathonläufern, alle älter als 50, fit und ohne Herzkrankheiten oder Diabetes. Dabei wurde auch der Kalkscore in den Herzkranzgefäßen gemessen, ein Wert, der Aufschluss über die Kalkablagerungen in den Blutgefäßen des Herzmuskels gibt. Die Ergebnisse verglich er mit den nicht Marathon laufenden Personen derselben Altersgruppe. Ergebnis: Zwar zeigten alle Marathonläufer ein um 50 Prozent besseres Herz-Kreislauf-Profil im Vergleich zur gleichaltrigen Bevölkerung. Was das Arterioskle­rose-Risikoprofil in den Herzkranzgefäßen betrifft, wurde Möhlenkamp allerdings überrascht. Jahrzehntelang waren Mediziner davon ausgegangen, dass Marathon auch gut gegen Arterienverkalkung wirke. Nach Möhlenkamps Untersuchungen ist man dessen nicht mehr so sicher. Bei 36 Prozent der Marathonläufer ­fanden die Kardiologen erhöhte Arterio­sklerose-Parameter in den Herzkranzgefäßen. Dies entsprach den Werten der nicht laufenden Allgemeinbevölkerung. In einer Vergleichsgruppe von 216 gleichaltrigen Männern, die ebenfalls topfit waren, aber keinen Marathonsport betrieben, fand sich sogar nur bei 22 Prozent ein ähnlich erhöhter Kalkscore. Marathonläufer könnten daher, so Möhlenkamp vorsichtig, zumindest ein gleich hohes, wenn nicht unter Umständen ein höheres Risiko für die koronare Herzgefäßerkrankung besitzen.[50]

Dr. Markus Metka: Wer über Jahre hinweg überbe­lastenden Ausdauersport betreibt, kurbelt das Altern an
Möhlenkamp tippt auf ein komplexes Zusammenspiel von Überbeanspruchung und Alterungsprozessen. Dauernde Mikrogewebeschäden, häufiger kardialer Stress können jedenfalls Entzündungen provozieren. Anti-Aging-Spezialisten wie etwa die Leiterin des Innsbrucker Instituts für biomedizinische Alternsforschung, Beatrix Grubeck-Loebenstein, kann dieser Hypothese einiges abgewinnen. In der Fachterminologie heißt sie "silent inflammation" (stille Entzündung) oder auch Inflamm-Aging: Wir wissen, dass der Alterungsprozess mit stillen Entzündungsprozessen in allen Organen einhergeht. Es ist durchaus denkbar, dass Überbeanspruchungen diese Prozesse unterstützen. Der Wiener Hormonexperte und Anti-Aging-Mediziner Markus Metka vergleicht die Effekte mit einem Sonnenbrand: Nur dass man die Entzündung im Gewebe nicht sieht. Die Folge der "silent inflammation": Wer über Jahre hinweg überbe­lastenden Ausdauersport betreibt, kurbelt das Altern an. Typisches Zeichen, so Metka: Wenn junge Ausdauersportler, ausgezehrt und faltig, um Jahre älter aussehen, dann haben sie sich jahrelang überlastet.[50]

Marathonläufer sind anfälliger für Infekte und nehmen oft nierenschädigende Schmerzmittel
Die monatelange Überbelastung durch das extreme Laufpensum schwächt das Immunsystem. Um mit entzündetem Gewebe und Schmerzen weitere Leis­tungssteigerungen zustande zu bringen, wird gedopt. Seit Anfang April 2008 steht auch die Marathonspitzenläuferin Susanne Pumper unter Dopingverdacht. Pumper war sich aber keiner Schuld bewusst und wollte für ihre Reinwaschung kämpfen. Dass viele unkontrollierte Hobbyläufer das entzündungshemmende, jedoch Nieren-schädigende Schmerzmittel Voltaren verwenden, ist ein offenes Geheimnis. Viele Marathonasse gelten überdies offiziell als Asthmatiker, um entkrampfende Sprays beim Lauf verwenden zu dürfen.[50]

Mäßiges Laufen, Radfahren und Schwimmen senkt Erkrankungsrisiken für Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes
Trotz mancher Extreme sagt der Wiener Pulmologe und Trainingsspezialist Paul Haber: Laufen, Radfahren und Schwimmen zählen zu den besten Möglichkeiten, um Krankheitsrisiken wie Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes zu senken. Das muss man bei aller Risikoabwägung klar sagen. Um den pathologischen Effekten des Marathons auszuweichen, gilt die Devise: weniger ist mehr.[50]

