COVID-19-Pandemie

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Corona-Pandemie, Coronavirus-Krise oder Corona-Krise) ist ein Ausbruch der neuartigen Atemwegserkrankung COVID-19 (oder „Covid-19“, für englfisch corona virus disease 2019). Diese Erkrankung war erstmals Ende Dezember 2019 in der Millionenstadt Wuhan der chinesischen Provinz Hubei auffällig geworden, entwickelte sich im Januar 2020 in der Volksrepublik China zur Epidemie und breitete sich schließlich weltweit aus. Der Ausbruch wurde durch das bis dahin unbekannte Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst. Um einer Ausbreitung in Staaten ohne leistungsfähige Gesundheitssysteme entgegenzuwirken, rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 30. Januar 2020 die internationale Gesundheitsnotlage aus.[1][2] Ab dem 28. Februar 2020 schätzte die WHO in ihren Berichten das Risiko auf globaler Ebene als „sehr hoch“ ein (englisch: "WHO risk assessment, global level: very high"), zuvor als „hoch“.[3] Am 11. März 2020 erklärte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie,[4] der ersten seit der Pandemie H1N1 2009/10.

Inhaltsverzeichnis

Ländervergleich

Ländervergleich aktiv Infizierter je 100000 Einwohner

Ländervergleich mit aktiv Infizierten je 100000 Einwohner
Land Quelle Mo. 18.05.2020 Rang Land Quelle Mo. 18.05.2020 Rang Land Quelle Mo. 18.05.2020 Rang
Slowenien C 1,30 1 Schweiz C 12,85 9 Italien C 110,1 17
Neuseeland A 1,38 2 Ungarn C 17,35 10 Norwegen A 152,9 18
Australien C 2,18 3 Deutschland C 17,39 11 Frankreich A 179,9 19
Südkorea A 2,23 4 Luxemburg A 20,01 12 Schweden A 253,1 20
Kroatien C 4,55 5 Tschechien C 24,73 13 Niederlande A 258,2 21
Slowakei C 5,68 6 Dänemark A 28,88 14 Singapur A 318,9 22
Österreich C 11,4 7 Israel C 36,05 15 Großbritannien A 364,9 23
Griechenland C 12,4 8 Estland C 58,96 16 USA A 372,3 24
Ländervergleich mit aktiv Infizierten je 100000 Einwohner
Land Quelle Sa. 09.05.2020 Rang Land Quelle Sa. 09.05.2020 Rang Land Quelle Sa. 09.05.2020 Rang
Slowenien A 1,11 1 Schweiz C 16,51 9 Norwegen A 149,4 17
Südkorea A 2,48 2 Deutschland C 22,52 10 Italien A 195,2 18
Neuseeland A 2,59 3 Ungarn A 23,84 11 Frankreich A 197,4 19
Australien C 2,77 4 Luxemburg A 28,20 12 Schweden A 202,0 20
Slowakei A 9,82 5 Tschechien C 30,64 13 Niederlande A 246,0 21
Kroatien A 10,9 6 Dänemark A 38,57 14 USA A 330,0 22
Griechenland A 12,8 7 Israel A 59,61 15 Singapur A 339,0 23
Österreich A 13,1 8 Estland A 77,02 16 Großbritannien A 349,1 24

Quellen:
[A] Corona Zahlen Online, mit Daten von der Johns Hopkins University, Georg Zagler, A-1150 Wien[5]
[B] Infektionsrate beim Coronavirus (COVID-19) nach ausgewählten Ländern, Infektionen je Millionen Einwohner, Statista GmbH Hamburg[6]
[C] WORLDOMETERS: Reported Cases and Deaths by Country, Active Cases and Population,[7]
[D] Das Virus in Echtzeit, Länder mit den meisten Infektionen pro Kopf (Summe jemals Infizierter), TAGESSPIEGEL.de[8]

Zuwachs an Neuinfektionen (Tabelle, WHO)

Die folgende Tabelle für einige ausgewählte Länder bzw. Regionen, welche zum Vergleich mit den deutschsprachigen Ländern besonders interessant sind, basiert auf von der WHO täglich veröffentlichten bestätigten Fällen (total) und den neuen Fällen, also dem Zuwachs in den letzten 24 Stunden[9].
Seit 18. März 2020 wird darin die Datenlage jeweils um 00:00 Uhr MEZ wiedergeben.

COVID-19-Fälle
laut W H O
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(24 h)
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Datum Mi. 18.03.20 Sa. 21.03.20 Di. 24.03.20 Fr. 27.03.20 So. 29.03.20 Di. 31.03.20 Mi. 01.04.20 Do. 02.04.20 Fr. 03.04.20 Sa. 04.04.20 So. 05.04.20 Mi. 08.04.20
Afrika 22,0% 34,9% 27,3% 22,8% 15,8% 10,2% 10,7% 10,5% 11,6% 10,2% 10,9% 6,0%
Deutschland 19,0% 38,0% 13,7% 13,1% 11,9% 8,4% 8,6% 8,7% 8,8% 8,4% 7,6% 4,0%
Italien 12,6% 14,3% 9,4% 8,0% 7,5% 5,6% 4,6% 4,2% 4,2% 4,2% 4,1% 2,8%
Japan 1,8% 6,3% 3,7% 7,1% 9,5% 9,2% 8,8% 8,5% 10,2% 10,3% 11,1% 9,2%
Liechtenstein 0,0% 69,4% 9,3% 6,8% 6,1% 2,2% 3,7% 5,1% 5,4% 3,8% 2,3% 0,4%
Luxemburg 72,8% 51,2% 18,9% 18,4% 11,2% 7,4% 6,0% 5,9% 7,8% 6,2% 5,6% 3,0%
Niederlande 20,7% 20,6% 14,5% 16,1% 15,0% 11,0% 8,9% 7,8% 7,7% 7,7% 6,9% 5,6%
Österreich 38,9% 25,8% 16,7% 16,1% 12,1% 7,7% 7,1% 6,7% 5,0% 4,2% 3,2% 2,4%
Schweden 10,2% 11,6% 6,6% 11,7% 11,2% 9,8% 8,8% 10,2% 10,7% 11,1% 9,2% 6,1%
Schweiz 20,5% 22,2% 15,9% 10,2% 10,6% 8,4% 7,0% 6,1% 6,9% 7,0% 6,3% 2,7%
Slowakei 34,7% 12,2% 10,2% 5,8% 10,9% 4,4% 7,2% 6,0% 8,2% 7,4% 5,6% 8,3%
Spanien 21,6% 21,4% 15,9% 19,3% 14,9% 10,0% 9,3% 9,0% 9,0% 7,6% 6,9% 4,0%
Südkorea 1,0% 1,9% 0,8% 1,1% 1,2% 1,1% 1,0% 1,1% 0,9% 0,9% 0,9% 0,5%
Tschechien 45,6% 27,7% 9,6% 18,6% 17,2% 9,6% 7,5% 8,3% 8,7% 8,2% 7,6% 3,9%
Türkei 0,0% 142,5% 27,3% 33,4% 44,9% 23,9% 22,3% 17,3% 18,8% 15,6% 15,1% 12,5%
Ungarn 28,2% 19,3% 26,0% 17,1% 16,1% 9,2% 6,4% 5,5% 9,4% 11,3% 11,8% 6,9%
USA 106,3% 62,7% 34,7% 17,5% 17,6% 18,2% 16,5% 15,2% 14,9% 14,0% 13,5% 9,9%
Vereinigtes
Königreich
26,3% 26,8% 16,2% 20,6% 21,5% 15,0% 13,7% 14,7% 15,0% 14,9% 12,4% 9,6%

