Zucker

Aus Gesund-Leben
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Inhaltsverzeichnis

Gesundheitliche Auswirkungen von Zucker

Im Jahr 2003 erstellte ein Gremium internationaler Experten im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) einen Report. Er konstatierte, dass wer sich gesund ernähren wolle, nicht mehr als 10 % seiner Nährstoffe aus Zucker beziehen sollte.[1]

Einer der bekanntesten Kritiker des Konsums von „Industriezucker“ war Max Otto Bruker, ein Vertreter einer natürlichen Ernährungsweise, der sich jahrzehntelang auch gerichtlich mit der Lobby der Zuckerproduzenten und -verarbeiter auseinandergesetzt hat.

Adipositas

Der jährliche Zuckerkonsum lag 1997 in Österreich bei 40,4 Kilogramm pro Person und hat sich damit innerhalb der letzten 150 Jahre auf das Zwanzigfache gesteigert, was eine bedeutende Rolle als Ursache vermehrter Adipositas spielen dürfte. Leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Zucker haben zudem größere Schwankungen des Insulinspiegels zur Folge, man spricht von einer höheren glykämischen Last, was sich diesbezüglich ebenfalls negativ auswirkt.

Ernährungsphysiologisch bedenklich ist der Konsum zuckerhaltiger Getränke bereits im Kindesalter. Mischgetränke wie Cola oder Limonade, aber auch konzentrierte Fruchtsäfte enthalten bis zu 120 Gramm Zucker pro Liter, was 40 Stück Würfelzucker und mit ca. 2 MJ einem Viertel des täglichen Energiegrundumsatzes eines 70 Kilogramm schweren Mannes entspricht.

Zahnkaries

Die ursächliche Mitwirkung von Zucker bei der Entstehung von Zahnkaries ist heute eine unumstrittene Tatsache. Die bedeutendste Bakterienart ist Streptococcus mutans, mit dem Kleinkinder üblicherweise durch die Mutter infiziert werden. Nahrungszucker gelangen durch Diffusion in die bakteriellen Zahnbeläge, wo sie zu intermediären Säuren abgebaut werden, welche unter einer hinreichend dicken Plaque lokal zur Entkalkung des Zahnschmelzes und dadurch zum kariösen Defekt führen. Ebenfalls von Bedeutung sind Speichelzusammensetzung (Pufferkapazität, Lysozym-Gehalt), Zahnschmelzlöslichkeit (Fluoridierungsgrad) und Mundhygiene. Ob Zucker in Form von Haushaltszucker, Honig, leicht verdaulicher Stärke o.Ä. aufgenommen wird, ist dabei bedeutungslos.

Diabetes mellitus und Zuckerkonsum

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Diabetes in aller Welt im Jahr 2030: Anteil der Diabetiker in der Gesamtbevölkerung, Quelle: Infografik Welt Online, IDF Diabetes Atlas[2]


Anders als der Name vermuten lassen könnte, wird die Zuckerkrankheit nicht direkt durch Zuckerkonsum verursacht. Sie beruht entweder auf einer Autoimmunreaktion, die die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse schädigt (Typ 1), oder auf einer genetischen Disposition zur Insulinresistenz (Typ 2), die besonders durch Übergewicht und Bewegungsmangel zum Tragen kommen kann, und deren Folge ein ständig erhöhter Blutzuckerspiegel ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, die den Zuckerkonsum berücksichtigen soll. Insbesondere sollte bei Typ 2 eine fettarme, ballaststoffreiche Kost bevorzugt und regelmäßig Sport betrieben werden.

Es kann vorteilhaft sein, zum Süßen anstatt normalem Zucker Honig zu verwenden, beispielsweise in den Tee oder Kaffee. Einige Honigsorten (Beispiel Akazienhonig) bestehen nur etwa zu einem Drittel aus Glucose. Der andere Hauptbestandteil ist der nicht den Insulin-Stoffwechsel beeinflussende Fruchtzucker. Hinzu kommt, dass Honig eine um etwa 40 % höhere Süßkraft besitzt. Allerdings muss auch hier vor einem deshalb erhöhten Konsum gewarnt werden. So wird z.B. überschüssige Fructose im Leberstoffwechsel zu Körperfett umgewandelt.

Zuckersucht durch Zuckerkonsum?

Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang von Zuckerkonsum und Suchterscheinungen untersucht. Die Übertragbarkeit, der meist in Laborexperimenten an Ratten vorgenommenen Ergebnisse, ist in der Wissenschaft umstritten.

Zucker ist "Gift" & Ursache für 25% aller nicht ansteckenden Krankheiten

Pur, weiß, tödlich (1972)
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Warum der Zucker uns umbringt
und wie wir das verhindern können.
von Prof. Dr. John Yudkin
und Robert H., Prof. Dr. Lustig[3]


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Prof. Robert Lustig, University of California, San Francisco: "Zucker ist Gift"


Der Zuckerkonsum in Deutschland steigt ständig: Inzwischen verbraucht der Deutsche pro Kopf und Jahr mehr als 34 Kilogramm Zucker. Aber welche Folgen hat das? Macht Zucker süchtig oder gar krank, wie es inzwischen viele Wissenschaftler annehmen?
Wie gefährlich ist Zucker?