Kontrovers diskutierte Anti-Aging-Therapien

Melatonin

Zu den Anti-Aging-Hormonen gehört das Melatonin, das in der Zirbeldrüse produziert wird und den menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Die körpereigene Produktion lässt im Alter nach, was unter anderem zu Schlafstörungen führen kann. Die Hypothese, dass Melatonin einen Anti-Aging-Effekt beim Menschen zeigen könnte, gehen zum einen auf die Schweizer Forscher Maestroni und Pierpaoli zurück, andererseits auf den US-amerikanischen Forscher Russell J. Reiter. In den Studien von Maestroni und Pierpaoli an Ratten wurden später angeblich schwerwiegende technische Mängel entdeckt. Für diese Aussage wurde jedoch keine zuverlässige Quelle angegeben.[1] Die verwendeten Inzuchtratten hätten laut Quelle [51] ohne Beleg durch eine zuverlässige Quelle einen Gendefekt, der zu einer gestörten Melatoninsekretion geführt hätte. Bis Januar 2017 konnte jedoch keine andere Quelle gefunden werden, welche diese Mängel in den Melatonin-Studien belegen.

In den USA gelten Melatonin-Präparate als „Wundermittel“ und sind frei im Handel erhältlich, in Deutschland sind sie wegen des Fehlens des Unbedenklichkeitsnachweises nicht zugelassen. Der wissenschaftliche Nachweis, dass Melatonin tatsächlich das Altern verzögert, fehlt bislang, wenn man Quelle [1] glauben kann; ebenso fehlen laut dieser Quelle Langzeitstudien zu möglichen Nebenwirkungen. Melatonin müsste präventiv in relativ hoher Dosierung eingenommen werden, was eine Störung zirkadianer Rhythmen zur Folge hätte, wenn dieses nicht regelmäßig jeden Tag zu einer bestimmten Zeit eingenommen würde. Die Behandlung müsste streng genommen bereits in der Kindheit einsetzen, was sich wegen der störenden Einflüsse des Melatonins auf die kindliche sexuelle Entwicklung verbietet. Melatonin war darüber hinaus eine Zeit lang im Gespräch als „Pille für den Mann“ und gilt als „Waffe“ gegen freie Radikale.[1]

Wachstumshormone: Positive Meinungen

Dr. Ulrich Strunz: HGH verzehnfachen mit je 1,2 g Arginin & 1,2 g Lysin
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Anstieg von HGH im Blut nach einmaliger Gabe von 1,2 g Argininpyroglutamat & 1,2 g Lysin[52]


Seit einer 1990 publizierten Studie[53] gilt das Wachstumshormon Somatotropin (HGH, Human Growth Hormone) als besonders wirksames Anti-Aging-Mittel. Die Anhänger werben mit Aussagen wie Fettabbau, Hautgeneration, Prävention von Diabetes mellitus, Verbesserung des Stoffwechsels und eben verzögertes Altern. Auch die Bildung von Wachstumshormonen lässt im Laufe des Lebens kontinuierlich nach. Befürworter der Therapie mit Somatotropin verweisen auf Studien, die die Schutzwirkung dieses Substanz vor Krebs belegen. Als Applikationsform ist nur die Injektion in das Unterhautfettgewebe wirksam.[1]

HGH steigert Muskelmasse, reduziert das Körperfett & stärkt die Knochen

Das neuroendokrine System, die Hormone und hier in erster Linie das Wachstumshormon HGH haben großen Einfluss auf den Alterungsprozess. Eine der größten Überraschungen in der Geschichte der Altersforschung: Ein 65 jähriger Endokrinologe vom Medical College of Winconsin hat 1990 stellte folgende Überlegung an: Wenn ein Hormon im Alter absinkt, so spekulierte er, was passiert dann wohl, wenn man das Hormon bei älteren Menschen "auf den Stand der Jugend" bringt, indem man es spritzt. Nämlich Wachstumshormon (HGH). Sechs Monate lang durften 11 Senioren sich selbst spritzen. Dreimal die Woche.[52] Genau soviel Hormon, dass der Blutspiegel vergleichbar junger Menschen erreicht wurde. Die Kontrollgruppe, 10 weitere Senioren, wurde in den sechs Monaten älter: Ein bisschen fetter, ein bisschen mehr Muskelschwund, ein bisschen faltigere Haut usw. Die Versuchsgruppe mit dem HGH-Kick gewannen in diesen sechs Monaten

  • 10 % Muskelmasse zusätzlich
  • 9 % dickere Haut
  • 14 % weniger Körperfett
  • stärkere, festere Knochen