Eine grüne Farbe der Zeilen steht für die Nähe des Landes zu Österreich, rosa bedeutet eine Lage außerhalb Europas.

Web-Links mit Vergleichen von Ländern und Bezirken in Österreich

Zuwachs an Neuinfektionen (Diagramm, WHO)

Das folgende Diagramm für einige ausgewählte Länder bzw. Regionen, welche zum Vergleich mit den deutschsprachigen Ländern besonders interessant sind, basiert auf von der WHO täglich veröffentlichten bestätigten Fällen (total) und den neuen Fällen, also dem Zuwachs in den letzten 2 Tagen in % / 24 Stunden mit Daten aus der oben dargestellten Tabelle[9].
Seit 18. März 2020 wird darin die Datenlage jeweils um 00:00 Uhr MEZ wiedergeben.

sJCho2J.png
Zuwachs an Corona-Neuinfektionen: Vergleich Länder / Regionen in %/24 Stunden, Quelle: WHO[9]


Ländervergleich: Verstorbene je 100000 Einwohner

hD5n6B0.png
COVID-19-Verstorbene je 100000 Einwohner, Original-Daten von: Johns Hopkins University, Stand: 4.5.2020, Grafik von ORF.at[10]


Österreich: Aktive Fälle & jemals positiv Getestete

Bundesländer-Vergleich der aktiven Fälle je 100000 Einwohner

Folgende Tabelle stammt von CoronaTracker.at Fälle nach Bundesländern.[11]:

Aktiv Infizierte je 100000 Einwohner
Bundesland Di. 19.05.2020
Wien 31
Steiermark 11
Niederösterreich 10
Tirol 6
Burgenland 5
Vorarlberg 4
Salzburg 3
Oberösterreich 2
Kärnten 1
Aktiv Infizierte je 100000 Einwohner
Bundesland Sa. 09.05.2020
Wien 29
Steiermark 21
Burgenland 16
Tirol 14
Niederösterreich 11
Salzburg 8
Vorarlberg 7
Oberösterreich 3
Kärnten 2

Meistbetroffende politische Bezirke bei den jemals positiv Getesteten

Folgende politische Bezirke Österreichs hatten zuletzt die meisten bestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner[12],
Bezirkszahlen für OÖ: siehe auch "Aktueller Stand der Infizierten in Oberösterreich" des Amtes der OÖ. Landesregierung.[13]

Meistbetroffene 9 Bezirke Österreichs
am Dienstag, 05.05.2020 - 15:00
Am
Mi.
22.4
2020
11:00
Am
Sa.
11.4
2020
16:00
Politischer Bezirk (Top 9 in Österreich) Positiv Getestete je
100.000 Einwohner
Landeck (T) 2232 2200 2099
Kitzbühel (T) 573 557 521
Sankt Johann im Pongau (S) 539 536 521
Imst (T) 483 471 448
Kufstein (T) 470 463 429
Schwaz (T) 409 407 385
Zell am See (S) 406 398 376
Bludenz (V) 394 392 377
Perg (OÖ) 367 365 361
Weitere meistbetroffene Bezirke in JEDEM
Bundesland am Di., 05.05.2020 - 15:00
Am
Mi.
22.4
2020
11:00
Am
Sa.
11.4
2020
16:00
Politischer Bezirk (ALLE Bundesländer) Positiv Getestete je
100.000 Einwohner
Hartberg-Fürstenfeld (St) 348 335 316
Urfahr Umgebung (OÖ) 327 327 323
Innsbruck-Stadt (T) 311 297 288
Waidhofen a.d. Thaya (NÖ) 274 267 < 239
Oberwart (B) 240 220 168
Feldkirch (V) 197 196 189
Wien (W) 135 118 105
Salzburg Umgebung (S) 132 125 118
Völkermarkt (K) 127 127 122

Positiv Getestete: Zuwachs in Österreich in %/Tag (Diagramm, WP.en, BMSGPK)

Das folgende Diagramm basiert auf COVID-19-Fallzahlen, welche vom Österreichischen Sozialministerium (BMSGPK)[14], täglich (meist auf 15:00 bezogen) veröffentlicht werden.

nient1r.png
COVID-19-Fälle in Österreich, Quelle: Wikipedia-Englisch, https://en.wikipedia.org[15]


Epidemiologische Parameter

Effektive Reproduktionszahl in Österreich am 27.4.2020

Laut Modellrechnung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vom 30.4. liegt die effektive Reproduktionszahl für den Zeitraum von 16.4. bis 27.4 bei 0,67. Damit ist der Wert im Vergleich zur Vorwoche stabil geblieben. Eine infizierte Person konnte im Modell 0,67 weitere hypothetische Personen anstecken. Im selben Zeitraum ging laut Modell die Zahl der neu Infizierten auf einen Zeitraum von 13 Tagen gerechnet um täglich 4,2 Prozent zurück (tägliche Steigerungsrate: minus 4,2 Prozent).

