Idealgewicht

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Gewichtsklassen in Abhängigkeit von Körpermasse und Körpergröße nach BMI-Angaben der WHO


Idealgewicht, Übergewicht & Adipositas

Definition von Normalgewicht und Idealgewicht nach WHO

Definition von Normalgewicht und Idealgewicht nach WHO 1995/ 1998 (zitiert nach Wirth, 1998):[1]
Das Normalgewicht ist das durchschnittliche Gewicht innerhalb einer Bevölkerungsgruppe und wird, statistisch gesehen, mit dem Mittelwert angegeben. Da das Gewicht vom Alter, vom Geschlecht und von soziokulturellen Einflüssen abhängig ist, muss auch das Normalgewicht hinsichtlich dieser drei Variablen angegeben werden.
Das Idealgewicht ist dasjenige Gewicht, bei dem die geringste Mortalität vorliegt bzw. die größte Lebenserwartung besteht. Im Unterschied zum Normalgewicht ist dieser Begriff klinisch definiert.

Es gibt keinen medizinischen Konsens, was das als Normalgewicht zu bezeichnende wünschenswerte oder natürliche Körpergewicht eines Menschen sein sollte. Es existieren auch verschiedene Bemessungsformeln zur Ermittlung des Normal- bzw. Ideal- und Unter- bzw. Übergewichts, die im Ergebnis ähnliche Werte ergeben. Trotz dieser Diskussion um den richtigen Wert eines Normal- oder Idealgewichtes gibt es klare Vorstellungen außerhalb welcher Gewichtsbandbreite eine Person als (krankhaft) unter- oder übergewichtig zu beurteilen ist.[2]

Neuere Studien belegen seit 2012 im Hinblick auf die Körpergewichtsbeurteilung den Body Shape Index als wesentlich sinnvolleres Kriterium zur Einschätzung der Lebenserwartung als den Body Mass Index (BMI);

Übergewicht und Adipositas

Definition vom Übergewicht nach Biesalski (1995):[1]
Der Begriff Übergewicht bezeichnet eine über das Normalmaß hinausgehende Erhöhung des Körpergewichts. Im Folgenden wird unter Übergewicht- synonym mit dem Begriff Adipositas- eine Vermehrung der Körperfettmasse verstanden. Aus medizinischer Sicht erlangt Übergewicht dann einen Krankheitswert, wenn damit eine Beeinträchtigung wichtiger Organfunktionen bzw. eine erhöhte Mobilität und Mortalität verbunden ist. Als normal oder wünschenswert gilt dagegen ein Körpergewicht, das die Lebenserwartung nicht verkürzt.

Neben den üblichen Berechnungsmethoden werden zur Beurteilung auch Quantile (für Unter/Übergewicht) oder der Median (für das Idealgewicht) von empirisch gewonnenen Verteilungen des Körpergewichts einer Bevölkerungsgruppe benutzt.

Ein aktueller Bericht der WHO[3] verwendet den BMI und definiert Normalgewicht mit einem BMI von 18,5–24,9.

Ein aktueller Bericht der WHO[3] verwendet den BMI und definiert Übergewicht wie folgt:

Adipositas-Typ BMI
Präadipositas (Übergewicht im engeren Sinne) 25–29,9
Adipositas Grad I 30–34,9
Adipositas Grad II 35–39,9
Adipositas Grad III > 40

Die gesundheitliche Bewertung dieser Grenzwerte ist allerdings in der Fachwelt uneinheitlich. Übergewicht gilt als Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen (zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus). Regelmäßige Bewegung und mäßiges Essen (vor allem wenig Fett und wenig Kohlenhydrate) können das Körpergewicht senken.[2]

Alkohol löst Heißhunger aus

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ORF2-Teletext 11.1.2017: Alkohol löst Heißhunger aus