Mit den Worten des Endokrinologen Rudman: In diesen sechs Monaten gewannen meine Klienten 10 bis 20 Jahre Jugend.[52] Spritzen? Dreimal die Woche? Das wird in jeder, buchstäblich jeder Anti-Aging Klinik praktiziert. Unausweichlich. Ist das zentrale Geheimnis dieser Kliniken. Alles andere ist Zubehör. Dass es auch anders geht, hat Dr. Ulrich Strunz bereits in "Die Diät" 2001 beschrieben. Unvergesslich, wie dieses doch begeisternde Fakt von der Focus-Redakteurin und einem (laut [52] ) nicht wissenden Endokrinologen verrissen wurde. Zitiert hatte Dr. Ulrich Strunz dabei die Grafik rechts von diesem Text.

Wie die Grafik zeigt, kann man mit Arginin und Lysin innerhalb von 90 Minuten das Wachstumshormon um 700 % steigern. Versiebenfachen! Gezeigt an 15 männlichen Versuchspersonen (Quelle: Leistungssport 6/92, S. 30). Inzwischen wissen wir: Entscheidend war hier Arginin. Lysin war nur Zugabe. Verstärken können wir diesen Effekt, so Dr. C. Dorman, durch Zugabe von Ornithin. Also Arginin plus Ornithin. Laut Dr. Dorman verliert man nur durch diese zwei Aminosäuren in drei Monaten 15 % Körperfett, baut dafür 9 % mehr Muskulatur auf. Dazu Prof. H. Fisher von der Uni New Brunswick: "Je mehr dieser beiden Aminosäuren man mit der Nahrung zu sich nimmt, desto besser und schneller der Effekt". Das zeigt auch, wie wichtig tägliches Eiweiß in der Nahrung ist. Naturvölker ernähren sich zu zwei Drittel von Fleisch, manchmal sogar zu 99 %. Siehe Forever-Young-News von Dr. Ulrich Strunz vom 13.05.13.

Wachstumshormone: Kritische Meinungen

Kritiker warnen vor unkalkulierbaren Risiken der Gabe von Wachstumshormonen. Der Altersforscher Christoph Bamberger weist darauf hin, dass Tierversuche gezeigt haben, dass die Gabe von Wachstumshormonen Krebs begünstigt, da die Substanz generell alle Zellen zum Wachstum anregt, also auch möglicherweise vorhandene „schlafende“ Krebszellen.[1] Die Anwendung von Somatotropin sollte jedoch unter Aufsicht eines spezialisierten Arztes erfolgen, der die Substitution in Abstimmung mit anderen defizienten Hormonen durchführt. Eine Monotherapie mit Somatotropin ist bei multipler hormoneller Defizienz – wie sie meist ab der Lebensmitte vorliegt – nicht empfehlenswert, da Somatotropin die Ausschüttung z. B. von Cortisol bremst, was die Stressresistenz verringern kann. [1]

In verschiedenen Tiermodellen konnte gezeigt werden, dass reduzierte Spiegel von Wachstumshormonen, und als Folge davon von IGF-1, sowohl die mittlere als auch die maximale Lebenserwartung signifikant erhöhen.[54] Heterozygote weibliche Mäuse bei denen der IGF-1-Rezeptor ‚abgeschaltet‘ wurde (Gen-Knockout) haben dementsprechend eine höhere Lebenserwartung.[55] Transgene Mäuse, die vermehrt Wachstumshormone exprimieren, weisen dagegen eine deutlich reduzierte Lebenserwartung auf, sind früher geschlechtsreif und zeigen altersbedingte Veränderungen ebenfalls deutlich früher, als der Wildtyp.[56][57][1]

Methoden (noch) ohne Wirkungsnachweis beim Menschen

Folgende Maßnahmen werden entweder immer wieder empfohlen, sind aber nicht durch große prospektive Studien belegt, oder müssen erst durch weitere Studien belegt werden[1]