Verlauf der effektiven Reproduktionszahl in Österreich

Up2zMx2.png
COVID-19: Verlauf der effektiven Reproduktionszahl in Österreich, Stand: 27.4.2020, Grafik von ORF.at[10], abgerufen 5.5.2020


Corona-Infektionen als Folge von Groß-Events & Menschenansammlungen

Frankfurt: 200 Infizierte nach Gottesdienst am 10.5.2020

Nach dem Gottesdienst einer Freikirche in Frankfurt am Main am 10. Mai 2020 sind bis 28. Mai 2020 200 Menschen aus dem Umfeld der Gemeinde positiv auf Covid-19 getestet worden. Von ihnen wohnten 57 in Frankfurt, die übrigen lebten in 7 umliegenden Landkreisen, verlautbarte das Frankfurter Gesundheitsdezernat. Am 28. Mai 2020 würden 9 Menschen in Spitälern stationär behandelt, in einem Fall intensivmedizinisch. Am Wochenende (So. 24. Mai 2020) waren die Infektionen in der Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde bekannt geworden. Es wurde beim Gottesdienst gesungen, Masken seien nicht getragen worden.[16]

Champions-League-Spiel am 11.3.2020 in Liverpool: 41 Corona-Tote

Dutzende Todesfälle durch das Coronavirus in Großbritannien sind laut einer Studie möglicherweise auf das Champions-League-Spiel zwischen dem FC Liverpool und Atletico Madrid am 11. März 2020 in Liverpool zurückzuführen. Die Datenanalysefirma Edge Health schätzt, dass 41 Todesfälle mit dem Fußballmatch in Verbindung stehen, wie die britische Zeitung "Sunday Times" am Sonntag, dem 24. Mai 2020 berichtete.[17]

Diese Todesfälle traten zwischen 25 und 35 Tage nach dem Spiel in Krankenhäusern von Liverpool und Umgebung auf. Das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League war vor 52.000 Stadionbesuchern ausgetragen worden. Rund 3.000 spanische Fans waren dafür angereist. Es war das letzte größere Fußballspiel, das in Großbritannien vor Verhängung der allgemeinen Corona-Restriktionen stattfand.[17]

Bereits 100.000 Fälle zu diesem Zeitpunkt
Laut Schätzungen des Imperial College London und der Oxford-Universität hatte Spanien zu diesem Zeitpunkt bereits 640.000 Fälle von Coronavirus-Infektionen, Großbritannien 100.000. Der Bürgermeister des Liverpooler Stadtgebiets, Steve Rotheram, hatte bereits im April eine Untersuchung dazu gefordert, warum das Spiel noch vor Zuschauern im Stadion stattfinden durfte. Wenn sich Menschen bei einem Sportereignis angesteckt hätten, das nicht hätte stattfinden dürfen, sei dies "skandalös", sagte er dem Sender BBC.[17]

Corona-Pandemie in Italien nach Champions-League-Spiel in Mailand am 19.2.2020

Noch ein weiteres Champions-League-Spiel wird verdächtigt, für die Ausbreitung des Coronavirus mitverantwortlich zu sein. Am 19. Februar 2020 hatte in Mailand das Achtelfinal-Hinspiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia vor dichtgefüllten Stadionrängen stattgefunden. Die italienische Region Lombardei, deren Hauptstadt Mailand ist, wurde anschließend zu der am schlimmsten von der Pandemie heimgesuchten Region Italiens.[17]

Corona-Infektionen im Zusammenhang mit Arbeitsmigranten

Zu enge Arbeitsmigranten-Wohnsituation: 600 in Quarantäne in Schlachthof (22.5.2020)

600 Mitarbeiter einer niederländischen Schlachthof-Gruppe müssen laut einem Teletext-Bericht von ORF1 am 22. Mai 2020 für 2 Wochen in Heimquarantäne bleiben. Das haben die Behörden der Provinz Gelderland im Osten des Landes nahe der deutschen Grenze angeordnet. In einem Betrieb waren bei 45 Beschäftigten Corona-Infektionen festgestellt worden. Nun sollen 250 Mitarbeiter getestet werden. Zuvor waren schon in anderen Niederlassungen der Gruppe, auch in Deutschland, Dutzende Mitarbeiter infiziert worden. Die Gewerkschaft macht die Wohnlage für die Virus-Verbreitung verantwortlich. Vor allem Arbeitsmigranten würden in Unterkünften eng beieinander leben.[18]

Flüchtlingsheim in Frankfurt: 65 von 400 Bewohnern Corona-positiv (20.5.2020)

Covid 19-Hotspot in Frankfurt: Laut einem Bericht von RTL Hessen vom 20. Mai 2020 sind in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Bockenheim 65 von insgesamt ca. 400 Bewohnern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch zwei Mitarbeiterinnen des Deutschen Roten Kreuzes wurden positiv getestet. Das DRK betreibt die Einrichtung. Nach Angaben der Stadt hat bisher nur ein infizierter Mann Symptome entwickelt und wird in einem Krankenhaus behandelt. Die Erkrankung dieses Mannes war den Angaben zufolge der Anlass zu weiteren Tests.[19]

Keine Überprüfung der Heimquarantäne in Wien bis 19.5.2020: 158 Infektionen

Laut einem Bericht vom 19. Mai 2020 in OE24.at[20] haben vier Personen, die in Wien bereits positiv auf Corona getestet waren, die Heimquarantäne-Bescheide einfach ignoriert - und fuhren als Leiharbeiter weiter zu ihren Arbeitsplätzen im Postverteilzentrum Hagenbrunn in Niederösterreich. Ergebnis sind 158 weitere Kranke. Das war nur deshalb möglich, weil das Gesundheitsressort der Stadt Wien (als einziges Bundesland in Österreich) bis 19. Mai 2020 auf Vor-Ort-Kontrollen bei Heimquarantäne-Patienten verzichtet hatte. Die höchst unprofessionell agierenden Wiener Gesundheitsbehörden unter Leitung von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker schickten nur SMS an die Patienten (die diese ja irgendwo beantworten können, aber deshalb natürlich nicht zu Hause sein müssen).[20]