Nach dem Rausch folgt der große Hunger. Betrunkene essen bekanntlich gerne deftig und viel. Neurobiologen haben nun herausgefunden, warum das so ist: Schuld ist ein Notsignal im Gehirn. Bisher verwiesen Mediziner darauf, dass Trunkenheit die Selbstkontrolle außer Kraft setzt und die Schleusen für den Exzess nach dem Exzess öffnet. Für Londoner Forscher greift das aber zu kurz. Sie verabreichten Mäusen ein Wochenende lang Alkohol. Ergebnis: Die Tiere fraßen weit mehr als nüchterne Mäuse. Nachgewiesen wurde dabei eine Aktivität von Nervenzellen in der Gehirn-Schaltzentrale, die den Heißhunger auslöst.

Glutamat ist mitverantwortlich für Übergewicht

Der Geschmacksverstärker Mononatrium-Glutamat – meist kurz Glutamat genannt – gilt laut Kinderarzt und Buchautor Michael Hermanussen als „Gefräßigmacher, der maßgeblich zu Übergewicht und Fettleibigkeit beiträgt“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn rufen dagegen zur Gelassenheit auf: „Wir gehen davon aus, dass bei rationaler Verwendung im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung keine Gesundheitsgefahr durch Glutamat besteht, erklärt eine Sprecherin der DGE.[4]

Glutamat wird als Geschmacksverstärker E621 eingesetzt
Glutamat, das Salz der Glutaminsäure, ist natürlicher Bestandteil zahlreicher Nahrungsmittel wie Tomaten, Schinken oder Käse. Daneben wird die Substanz mithilfe von Bakterien synthetisch hergestellt. Sie ist weltweit als Würzmittel beliebt. Asiaten verwenden sie in Pulverform zum Kochen, hierzulande kommt sie vor allem als Geschmacksverstärker mit dem Kürzel E621 in der industriellen Lebensmittelproduktion zum Einsatz. Schätzungen zufolge werden pro Jahr weltweit 1,5 Millionen Tonnen hergestellt. Auch in Deutschland ist E621 zum wichtigsten Zusatzstoff für Fertignahrung geworden. Pizzen, Knabberartikel, Suppen, Wurst und viele andere Produkte bekommen dank Glutamat eine fleischig-würzige Note, den sogenannten Umami-Geschmack (japanisch für Köstlichkeit). Lebensmittelhersteller können so an teuren Rohstoffen wie Fleisch, Shrimps oder Käse sparen. Der Japaner Kikunae Ikeda entdeckte das Mononatrium-Glutamat 1908. Heute gilt Umami als fünfte Grundgeschmacksrichtung neben salzig, sauer, süß und bitter. [4]

DGE: Zusammenhang zwischen dem Glutamatverbrauch und Übergewicht, Glutamat greift in Appetitregulation ein
Glutamat wird nachgesagt, für zunehmendes Übergewicht und Fettsucht in den Industrieländern mitverantwortlich zu sein. „Es gibt seit Kurzem erste Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen dem Glutamatverbrauch und Übergewicht bestehen könnte“, räumt auch die DGE ein. Für Aufsehen sorgte 2008 eine Studie mit 750 Chinesen. Forscher der Universität North Carolina fanden, dass Probanden, die reichlich Glutamat verwendeten, mehr Gewicht auf die Waage brachten als jene, die sparsam damit umgingen. „Um die Hypothese zu erhärten, sind aber weitere Studien nötig“, so die DGE. Der Kieler Professor Michael Hermanussen ist schon im Jahr 2009 überzeugt: „Glutamat greift massiv in die Appetitregulation ein.“ Seine These: Eine mögliche Ursache von Fettsucht ist eine neurologische Störung, die die natürliche Sättigungsregulation zusammenbrechen lässt. Einen ersten Beleg brachte der Forscher mit einem Versuch, bei dem er acht Versuchspersonen Glutamat-Rezeptor-Blocker verabreichte. Sie verhindern die Aufnahme des Botenstoffs im Gehirn. Das Ergebnis: Die Teilnehmer berichteten von deutlich geringerem Appetit und verloren an Gewicht. Dennoch sei diese Methode nicht zur Gewichtsreduktion zu empfehlen, da sie noch nicht ausreichend untersucht ist.[4]