Tierversuche: Rapamycin (Sirolismus) könnte Leben um 6-9 Jahre verlängern

Mehrere Jahre länger leben? Der Stoff Rapamycin könnte dabei helfen. Versuche an Mäusen brachten aufsehenerregende Ergebnisse – seit 2016 werden sie an Hunden durchgeführt. Die altern ähnlich wie Menschen. Matt Kaeberlein ist „Fachbereichsleiter Alterungsprozesse“ an der University of Washington in Seattle. Kaeberlein ist es gelungen, einen lebensverlängernden Wirkstoff ausfindig zu machen. Das Präparat Rapamycin hat bei Versuchen mit Mäusen schon aufsehenerregende Ergebnisse erzielt. Der Wirkstoff verlängerte ihr Leben um bis zu 25 Prozent. Die Versuchsanordnung war denkbar unproblematisch: Das Mittel wurde einfach dem Futter beigemischt. Am erfolgreichsten wirkte die Substanz bei älteren Tieren, rund 20 Monate alt. Das entspricht beim Menschen in etwa 60 Jahren. Ende der 60er-Jahre extrahierten Forscher den Wirkstoff aus Bakterien, die sie auf Rapa Nui, der Osterinsel, entdeckt hatten, daher der Name. Schnell wurde klar: Die Substanz blockiert ein wichtiges Enzym, das das Wachstum von Zellen im menschlichen Körper steuert und auch in den Fettstoffwechsel eingreift. Heute wird Rapamycin vor allem bei Nierentransplantationen eingesetzt, um Abstoßungen zu verhindern.[58]

Ergebnisse des Mäuseversuchs auf Hunde übertragen bedeuten 2-3 Jahre mehr Lebenserwartung, beim Menschen wären es 6-9 Jahre
Kardiologen benutzen die Substanz, um die Herzfunktion zu stärken. Außerdem kann das Mittel Tumorzellen am Wachsen hindern und entfaltet eine positive Wirkung im Gehirn. In höheren Dosen verursacht es aber starke Nebenwirkungen beim Menschen. Bei den Mäusen im Versuch waren zur Lebensverlängerung erhöhte Dosen des Mittels nötig – die die Tiere aber verkrafteten. Möglich, dass es sich bei Hunden ähnlich verhalte, hofft Kaeberlein. Nun (ab 2016) geht das Anti-Aging-Experiment in die nächste Etappe: einen fünfjährigen Feldversuch mit mindestens 1500 Hunden. Dafür öffnete Kaeberlein die Teilnehmerliste für die gesamten USA – und schloss sie bald darauf wieder: „Die Resonanz war gewaltig. Nach kurzer Zeit hatten wir 3000 Halter in der Kartei. Das reicht.“ Das Mittel habe nicht nur die vorgeschalteten Verträglichkeitstests bei Hunden mit gutem Erfolg durchlaufen. Es wirke mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim Menschen. „Wenn wir die Ergebnisse des Mäuseversuchs auf Hunde übertragen, bedeutet das: bis zu zwei oder drei Jahre mehr“, sagt Kaeberlein. „Für Menschen wären das zwischen sechs und neun geschenkte Lebensjahre.“ Dass alternde Hunde dem alternden Menschen ähneln, wissen Forscher schon länger.[58]

„Eine gute, sinnvolle Studie“, beurteilt Cornelia Kraus, Anthropologin von der Universität Göttingen, das US-Projekt. Kraus war vor drei Jahren maßgeblich daran beteiligt, die Lebenserwartung von Hunden neu zu berechnen. Fazit ihrer Studie: Große Hunde kommen bei Weitem nicht auf eine so hohe Lebenserwartung wie kleine. „Sie altern ähnlich wie Menschen, was Krebs und Herzkrankheiten betrifft, und sterben daher deutlich früher als kleine Rassen“, sagt sie. Am großen Langzeit-Versuch nehmen deshalb nur große Hunde fortgeschrittenen Alters teil, ab mindestens sechs Jahre. „Die Tiere im Versuch sollten mindestens 25 Kilo schwer sein,“ sagt Kaeberlein. An ihnen lässt sich am effektivsten beobachten, ob Rapamycin auch die Herz- und Nierenfunktion verbessert und vor Tumoren schützen kann. „Das verlängerte Leben ist nicht das Wichtigste“, findet Kaeberlein. „Ein paar Jahre mehr wären fantastisch, aber mindestens genauso wichtig ist ein gesundes Leben.“ Kurz vor Beginn der Erprobung sorgt Matt Kaeberlein sich nur noch um einen wissenschaftlich aussagefähigen Versuchsablauf: Es müsse sichergestellt sein, dass Herrchen und Frauchen ihren Hunden die Versuchspillen nicht vorenthalten – und sie am Ende selbst nehmen.[58]