Wie sehr sich diese Kontroll-Tätigkeit in Wien von allen anderen Bundesländern in Österreich unterscheidet, zeigen die Zahlen: Insgesamt fanden in ganz Österreich bis 19. Mai 2020 40.000 Kontrollbesuche bei Heimquarantäne-Patienten statt, meistens durch die Exekutive. 26.000 dieser Kontrollen wurden allein aus Tirol gemeldet, 9000 etwa aus der Steiermark. In Wien wurde jedoch bis 19. Mai 2020 keine einzige Überprüfung der Heimquarantäne mit Hilfe der Polizei durchgeführt. Das sorgte für Kritik von Behördenvertretern aus anderen Bundesländern: "Bei sozial schwachen Personengruppen oder bei jenen, die schlecht Deutsch sprechen, hätten wir doch eine besonders große Verantwortung, dass wir diesen Menschen helfen, auf sich aufzupassen. Und es muss einfach jede Gesundheitsbehörde dafür sorgen, dass bereits infizierte Mitbürger uns nicht alle anstecken."[20]

Laut einem Bericht vom 19. Mai 2020 in OE24.at[20] hat das Landeskriminalamt Wien inzwischen spät aber doch Ermittlungen aufgenommen und führte Ersterhebungen durch. Denn es könnte sich nicht nur um eine Verwaltungsübertretung handeln, wenn jemand eine verhängte Quarantäne missachtet. Im Strafgesetz wird eine vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten mit bis zu drei Jahren Haft bedroht. Das könnte in der Causa zur Anwendung kommen. [20]

Mai 2020: 155 positive Fälle bei Leiharbeitern aus Asyleinrichtungen in Wien

Fast alle Asyl-Fälle führen zu Globe-Leiharbeitern. Bei den Testungen von 1.022 Per­sonen in Asyleinrichtungen der Stadt fiel ein Umstand auf: Es gab 39 positive Fälle, 24 davon in Erdberg, zehn in der Simmeringer Zeillergasse sowie vier Mitarbeiter. Nur ein einziger Fall war nicht bei der Firma Globe oder einem von fünf weiteren kleineren Leiharbeits­anbietern beschäftigt. Die Zahl der Infizierten in den Postzentren stieg weiter auf 155 Fälle an: In Hagenbrunn sind es am 17. Mai 2020 85 Fälle, 68 der Betroffenen wohnen in Wien. In Inzersdorf sind 70 Personen mit dem Virus infiziert. Wie viele Firmen die anderen mit dem Virus überzogen haben, sorgte für das große Zittern. Ein Insider: „Das können Hunderte sein!“ Im Corona-Krisenstab geht man davon aus, dass Corona-infizierte Leiharbeiter aus dem Asylheim in Wien-Erdberg das Virus in die Postverteilzentren „gebracht“ hätten.[21]

Im Post-Logistikzentrum Niederösterreich (Hagenbrunn) muss ab 17. Mai 2020 wegen zahlreicher Corona-Infektionen ein Komplett-Tausch der Mannschaft durch Einsatzkräfte des Bundesheeres erfolgen. Alle der dort rund 300 tätigen Personen sind als vorbeugende Maßnahme in Heimquarantäne. Da die Unterstützung des Bundesheeres in Hagenbrunn sehr gut angelaufen ist, wird am Standort Wien-Inzersdorf aus Sicherheitsgründen ein ähnliches Vorgehen durchgeführt. Mit 21. Mai 2020 werden sich auch alle im Paket-Logistikzentrum Wien-Inzersdorf beschäftigten Personen in Heimquarantäne begeben. Die ABC-Abwehr des Bundesheeres wird auch dort den kompletten Standort desinfizieren, in Folge übernimmt das Bundesheer den operativen Betrieb. Die Post stellt eine Führungsmannschaft, um das Bundesheer einzuweisen und das Personal anzuleiten. Aufgabe ist die Verteilung und Sortierung von Paketen, die Zustellung erfolgt weiterhin durch MitarbeiterInnen der Post.[21]

Transport von Leiharbeitern aus Somalia in Sammelbussen zu Postverteilzentren

Der Hintergrund: Aus der Leiharbeitsfirma Globe, zu deren Kunden – ausgerechnet – die Pharmakonzerne Boehringer Ingelheim und Gilead, dazu die Voest­alpine und eine große Bank gehören, könnten die in der Post infizierten Leiharbeiter aus Erdberg auch zu anderen Arbeitgebern gefahren worden sein, was für den Aufbau einer gewaltigen Infektionskette gesorgt haben könnte. Neben Globe sind laut ersten Informationen auch die Arbeitskräftevermittler Büroring, Agentur Arbeit und Sicherheit, Janus und zwei weitere unter Verdacht. Der Chef einer der insgesamt sechs betroffenen Leiharbeitsfirmen erklärt gegenüber ÖSTERREICH[21]:

„Die Post hat alle Transporte für interne und externe Arbeiter übernommen und sich um die Schutzmaßnahmen gekümmert. Meine Leiharbeiter sind großteils aus Somalia. Ich weiß nur von drei bestätigten Fällen in meinem Betrieb.“

Nachsatz zum Nachdenken in Sachen Abstand: „Sie wurden in Sammelbussen von Kagran nach Hagenbrunn geführt.“[21]

Gemeinsame Umkleideräumlichkeiten von Sortier-Leiharbeitern mit Post-Zustellern

Mit Stand Mitte Mai 2020 ist der Hotspot der Infizierten von Tirol nach Wien und Niederösterreich gewandert. Von österreichweit 1.050 Erkrankten befindet sich mehr als die Hälfte (617 Erkrankte) in Wien. Gleich danach folgt Niederösterreich (170 Erkrankte). Neben den generellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen Anfang Mai in ganz Östereich schlugen sich auch die Zahlen aus den Post­verteilerzentren in Hagenbrunn und Inzersdorf in der Statistik nieder. „Am Freitag, dem 15. Mai 2020 haben wir 18 und am Samstag 33 Neuinfizierte ­registriert“, weiß Anton Heinzl, Pressesprecher von NÖ-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Das Ausmaß ist noch nicht absehbar. Am Nachmittag des Sonntag, 17. Mai 2020 wurde zudem bekannt, dass die Sortierer im Verteilerzentrum aufgrund gemeinsamer Umkleideräumlichkeiten Kontakt zu den Zustellern hatten. Corona-Tests wurden daher an beiden Gruppen durchgeführt. Es ist möglich, dass die Zahl noch weiter steigt. In Wien führte man die Zunahme Covid-19-Erkrankter auch auf die Corona-Krise bei der Post zurück. Alleine 68 der 85 infizierten Post-Arbeiter haben ihren Wohnsitz in Wien. Betroffen seien deshalb auch die Familien und das soziale Umfeld der Post-Arbeiter. Alarmierend für die Experten ist, dass der Reproduktionsfaktor in Wien und Niederösterreich per 17. Mai 2020 wieder über 1 angestiegen ist – jeder Infizierte steckt damit also mehr als einen Menschen an.[22]