Glutamat tritt häufig getarnt als „Hefeextrakt“ oder „fermentierter Weizen“ auf
Verbraucherschützer bemängeln, dass Glutamat in der Zutatenliste selten genannt wird. Das Lebensmittelrecht gestattet den Produzenten, auf andere Bezeichnungen auszuweichen, die harmloser klingen. Die Decknamen lauten etwa „Würze, „Aroma“ oder „fermentierter Weizen“. Biohersteller tarnen Glutamat gern als „Hefeextrakt“.[4]

Früher ordnete man die höchste Lebenserwartung geringerem Gewicht zu

Bekannt wurde vor allem eine großangelegte Studie US-amerikanischer Lebensversicherungsgesellschaften aus den 1950er-Jahren, in der man – in Abhängigkeit von Körpergröße, Geschlecht und Schwere des Knochenbaus – die Körpergewichte mit der höchsten Lebenserwartung ermittelte und diese als Idealgewichte bezeichnete. Die Werte betrugen beispielsweise für einen 180 cm großen Mann mit mittelschwerem Knochenbau 68 bis 75 kg, für eine gleich große Frau 63 bis 70 kg; für einen 170 cm großen Mann 61 bis 67 kg, für eine gleich große Frau 56 bis 63 kg. Bei schwerem Knochenbau lagen die Werte um 3 kg höher, bei leichtem um 3 kg niedriger. Pro 10 cm Körpergröße erhöhten bzw. verminderten sich die Werte um 5 bis 6 kg.[5] Neuere Erkenntnisse[6][7][8][9][10] deuten an, dass die genannten Werte neu bewertet werden sollten.
Neuere Studien belegen seit 2012 im Hinblick auf die Körpergewichtsbeurteilung den Body Shape Index als wesentlich sinnvolleres Kriterium zur Einschätzung der Lebenserwartung als den Body Mass Index (BMI);

Am längsten lebt man mit einem BMI zwischen 25 und 27

Gemäß [10] ist ein BMI von 25-30 noch „gesund“, da Menschen mit leichtem bis mittlerem Übergewicht durchschnittlich länger leben. Bei einigen Krankheiten könnte eine höhere Fettreserve von Vorteil sein (beispielsweise bei Operationen oder schweren Infektionen). Das, was als Übergewicht/Präadipositas bezeichnet wird, ist statistisch gesehen das Idealgewicht, da es das Gewicht mit der höchsten Lebenserwartung ist. Beispielsweise haben nach einer israelischen Langzeitstudie an 10.000 Männern im Alter über 40 Jahren Männer mit leichtem Übergewicht (BMI von 25 bis 27) deutlich bessere Aussichten auf Langlebigkeit als Normalgewichtige. Bei starkem Übergewicht (BMI > 27) sinkt die Lebenserwartung wieder.[11] Zwei neuere Publikationen, (Ingrid Mühlhauser, Universität Hamburg[6][7][8] und eine Studie der Oxford University[9][10]) in denen eine Vielzahl von Studien und Metaanalysen verglichen und bewertet wurden, zeigen, dass ein leichtes Übergewicht für die Anfälligkeit gegenüber einigen Krankheiten von Nachteil ist, für andere von Vorteil. Es kommt z. B. sehr stark darauf an, wo das Körperfett gespeichert wird. Ist dieses im Bauchraum („apfelförmige“ Figur), so erhöht dieses das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit. Fett an Po und Oberschenkeln („birnenförmige“ Figur) kann vor gerade diesen Erkrankungen schützen. Allerdings ist nach heutigen Erkenntnissen die Fettverteilung genetisch festgelegt und nicht beeinflussbar, und das Arthroserisko für die Gelenke der unteren Extremitäten wird durch das Gewicht unabhängig von der Fettverteilung erhöht. Die genannten Publikationen blieben in der Fachwelt auch keinesfalls unwidersprochen [12][13][14][15].