Dehydroepiandrosteron

Dehydroepiandrosteron (DHEA) steuert die Produktion von Geschlechtshormonen bei Männern und Frauen. Die Konzentration von DHEA im Körper sinkt im Alter drastisch. Anti-Aging-Mediziner postulieren, dass eine Einnahme der Substanz positive Auswirkungen auf die Muskelmasse habe, die Haut straffer werde und sich das Gedächtnis verbessere. Auch zur positiven Wirkung der DHEA-Substitution gibt es keine verlässlichen wissenschaftlichen Studien. Es gibt Hinweise auf eine mögliche Begünstigung von Tumoren, doch wird dies von anderer Seite bestritten, unter anderem von der German Society of Anti-Aging-Medicine (GSAAM). Als Einzelsubstanz ist DHEA in Deutschland bislang nicht zugelassen, sie ist jedoch in Präparaten zur Behandlung von Frauen in den Wechseljahren enthalten. Die GSAAM betont auf ihrer Website: „In den pharmazeutischen Prüfberichten des Bundesamtes für pharmakologische Sicherheit ist keine einzige Nebenwirkung berichtet worden, weder im onkologischen noch im metabolen oder kardiologischen Bereich.[1]

Thymustherapie

Mit zunehmendem Alter lässt die Aktivität des Thymus, der für das Immunsystem eine wichtige Funktion hat, nach (Immunoseneszenz). Um diesem Effekt entgegenzuwirken, wurden früher Thymuspräparate von Schaf-Embryonen im Rahmen der Frischzellentherapie injiziert. Heute werden meist Präparate aus getrockneten Thymusdrüsen von ausgewachsenen Schafen oder Schweinen oral verabreicht. Diese Therapie wird von einigen Ärzten und Heilpraktikern mit dem Ziel angeboten, die Immunabwehr zu stärken. Mitunter wird auch behauptet, dass damit Krebs bekämpft werden könne. Es wird auch damit geworben, dass Thymuspräparate das Altern verzögern. Studien, die diese Behauptungen wissenschaftlich belegen, gibt es dazu nicht.[1]

Entfernung seneszenter Zellen

Eine Entfernung seneszenter Zellen in einem Organismus führt zu einem späteren Einsetzen altersbedingter Erkrankungen und einer höheren durchschnittlichen Lebensspanne.[59][1]

Weitere Informationen

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Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 Wikipedia: Anti-Aging
  2. 2,0 2,1 Statistisches Bundesamt Deutschland, abgerufen am 9.12.2017 von NAKO Gesundheitsstudie: Volkskrankheiten im Fokus
  3. 3,0 3,1 3,2 NAKO Gesundheitsstudie: Volkskrankheiten im Fokus, abgerufen am 9.12.2017
  4. Transsexuelle: Vorsicht bei schwerem Kopfschmerz. (Memento vom 12. Februar 2008 im Internet Archive) auf: medical-tribune.de, 11. Februar 2008.
  5. G. Schnyder u. a.: Effect of Homocysteine-Lowering Therapy With Folic Acid, Vitamin B12, and Vitamin B6 on Clinical Outcome After Percutaneous Coronary Intervention. In: JAMA. 288, 2002, S. 973–979.
  6. Major outcomes in moderately hypercholesterolemic, hypertensive patients randomized to pravastatin vs usual care: The Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT-LLT). In: JAMA . 288, 2002, S. 2998–3007. PMID 12479764
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  18. 18,0 18,1 18,2 18,3 18,4 18,5 Japanischer Forscher: Ein leerer Magen macht gesund, Yoshinori Nagumo, 13. Dezember 2014, abgerufen am 14.1.2018
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  49. 49,0 49,1 Ausdauersport: Schadet exzessives Joggen mehr, als es nützt? Offenbar ist Joggen nur gut für die Gesundheit, wenn man es moderat betreibt. Neben anderen Faktoren scheint auch das Tempo entscheidend zu sein; FAZ, 03.02.2015
  50. 50,0 50,1 50,2 50,3 50,4 50,5 50,6 50,7 50,8 50,9 Macht Marathon krank? Wie der Extremsport großen Schaden anrichten kann, profil.at, 19.4.2008
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  58. 58,0 58,1 58,2 Anti-Aging-Präparat Rapamycin könnte Ihnen neun Lebensjahre schenken; veröffentlicht am 4.6.2016; Elke Bodderas, WELT.de, abgerufen am 21.10.2018
  59. Darren J. Baker, Bennett G. Childs, Matej Durik, Melinde E. Wijers, Cynthia J. Sieben, Jian Zhong, Rachel A. Saltness, Karthik B. Jeganathan, Grace Casaclang Verzosa, Abdulmohammad Pezeshki, Khashayarsha Khazaie, Jordan D. Miller, Jan M. van Deursen: Naturally occurring p16Ink4a-positive cells shorten healthy lifespan. In: Nature. 2016, doi:10.1038/nature16932.