Strategien zur Begrenzung von Neuinfektionen

Weltärzte-Chef warnt vor Grenzöffnung in Europa (19. Mai 2020)

Welt-Ärztepräsident Montgomery hat vor einer Öffnung der innereuropäischen Grenzen für den Tourismus gewarnt. Die deutschen Grenzen sollten angesichts der fortdauernden Corona-Pandemie in beide Richtungen für Urlauber geschlossen bleiben, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Aus gesundheitlichen Gründen wäre es das Beste, die Menschen blieben an ihrem Wohnort." Montgomery warnt vor einem gefährlichen Wettlauf. Die anvisierten Lockerungen für Urlauber bereiteten ihm Sorge, weil sie einen Überbietungswettbewerb darin einleiteten, welches Land sich "weiter" und "schneller" öffne.[23]

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Seoul schließt Bars und Clubs, Quelle: ORF 1 Teletext Seite 138 10. Mai 2020[24]

Seoul schließt ab 10.5.2020 alle Bars und Nachtclubs

Aus Angst vor einem erneuten Anstieg der Corona-Infektionen werden in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ab 10. Mai 2020 alle Bars und Clubs geschlossen. Die Stadtverwaltung reagierte damit auf den Fall eines Mannes, der nach seinem Besuch im Ausgehviertel Itaewon positiv getestet worden war. Mehr als zwei Dutzend Corona-Fälle sind auf den 29-Jährigen zurückzuführen. Die Behörden gehen von insgesamt 7200 möglichen Kontaktpersonen aus. Am Sonntag, dem 10. Mai 2020 wurden 34 neue Infektionen gemeldet, das ist der höchste Anstieg in Südkorea seit 10. April 2020.[24]

Berlin & Niedersachsen: Notbremse schon ab unter ab 50 Neuinfektionen pro 100000 EW (8.5.2020)

In Deutschland mehrten sich schon am 10. Mai 2020 sich die Stimmen, die die in den Lockerungsplänen von Bund und Ländern vereinbarte Obergrenze für Corona-Neuinfektionen als zu hoch kritisieren. So sagte etwa die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im rbb, es sei viel zu spät, erst bei 50 Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf die Bremse zu treten. Sie verwies auf die Erfahrungen aus der ersten Krankheitswelle im Frühjahr. "Wir hatten 260 Neuinfektionen in der Woche, als wir die ersten Einschränkungen beschlossen haben", sagte sie. "Und danach haben wir die Spitze gesehen, und da war dieser Faktor bei 37." Berlin stehe jetzt vergleichsweise gut bei den Corona-Zahlen da, weil deutlich früher durchgegriffen worden sei, so die SPD-Politikerin. Das Land werde die Notbremse bei Neuinfektionen daher strenger auslegen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil will ebenfalls nicht warten, bis die Zahl von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner erreicht ist. "Für Niedersachsen habe ich da wirklich deswegen zustimmen können, weil ich weiß, wir würden im Zweifel sehr viel früher gemeinsam mit den Kommunen uns anschauen, was da los ist", sagte er in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Große Bedenken hat am 10. Mai 2020 auch der Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes geäußert. Ähnliche Sorgen hatte schon am 9. Mai 2020 der Epidemiologe und Institutsdirektor der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Rafael Mikolajczyk, geäußert. Viele der Überlegungen seien sicherlich nachvollziehbar, sagte er. "50 Neuinfektionen pro 100.000 pro Woche erscheint allerdings weit über den derzeitigen Kapazitäten der Gesundheitsämter." Diesen Wert von vorneherein festzuschreiben, hält er für falsch.[25]

Deutschland verschärft Ausgangs-Beschränkungen ab 50 Neufektionen pro 100000 EW (6.5.2020)

Länderchefs und Regierung hatten sich am 6. Mai 2020 darauf verständigt, dass Beschränkungen erst dann wieder verschärft werden sollen, wenn sich in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen neu infizieren. Dann könnte es aber schon zu spät sein, befürchten Kritiker. Bereits 2 Tage nach dem Beschluss von Länderchefs und Regierung wuchs schon die Kritik an der Obergrenze für Neuinfektionen. Ärzte in Gesundheitsämtern fürchten, dass der Wert von 50 pro 100.000 Einwohnern zu hoch angesetzt ist. Trotz der von Pandemie-Experten als zu hoch eingeschätzten Grenze waren in Deutschland am Freitag, 8. Mai 2020 schon drei Landkreise bekannt, die ihn überschritten.[25] Am Samstag, dem 9. Mai 2020 waren bereits fünf Landkreise über dieser 50-er Grenze.[26]

Medizinische Handlungsoptionen

Weltärztepräsident Montgomery für Corona-Impfpflicht (Mai 2020)

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat laut einem Artikel von Salzburg24.at vom 20. Mai 2020 eine allgemeine Impfpflicht zum Schutz gegen das neuartige Coronavirus gefordert. Wenn künftig ein Serum gegen das Virus zur Verfügung stehe und sich manche Bürger dann der Impfung verweigerten, stellten sie ein hohes Risiko für ihre Mitbürger dar, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden könnten, warnte Montgomery. "Wir müssen deshalb möglichst viele Menschen impfen", sagte der Präsident des Weltärztebundes den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch im Fall der Masern hatte sich Montgomery für die Impfpflicht eingesetzt, die seit März 2020 gilt. Die Bundesregierung strebt allerdings keine Impfpflicht im Kampf gegen das Coronavirus an.[27]