In einer Übersichtsarbeit vom Jänner 2013[16] hat US-Epidemiologin Katherine Flegal gemeinsam mit Kollegen 97 Studien mit insgesamt 2,88 Millionen Teilnehmern ausgewertet. Im Ergebnis haben Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 30 ein niedrigeres Risiko, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu sterben, als die sogenannten Normalgewichtigen, berichten die Forscher im Fachmagazin "JAMA". Erst ab einem BMI von über 30 steigt das Risiko an. Im Klartext: Ein kleiner Rettungsring verlängert das Leben.

Nach den Studienergebnissen ist das Sterblichkeitsrisiko bei übergewichtigen Menschen (BMI zwischen 25 und 30) sechs Prozent niedriger als bei normalgewichtigen Menschen (BMI zwischen 18,5 und 25), bei leicht Fettleibigen (BMI zwischen 30 und 35) ist es fünf Prozent niedriger. Bei Fettleibigen (BMI über 35) dagegen steigt das Risiko um 29 Prozent an. An den Ergebnissen änderte sich auch nichts, als die Wissenschaftler verzerrende Faktoren wie Rauchen, Krankheiten oder die Art und Weise, wie Körpergewicht und -größe in unterschiedlichen Studien ermittelt wurden, berücksichtigten. Die Ergebnisse sind aber alles andere als ein Freibrief zum Schlemmen. Es ist unbestritten, dass Übergewicht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Nierenkrankheiten erhöht. Eine klare Grenze zu ziehen, ist aber offenbar schwieriger als gedacht.[17] Neuere Studien belegen seit 2012 im Hinblick auf die Körpergewichtsbeurteilung den Body Shape Index als wesentlich sinnvolleres Kriterium zur Einschätzung der Lebenserwartung als den Body Mass Index (BMI);

Diäten zur Vermeidung von Übergewicht

Überblick über ausgewählte Diäten im Hinblick auf ihre Langzeitwirkung erstellt 1997 vom Österreichischen Verein für Konsumenteninformation, Konsument Extra - Schlank und fit 60 Diäten im Vergleich[18][19][20]

Diät sättigend vielseitig praktisch spannend nachhaltig Bewertung Punkte
Weight Watchers ja ja ja ja ja sehr sinnvoll 5,5
Schlank ohne Diät ja ja ja ja ja sehr sinnvoll 5,4
PfundsKur 96 ja ja ja ja ja sehr sinnvoll 5,3
Wege zum Wunschgewicht ja ja ja ja ja sehr sinnvoll 5,2
Brigitte Diät ja ja ja ja sehr sinnvoll 4,0
Fit for Fun ja ja ja ja sehr sinnvoll 4,0
Nutripoints ja ja sinnvoll 3,5
Die Mond Diät ja ja ja weniger sinnvoll 3,2
Hay'sche Trennkost ja weniger sinnvoll 3,1
Atkins-Diät ja ja nicht sinnvoll 2,5
FdH ja nicht sinnvoll 2,3
Hollywood-Star-Diät ja nicht sinnvoll 2,3
Die Dr. Mayr Kur ja nicht sinnvoll 2,3
Formuladiäten ja nicht sinnvoll 2,3
Zitronensaftkur ja nicht sinnvoll 2,3
Die Markert-Diät ja nicht sinnvoll 2,3
Fit-For-Life ja nicht sinnvoll 2,2
19 Nm die schlank machen ja nicht sinnvoll 2,2
Evers-Diät nicht sinnvoll 1,0

Glutenverzicht nützt für Herzgesundheit nichts

Viele gesundheits- und figurbewusste Amerikaner verzichten auch ohne Darmbeschwerden vorsichtshalber auf Gluten. Möglicherweise kann dies aber sogar Nachteile bringen.[21]

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In Deutschland haben etwa zwei bis drei Prozent der Menschen
Zöliakie - sie vertragen nicht das Klebereiweiß des Weizens, das auch
in den meisten anderen Getreidearten vorkommt[21]

Die Cupcakes in der Theke des US-Bistros sehen verführerisch aus. Aber: „Ist da Gluten drin?“ Kellner sind diese Frage gewohnt - rund 200 Millionen Essen pro Jahr werden in den USA Gluten-frei geordert. Denn der Verzicht auf das in Verruf geratene Klebereiweiß des Weizens, das auch in den meisten anderen Getreidearten vorkommt, liegt in den USA seit Jahren im Trend. Gründe dafür sind vielfältig: Bei Menschen mit angeborener Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie), etwa einem Prozent der US-Bevölkerung, löst das Eiweiß eine Dünndarmentzündung mit teils heftigen Darmbeschwerden aus. Auch Blutarmut, Blähungen oder Osteoporose können die Folgen sein. Einige andere Menschen leiden an Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität. Aber auch populäre Bücher wie „Wheat Belly“ („Weizenwampe“) des Arztes William Davis sagen dem Protein als vermeintlich ungesund und dickmachend den Kampf an.[21]

Eine Flut teurer, Gluten-freier Lebensmittel findet viele Abnehmer: Jeder zehnte US-Haushalt lebt einer Marktforschungsumfrage zufolge Gluten-frei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei. Für die Herzgesundheit bringt glutenfreie Kost jedoch keine Vorteile, zeigt jetzt eine neue US-Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde. Vielleicht ist das Weglassen von Gluten sogar ungünstig: Denn mit dem Gluten reduzieren Viele auch ihren Vollkornkonsum, der das Herz zu schützen scheint. „Basierend auf unseren Daten ist eine Gluten-arme Diät nur mit dem Ziel Herzgesundheit nicht zu empfehlen“, resümiert der Gastroenterologe und Mitautor Andrew Chan von der Harvard School of Medicine.[21]

Zusammen mit Benjamin Lebwohl vom Zöliakie-Zentrum der Columbia University (New York) und Kollegen hat er Material zweier US-Langzeitstudien ausgewertet: Von 1986 bis 2010 waren dafür alle vier Jahre vielfältige Ernährungs- und Gesundheitsdaten von 110 000 Amerikanern gesammelt worden. Je nach Gluten-Konsum teilten die Forscher die Teilnehmer in fünf Gruppen ein. „Sogar in der Gruppe mit dem niedrigsten Gluten-Konsum gab es dieselben Raten an koronarer Herzerkrankung wie in der Gruppe mit dem höchsten Konsum“, beschreibt Chan. „Gluten ist selbstverständlich schädlich für Menschen mit Zöliakie. Aber beliebte Diätbücher, die mit zufälligen und anekdotischen Beispielen arbeiten, haben die Ansicht befeuert, dass eine Gluten-arme Diät für jeden gesund ist“, sagt Lebwohl. Wer jedoch auch auf Vollkorn-Produkte verzichte, laufe Gefahr, gleichzeitig deren schützenden Effekte vor Herzerkrankungen zu verlieren.[21]