Das Thema Impfen spaltet schon lange die Gesellschaft
Bereits in den vergangenen Jahren habe es Zuschüsse zu Grippeimpfungen in Österreich seitens vieler Sozialversicherungsträger gegeben. Welche Zuschüsse respektive Anreize es 2020 geben wird, ist laut Ministerium "noch zu diskutieren". Die Apothekenverkaufspreise für Influenzaimpfstoffe liegen zwischen 20 und 25 Euro. Der Selbstkostenpreis (der tatsächliche Einkaufspreis plus Verabreichungsgebühr) beträgt 12 bis 15 Euro - die NEOS forderten zuletzt, dass über 65-Jährige diese zum Selbstkostenpreis erhalten sollen.[28]

Das Thema Impfen spaltet schon lange die Gesellschaft. Meist geht es dabei allerdings um Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps oder Röteln. Influenza tanzt hier etwas aus der Reihe, weil die Immunisierung jährlich erfolgen muss (weil immer ein anderer Virenstamm am aktivsten ist). Auch bei Sars-CoV-2 geht der Schweizer Biologe Richard Neher von der Uni Basel davon aus, dass wegen der Mutationsrate eine jährliche Impfung nötig wäre.[28]

Eine Impfpflicht wäre in Österreich etwas völlig Neues. Hier setzte man seit jeher auf Aufklärung statt Pflicht, wenngleich in der Steiermark im Herbst ein neues Modell startet: Gegen Masern, Mumps und Röteln geimpfte Kinder werden bei der Platzvergabe in Kindergärten bevorzugt. In 12 der 28 EU-Staaten sind Eltern verpflichtet, ihre Kinder gegen mindestens eine Krankheit zu immunisieren, in Lettland sind es sogar 14 Krankheiten. In Frankreich und Italien müssen Eltern, deren Kinder in den Kindergarten oder die Schule kommen, Impfnachweise vorlegen. Deutschland hat im November 2019 eine entsprechende Impfpflicht in Bezug auf Masern eingeführt.[28]

Landeshauptleute Stelzer, Doskozil und Schützenhöfer sind für Corona-Impfpflicht

Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) befürwortet im Mai 2020 dezidiert eine Impfpflicht für Covid-19:
"Wie viel Leid und welch schwerwiegende Folgen diese Krankheit ausgelöst hat, haben wir in den letzten Wochen sehen müssen. Ja ich bin daher für eine verpflichtende Impfung, sobald ein sicherer und ausreichend getesteter Impfstoff zugelassen wird", zitierte ihn am Dienstag, dem 19. Mai 2020 das "profil" online. Er gehe aber ohnehin davon aus, dass die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sehr hoch sein werde, so Stelzer, der im Mai 2020 auch Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz ist. Aus seinem Büro wurde das Vorpreschen in Sachen Impfpflicht am Mittwoch, dem 20. Mai 2020 gegenüber der APA bestätigt.[29]

Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach sich für eine Impflicht aus. Er sei "zuversichtlich, dass die Bereitschaft zur freiwilligen Impfung angesichts der Erfahrungen der letzten Wochen hoch sein wird", stellte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) fest. "Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, ist auch eine Impfpflicht sinnvoll und notwendig - wenn ein wissenschaftlich ausreichend geprüfter und sicherer Impfstoff verfügbar ist."[29]

Der steirische LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) ist im Zweifelsfall für eine Impfpflicht. Denn "die Gesundheit hat immer Vorrang und wie schnell sich dieses Virus wieder ausbreiten kann, sollte jedem bewusst sein", sagte er.[29]

Bei 11 von 12 Todesfällen sind Thrombosen & Lungenembolien die Ursache

Die Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben aus Obduktionen neue Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf von Covid-19 gewonnen. Am Institut für Rechtsmedizin des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) wurden in den vergangenen Wochen rund 170 verstorbene Covid-19-Patienten untersucht - mit Abstand die meisten Obduktionen in einem Bundesland. Bei den Obduktionen wurden gehäuft Thrombosen und tödliche Lungenembolien gefunden. In einer ersten Auswertung wurden 12 Verstorbene näher untersucht, bei 7 von ihnen traten diese Krankheitsbilder auf. Vier der zwölf Patienten seien direkt an einer Lungenembolie gestorben. Vor ihrem Tod gab es bei den Betroffenen keinen entsprechenden Verdacht. Auch bei den weiteren Obduktionen in Hamburg fand Prof. Klaus Püschel, Direktor am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hinweise auf Lungenembolien. Prof. Klaus Püschel und Prof. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin des UKE, sehen darin eine Bestätigung für Therapien mit blutverdünnenden Medikamenten. Klaus Püschel verweist darauf, dass zunehmend "auf das Blutgerinnungssystem und die Bildung von Thromben gezielt eingegangen wird, dass also eine intensivere Vorsorge dafür getroffen wird, dass Thrombosen und Embolien nicht entstehen."
Stefan Kluge fügt hinzu:

„Wir haben schon im klinischen Alltag gesehen, dass COVID-19 in ungewöhnlich vielen Krankheitsfällen zu Thrombosen sowie Lungenembolien bei den Patientinnen und Patienten geführt hat. Die Bestätigung haben jetzt Sektionen der Verstorbenen geliefert. Diese wichtigen Hinweise werden wir in die Behandlung der Corona-Patienten übertragen und wir wägen sorgfältig ab, ob wir Patientinnen und Patienten primär mit einem Blutverdünnungsmittel behandeln könnten.[30]

Die Studie mit den Ergebnissen der Obduktionen wurde in der angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht. Die Studie wurde vor der Veröffentlichung von vier unabhängigen Gutachtern geprüft.[31]

Wie lange hält sich das Coronavirus auf Oberflächen?