Martin Raithel (Waldkrankenhaus Erlangen), Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie (DGAKI), sieht das ähnlich. „Vor allem B-Vitamine können das Herz schützen“, sagt er. Ballaststoffe aus Vollkörnern sind zudem wichtige Bestandteile für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Wer Getreide ohne Grund meide, halte dem Körper zugleich wichtige Polyamine vor, etwa Weizenkeimöl, so der Experte. Mit Blick auf die Herzgesundheit stelle die Studie keine kausalen Zusammenhänge her, aber sei insgesamt sehr detailliert gemacht und über diesen langen Zeitraum auch aussagekräftig, sagt Raithel. Nach seinen Worten haben in Deutschland etwa zwei bis drei Prozent der Menschen Zöliakie. Ein weiteres Prozent leide an Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität. „Die Zahlen der Weizen- oder Glutensensitivität werden in der Öffentlichkeit und in den Medien generell überschätzt. Problematisch ist, dass nach den einzelnen Ursachen nicht immer diagnostisch ausreichend gefahndet wird.“[21]

Um Klarheit zu bekommen, empfehlen Experten, bei anhaltenden Darmbeschwerden nicht mit Selbst-Tests aus dem Internet oder beim Heilpraktiker Hilfe zu suchen, sondern sich beim Arzt diagnostizieren zu lassen. Kinder in der Familie in die Gluten-freie Diät einfach mit einzubeziehen, sei für den Nachwuchs nicht nur einschränkend, sondern sogar gefährlich, warnt Raithel. „Kinder sollten wirklich von allem etwas essen, auch Fleisch und geringe Mengen Zucker“, betont der Darmexperte. „Denn mit jeder Einschränkung von Lebensmitteln verkleinert sich die Vielfalt der Darmflora. Und das ist wiederum ein Risikofaktor für die Entstehung von vielen Erkrankungen.“ Ein Abklingen des Gluten-frei-Trends kann Raithel noch nicht feststellen. „Das hängt wohl auch damit zusammen, dass oft über Tierversuche berichtet wird, in denen Gluten schädliche Wirkungen zeigt.“ Viele seien dadurch übersensibilisiert. Aber Ergebnisse aus Tierversuchen seien nicht einfach zu übertragen. „Der menschliche Körper reagiert in vielen Fällen komplexer.“[21]

Vegetarische & vegane Ernährung

Ursprung des Vegetarismus

Das Wort Vegetarismus wurde 1847 mit der Gründung der ersten europäischen vegetarischen Gesellschaft eingeführt (der Vegetarian Society of the United Kingdom). Zuvor nannte man die vegetarisch lebenden Personen Pythagoräer, da der Grieche Pythagoras als erster Vertreter des Vegetarismus in Europa gilt. Vor einigen Jahren wurde an einem Kongress von den verschiedenen Vegetarierorganisationen eine Formulierung ausgearbeitet, zu der alle Organisationen stehen konnten:[22]

„Der Vegetarismus ist die Lehre, dass der Mensch aus ethischen und biologischen Gründen ausschliesslich zum Pflanzenesser bestimmt ist. Sein stärkstes Motiv ist die Überzeugung, dass möglichst kein Tier für die menschliche Existenz getötet oder geschädigt werden soll.“

Definition und Unterschiede der vegetarischen/veganen Ernährungsarten

Die Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Sie verzehren nur Produkte vom lebenden Tier, wie Milch, Eier, Honig und die daraus hergestellten Lebensmittel und Zusatzstoffe. Ein Leben ohne Fleisch liegt im Trend. So hat sich die Zahl der Vegetarier in den letzten Jahren in Deutschland beträchtlich zugenommen. Nach einer aktuellen Untersuchung der Universitäten Göttingen und Hohenheim ernähren sich (im Jahr 2018) 3,7 Prozent der Bevölkerung vegetarisch.[23]

Unterschied vegetarisch - vegan
Das Wort Vegetarier kommt vom lateinischen Wort vegetus, das «ganz, gesund, frisch oder lebendig» bedeutet, wie zum Beispiel in dem alten lateinischen Ausdruck homo vegetus – ein körperlich und geistig starker Mensch. Allen Vegetariern gemeinsam ist, dass sie keine Produkte konsumieren, für die ein Tier getötet werden musste.

Veganer meiden alle tierische Nahrung (auch Milch, alle Milchprodukte und Honig) und vermeiden in der Regel alle tierischen Produkte (Lederjacken usw.). Auf Initiative von Swissveg sind diese offiziellen Definitionen auch in der Schweizer Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel LIV (Artikel 40)[24] eingeflossen. Die Schweiz ist eines von wenigen Ländern, in denen gesetzlich die Bedeutung des Begriffs «vegetarisch» definiert wurde.[22]

Unterschiede der vegetarischen/veganen Ernährungsarten
Im Kapitel 3 der Schweizer Lebensmittel-Informations-Verordnung (LIV)[24] sind "Freiwillige Informationen über Lebensmittel" geregelt. Im Artikel 39[24] sind 2 Grundsätze dazu vorgesehen:

  • Freiwillige Informationen über Lebensmittel dürfen nicht auf Kosten des für die obligatorischen Angaben verfügbaren Platzes gehen.
  • Werden Informationen über Lebensmittel nach Artikel 3 freiwillig bereitgestellt, so müssen Sie die entsprechenden Anforderungen erfüllen:

Art. 40 der Schweizer Lebensmittel-Informations-Verordnung (LIV)[24] regelt die Begriffe «vegetarisch» oder «vegetabil» wie folgt:

  • «vegetarisch» oder «ovo-lacto-vegetarisch» oder «ovo-lacto-vegetabil», wenn Lebensmittel weder Zutaten noch Verarbeitungshilfsstoffe tierischer Herkunft enthalten, mit Ausnahme von Milch, Milchbestandteilen, wie Laktose, Eiern, Eibestandteilen oder Honig;[24]
  • «ovo-vegetarisch» oder «ovo-vegetabil», wenn Lebensmittel keine Zutaten tierischer Herkunft enthalten, mit Ausnahme von Eiern, Eibestandteilen oder Honig;[24]
  • «lacto-vegetarisch» oder «lacto-vegetabil», wenn Lebensmittel weder Zutaten noch Verarbeitungshilfsstoffe tierischer Herkunft enthalten, mit Ausnahme von Milch, Milchbestandteilen oder Honig;[24]
  • «vegan» oder «vegetabil», wenn Lebensmittel keine Zutaten tierischer Herkunft enthalten.[24]

Darüber hinaus gibt es auch folgende Spezialformen des Vegetarismus[23]:

  • Pescetarier

Unter Pescetariusmus versteht man eine Ernährungsweise, die den Verzehr von Fleisch ausschließt, aber Fisch beinhaltet. Auch Eier, Milch oder Honig sind erlaubt. Krebs- und Weichtiere stehen nur bei manchen Pescetariern auf dem Speiseplan. Zugleich wird darauf geachtet, dass der Fisch nicht aus einer Massentierhaltung stammt.[23]

  • Flexitarier

Ein Flexitarier ist ein Teilzeitvegetarier. Ab und an ein Stück Fleisch oder Fisch kann schon auf dem Teller landen, denn Flexitariern geht es weniger um den Erhalt tierischen Lebens als um eine gesunde Ernährung. Manche Flexitarier verzichten während der Woche auf Fleisch, lassen sich hingegen den Sonntagsbraten schmecken und achten besonders auf die Qualität des Fleisches.[23]

Vitalstoffdefizite bei veganer Ernährung

Bei einer veganen Ernährung kann es aufgrund des Verzichts auf jegliche tierische Lebensmittel zu einer Unterversorgung mit Energie, Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B12 (Cobalamin) und Vitamin D kommen und die Zufuhr langkettiger n-3 Fettsäuren ist ebenfalls gering (Grüttner 1991, Jacobs und Dwyer 1988, Kirby und Danner 2009, Leitzmann und Keller 2010).[25]