Bis März 2020 ist keine indirekte Infektion belegt

Das Coronavirus verbreitet sich vor allem durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Aber auch außerhalb unseres Organismus kann es im Extremfall bis zu 72 Stunden infektiös bleiben. Anfang April 2020 sind in 148 Ländern Erkrankungen von COVID-19 erfasst. Rund 170.000 Menschen sind bis 5.4.2020 mit dem Erreger SARS-CoV-2 infiziert. Man geht davon aus, dass das Coronavirus sich hauptsächlich über Tröpfcheninfektionen verbreitet. Dabei gelangt das Virus beim Husten oder Niesen in mikroskopisch kleinen Partikeln in die Luft und wird darauf von anderen Personen eingeatmet. Diese Tröpfchen werden von der Lunge aufgenommen. Noch ist kein Fall nachgewiesen, bei dem sich eine Person nicht über den unmittelbaren Kontakt zu einem anderen Organismus angesteckt hat. Auch für andere Viren des Corona-Stammes, wie etwa den Erreger aus der SARS-Epidemie Anfang der Nullerjahre, ist bislang keine indirekte Infektion belegt – zu dieser Einschätzung kommt etwa das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR.[32]

Die viralen Partikel, die bei einer Übertragung über Atemsekrete in Form solcher Tröpfchen austreten, sind durchschnittlich kleiner als fünf Mikrometer. Zum Vergleich: Staubpartikel oder feine Pollen messen etwa zehn Mikrometer. Der Durchmesser eines kleinen Sandkorns ist etwa 90 Mikrometer, der eines menschliches Haares rund 40 bis 120 Mikrometer. Die Viren sind mit bloßem Auge also nicht zu erkennen.

Wie lange sich das für die Corona-Pandemie (COVID-19) verantwortliche Virus SARS-CoV-2 in der Luft und auf Oberflächen existenzfähig und infektiös bleibt, hat eine amerikanische Studie, veröffentlicht am 13. März 2020, erstmals nachgewiesen.[33] Die Autoren der Studie sind Experten des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CDC. Für jede in der Folge genannte Oberfläche wurden von den Studienautoren 83 Wiederholungsexperimente durchgeführt. Die Studie gilt in der Wissenschaft als eine Art erster Hinweis auf die mögliche Haltbarkeitsdauer des Virus an Oberflächen. Gewissheit wird es erst nach mehreren weiteren wissenschaftlichen Arbeiten geben.[32]

Bis zu drei Stunden lässt sich das Coronavirus in Aerosolen nachweisen

Darunter fallen Zigarettenqualm, Rußwolken aus Autoauspuffen und auch der einfache Staub in der Raumluft.[32]

Auf Kupfer-Oberflächen nach vier Stunden kein infektiöses Coronavirus nachweisbar

Auf Oberflächen bestehend aus Kupfer konnte nach vier Stunden kein infektiöses Coronavirus mehr gemessen werden. Das SARS-CoV-1 Virus aus 2002/03 dagegen überlebt hier rund doppelt so lange.[32]

Ungefähr 16 Stunden hielt sich das Virus auf Polypropylen

Ungefähr 16 Stunden hielt sich das Virus auf Polypropylen, einem Kunststoff, den wir etwa in Armaturenbrettern oder Batterie-Gehäusen finden. Auch für die Ummantelungen von Kabeln wird es verwendet.[32]

Auf Papier oder Pappe überdauert das Coronavirus bis zu 24 Stunden

Auf Druckwerken wie Papier oder Pappe überdauert das Coronavirus bis zu 24 Stunden. SARS-CoV-1 hingegen erreichte hier nur eine Überlebensdauer von acht Stunden.[32]

Auf Oberflächen aus Kunststoff oder Edelstahl waren die Viren bis zu 72 Stunden existenzfähig

Die mit Abstand längste Lebensdauer konnte auf Oberflächen aus Kunststoff nachgewiesen werden. Bis zu 72 Stunden waren die Viren dort existenzfähig. Allerdings hatte sich ihr Infektionsgrad bis dahin bereits stark reduziert. Auch auf Oberflächen aus Edelstahl hielten sich die Viren zwischen zwei und drei Tage lang. Wie bei den Versuchen mit Kunststoff sank aber auch hier der Infektionsgrad rasch ab.[32]

Die Infektionsgefahr nimmt auf Oberflächen rasch in exponentiellem Maße ab

Die humanen Coronaviren besitzen also eine relativ geringe Umweltstabilität und sind besonders auf trockenen Oberflächen innerhalb einiger Stunden bis zu wenigen Tagen inaktiv. Darin ähneln sie den bereits bekannten SARS-CoV-1 Virus aus 2002/03. Unter den Studienbedingungen zeigten beide Virentypen darüber hinaus einen starken Zerfall des existenzfähigen Virustiters, der für den Ansteckungsgrad verantwortlich ist – je länger die Viren sich demnach außerhalb des Körpers befinden, desto mehr von ihnen sterben ab. Damit wiederum sinkt die Ansteckungsgefahr. Das Coronavirus ist also durchaus auch außerhalb eines menschlichen Organismus infektiös. Die Infektionsgefahr nimmt auf Oberflächen allerdings in exponentiellem Maße ab.[32]

Sind Lebensmittel und Importartikel gefährlich?

Es ist unwahrscheinlich, dass importierte Lebensmittel das Coronavirus mit sich tragen. Da die Viren hitzeempfindlich sind, kann das Infektionsrisiko durch das Erhitzen beim Zubereiten von Lebensmitteln zusätzlich verringert werden. Dagegen steigern Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit ihre Lebensdauer.[32]

Laut WHO ist eine Ansteckung über Pakete oder Briefe annähernd auszuschließen

Auch Bedarfsgegenstände wie Kleidung, Spielwaren oder Werkzeuge aus den genannten Materialien gelten als nicht betroffen. Obwohl eine Corona-Infektion über Importprodukte unwahrscheinlich ist, sollte beim Umgang mit diesen das regelmäßige Händewaschen nicht vergessen werden. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Ansteckung über Pakete oder Briefe, beispielsweise aus China, aufgrund der Dauer des Postweges aber annähernd auszuschließen.[32]