Weitere Informationen

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Veränderungen der Beurteilung des Problems des Übergewichtes und der Fettsucht in verschiedenen Ländern, Nóra Novák (Berzsenyi Dániel Hochschule Szombathely, Ungarn, Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich), März 2010
  2. 2,0 2,1 Wikipedia: Körpergewicht Idealgewicht, abgerufen am 26.12.2018
  3. 3,0 3,1 WHO: Obesity – preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Reports Series 894, Geneva 2000 (abgerufen 1. November 2011)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 So schädlich ist Glutamat im Essen wirklich, von Andrea Exler, veröffentlicht am 26.02.2009, abgerufen am 10.2.2018
  5. Metropolitan Life Insurance Company, Statistical Bulletin, Band 40, 1959
  6. 6,0 6,1 Dicke leben länger, „Servicezeit Gesundheit“ (WDR) vom 2. November 2009
  7. 7,0 7,1 Morbidität und Mortalität bei Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter: Eine systematische Übersicht, Deutsches Ärzteblatt am 20. Mai 2009
  8. 8,0 8,1 Morbidität und Mortalität von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen, Veröffentlichung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierter Medizin im Portal German Medical Science am 4. März 2009
  9. 9,0 9,1 Being pear shaped protects against heart disease, University of Oxford am 12. Januar 2010
  10. 10,0 10,1 10,2 SüdDeutsche: Rund und gesund, Das richtige Übergewicht, 17. Mai 2010
  11. Höchste Lebenserwartung bei (BMI) von 25 bis 27, Uri Goldbourt von der Universität Tel Aviv, Forscher des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem nach dpa-Meldung vom 4. Januar 2007
  12. Assoziation mit erhöhtem Schlaganfallrisiko
  13. Kurzer Beobachtungszeitraum
  14. Unangebrachte Interpretation der Daten
  15. Hauptaussage nicht gerechtfertigt
  16.  Katherine M. Flegal, PhD; Brian K. Kit, MD; Heather Orpana, PhD; Barry I. Graubard, PhD: Association of All-Cause Mortality With Overweight and Obesity Using Standard Body Mass Index Categories. 309, Nr. 1, 2013, S. 71-82, DOI:10.1001/jama.2012.113905.
  17. US-Studie: Leichtes Übergewicht verlängert das Leben, Spiegel Online, 2.1.2013
  18. Helga Häupl-Seitz, Wenzel Müller: Schlank & fit: 60 Diäten im Vergleich, Verlag Verein für Konsumenteninformation, 1997, Konsument : Extra, Band 9703 von Stiftung Warentest: Test Spezial, 129 Seiten, Google Buch bfyWtgAACAAJ Seite 3
  19. Schlank werden durch Ernährungsumstellung, VKI 1997: 60 Diäten im Vergleich
  20. VKI 1997: 60 Diäten im Vergleich, Univ. Doz. Dr. Harald Kritz (Leiter der Arbeitsgruppe Fettkrankheiten des Lipidforum austriacum und ärztlicher Leiter der Kuranstalt Engelsbad-Melanie der BVA in Baden, PDF-Datei 2 Seiten, 116 kB
  21. 21,0 21,1 21,2 21,3 21,4 21,5 21,6 Viele Amerikaner meiden Gluten - Studie zeigt keine Vorteile, SZ-Online, Andrea Barthélémy, 7.5.2017
  22. 22,0 22,1 Definition der Begriffe "vegetarisch" und "vegan" von SWISSveg, Swissveg ist die grösste Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz, abgerufen am 26.12.2018
  23. 23,0 23,1 23,2 23,3 Vegetarier, Veganer, Flexitarier, Pescetarier, Frutarier – Wer isst was?; Gesundheitstrends.de, abgerufen am 26.12.2018
  24. 24,0 24,1 24,2 24,3 24,4 24,5 24,6 24,7 Schweizer Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel LIV (Artikel 40),
    EDI ist das Eidgenössische Departement des Innern, LIV ist die Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel, abgerufen am 26.12.2018
  25. Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter, DGE, abgerufen am 22.4.2017