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. Weltgesundheitsorganisation: Statement on the second meeting of the International Health Regulations (2005) Emergency Committee regarding the outbreak of novel coronavirus (2019-nCoV). 30. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020 (english).
  2. WHO ruft wegen Coronavirus weltweite Notlage aus. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020.
  3. Novel Coronavirus (2019-nCoV) situation reports; Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen am 2020 (english, Hinweis zu den Fallzahlen: Die WHO übernimmt die Angabe der Zahlen ihrer Mitgliedstaaten nach einer bestimmten Definition. Vom 13. bis 16. Februar 2020, Report Nr. 24 bis 27, wies die WHO zusätzlich zu den mit Labortests bestätigten Fällen die durch klinische Diagnosen bestätigten Fälle für die am stärksten betroffene Region Hubei in China separat aus, vergleiche Artikeltext. Die gezeigten Zahlen beinhalten beide Fallarten. Bis zum 17. März 2020 waren im WHO-Bericht die bis 10:00 Uhr MEZ gemeldeten Fälle aufgeführt, mit dem Report Nr. 58 vom 18. März 2020 wurde dies auf 00:00 Uhr MEZ geändert, so dass sich Überschneidungen zum Report Nr. 57 ergeben.).
  4. Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO Director-General's opening remarks at the media briefing on COVID-19 – 11 March 2020. In: Website WHO. 11. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (english).
  5. Corona Zahlen Online, mit Daten von der Johns Hopkins University, Georg Zagler, A-1150 Wien, abgerufen am 9.5.2020
  6. Infektionsrate beim Coronavirus (COVID-19) nach ausgewählten Ländern, Infektionen je Millionen Einwohner, Statista GmbH Hamburg, abgerufen am 19.5.2020
  7. WORLDOMETERS: Reported Cases and Deaths by Country, Active Cases and Population, abgerufen am 19.5.2020
  8. Das Virus in Echtzeit, Länder mit den meisten Infektionen pro Kopf (Summe jemals Infizierter), TAGESSPIEGEL.de, abgerufen am 9.5.2020
  9. 9,0 9,1 9,2 Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. World Health Organisation (WHO), abgerufen am 20. März 2020 (Uhrzeit bis 17.3.2020 10:00, ab 18.3.2020 00:00).
  10. 10,0 10,1 Coronavirus in Österreich: Daten und Karten, ORF.at, abgerufen am 5.5.2020
  11. CoronaTracker.at Fälle nach Bundesländern, abgerufen am 9.5.2020
  12. Positiv Getestete Personen pro 100.000 Einwohner für alle Bezirke Österreichs, Interaktive Karte mit spezifischen Zahlen per Maus, Info.gesundheitsministerium.at mit Daten des elektronischen Meldesystems (EMS)/AGES/TU Graz, abgerufen am 24.3.2020
  13. Aktuelle Informationen zum Corona-Virus: Aktueller Stand der Infizierten in Oberösterreich, Amt der OÖ. Landesregierung, abgerufen am 25.3.2020
  14. Österreichisches Sozialministerium: Informationen zum Coronavirus (COVID-19), abgerufen am 22.3.2020
  15. 2020 coronavirus pandemic in Austria, https://en.wikipedia.org, abgerufen am So.22.3.2020 13:17
  16. D: 200 Infizierte nach Gottesdienst, ORF1 Teletext, Do. 28.5.2020 20:35
  17. 17,0 17,1 17,2 17,3 Neue Studie: 41 Corona-Tote wegen Champions-League-Spiel: Match Liverpool gegen Atletico fand im März noch in vollem Stadion statt, Kleine Zeitung, 25. Mai 2020
  18. 600 Quarantäne-Fälle in Schlachthof, ORF1-Teletext, S.140, Fr. 22.05.2020 20:03
  19. Corona-Hotspot in Frankfurt: Fast 70 Infizierte in Unterkunft, RTL Hessen, 20. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020
  20. 20,0 20,1 20,2 20,3 20,4 4 Corona-Kranke aus Wien pfiffen auf Quarantäne-Befehl, OE24.at, 19. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020
  21. 21,0 21,1 21,2 21,3 CORONA-SKANDAL: Nach dem Corona-Skandal in Hagenbrunn wurde nun auch im Postverteilzentrum in Inzersdorf das Bundesheer angefordert, OE24.at, 17. Mai 2020, abgerufen am 19. Mai 2020
  22. R-Faktor plötzlich wieder über 1: Mehr als Hälfte aller Corona-Fälle in Wien, OE24.at, 17. Mai 2020, abgerufen am 20. Mai 2020
  23. Weltärztechef warnt vor Grenzöffnung in Europa und in Deutschland, ORF1-Teletext Seite 119; Dienstag, 19. Mai 2020, 13:40
  24. 24,0 24,1 Seoul schließt Bars und Clubs, ORF 1 Teletext Seite 138 am So. 10. Mai 2020 08:37
  25. 25,0 25,1 Lockerungen in Corona-Krise: Kritik an 50er-Obergrenze, Tagesschau.de, 8. Mai 2020, abgerufen am 10. Mai 2020
  26. Fünf Kreise überschreiten Corona-Obergrenze, MDR.de, Sa. 9. Mai 2020 16:54, abgerufen am 10.5.2020
  27. Weltärztepräsident für Corona-Impfpflicht, Salzburg24.at, Mi. 20. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020
  28. 28,0 28,1 28,2 IMPFPFLICHT: Es wird nicht möglich sein, von Beginn an alle zu impfen, Wiener Zeitung, 3. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020
  29. 29,0 29,1 29,2 OBERÖSTERREICH:Stelzer befürwortet Impfpflicht, nachrichten.at/apa, 20. Mai 2020, abgerufen am 21. Mai 2020
  30. Neue Studie: Covid-19-Patienten sterben häufig an Thrombose und Lungenembolien, Studie am Institut für Rechtsmedizin des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE), NDR Norddeutscher Rundfunk, 7. Mai 2020, abgerufen am 9. Mai 2020
  31. Autopsy Findings and Venous Thromboembolism in Patients With COVID-19: A Prospective Cohort Study, Wichmann D, Sperhake J, Lütgehetmann M, et al.; Ann Intern Med. 2020; Epub ahead of print 6 May 2020; doi: https://doi.org/10.7326/M20-2003
  32. 32,0 32,1 32,2 32,3 32,4 32,5 32,6 32,7 32,8 32,9 Wie lange hält sich das Coronavirus auf Oberflächen?, Recherche-Netzwerk Addendum.org, Wien, abgerufen am 5.4.2020
  33. Aerosol and surface stability of HCoV-19 (SARS-CoV-2) compared to SARS-CoV-1, https://doi.org/10.1101/2020.03.09.20033217, verfasst von Experten des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CDC, veröffentlicht am 13. März 2020, abgerufen am 5.4.2020

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