Die "45 Min"-Dokumentation des TV-Senders PHOENIX "Zeitbombe Zucker"[Film 1], welche am 9. April 2013 veröffentlicht wurde, folgt einer norddeutschen Familie im Alltag und beobachtet deren Ess- und Einkaufsgewohnheiten.
Dabei zeigt sich, dass Zucker in fast allen Produkten zu finden ist, offen, aber vor allem versteckt, obwohl der Mensch keinen mit der Nahrung extra zugeführten Zucker benötigt.
Mediziner, Ernährungs- und Suchtexperten liefern den neuesten Stand der Forschung.
Und Politiker werden mit der Frage konfrontiert, warum vor den Folgen des übermäßigen Zuckerkonsums nicht gewarnt wird.

In dem Film "Zeitbombe Zucker" erklärt Prof. Robert Lustig, University of California, San Francisco, 21 min 27 sec ab Beginn des Films die schädlichen Wirkungen von Zucker:

„Zucker ist nicht EIN Problem im Kampf gegen Übergewicht und Folgeerkrankungen, sondern DAS Problem.
Zucker ist nach unserer Auffassung ein Gift wie Alkohol, denn es wirkt im Stoffwechsel ähnlich wie Alkohol. Aus unseren Zahlen schließen wir, dass Zucker die Ursache für 25% aller nicht ansteckenden Krankheiten ist. 20 Millionen Zucker-Tote in den USA durch Diabetes, Herzkrankheiten und Leberzirrhose sind auf zu hohen Zuckerkonsum zurückzuführen.“

Zuckerverzicht zur Krebsbekämpfung

Warburg-Hypothese

Otto Heinrich Warburg (1883-1970)[4][5]
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Medizin-Nobelpreisträger 1931
Warburg-Hypthese


Auch im deutschen Sprachraum gibt es mittlerweile ausführlichere Informationen zur ketogenen Ernährung für Krebspatienten. Ketogen[6] bedeutet einfach ausgedrückt, dass so wenige Kohlenhydrate gegessen werden, dass die Leber anfängt, durch die sogenannte Neoglukogenese selbst Glucose herzustellen um so einen ausreichenden Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten. Als Energiequellen dienen hierbei ausschließlich Eiweiß und Fett. So werden in [7] Informationen des Universitätsklinikums Würzburg zitiert:

„Der Körper von Krebspatienten benötigt für eine ausreichende Energieversorgung vor allem Fett und Eiweiß. Krebszellen haben einen vermehrten Zuckerbedarf, können häufig aber Fett schlechter zur Energieversorgung verwenden. Die von uns empfohlene Ernährung, die sehr viel Energie in Form von gesunden Fetten und Eiweiß liefert, deckt den Energiebedarf von Krebspatienten ideal und verhindert den krebsbedingten Abbau der Körpersubstanz. Gleichzeitig scheint die Verringerung der aufgenommenen Kohlenhydrate über mehrere Mechanismen nachteilig für die Krebszellen und das Krebswachstum zu sein.“

Dieses Verfahren wird bereits länger erprobt, wie auch Dr. Thomas Seyfried[8] bei einem Interview mit Jimmy Moore berichtet. Tatsächlich hat schon 1924 der spätere Medizin-Nobelpreis Gewinner Otto Heinrich Warburg[5] genau dies festgestellt, was als Warburg-Hypthese bekannt wurde. Mehr als 80 Jahre später, nämlich 2008 wurde es dann erneut bestätigt, die entsprechende, vollständige Studie finden Sie hier[9].

Weitere Hinweise darauf, dass der Verzicht auf Zucker[10] keinesfalls unnütz oder gar gesundheitsschädlich ist:

Dies auch für alle anderen "Kohlenhydratbomben" wie z.B. Getreideprodukte (Brot, Nudeln, Reis, Mais...).[7]

Ketogene Ernährung zur Krebsprävention

Allein mit einer Diät lässt sich kein Tumor besiegen. Forscher haben aber herausgefunden, dass eine kohlenhydratarme und zugleich fettreiche Ernährung dazu beitragen kann, das Wachstum von Krebszellen zu hemmen.[13]

Im Stoffwechsel onkologischer Patienten und der Tumorzellen spielen die Kohlenhydrate, besonders die Glucose, eine große Rolle. Bis vor kurzem ging man davon aus, dass Zuckerlösungen wie Maltodextrin oder mit Zucker angereicherte Speisen und Getränke eine sehr gute Energiequelle für die Patienten sind. Heute ist bekannt, dass Muskeln und Leber die Glucose überhaupt nicht ausreichend verwerten und die Gewebe keine entsprechenden Glykogenvorräte anlegen können. Die dringend notwendige Energie verpufft sozusagen ungenutzt. Im Gegensatz dazu können die Muskelzellen aber Fettsäuren wesentlich besser aufnehmen, speichern oder zur Energiegewinnung verwerten, als dies bei Gesunden der Fall ist. Auch der Eiweißstoffwechsel und -bedarf verändert sich. Da die Proteinumsatzrate durch Tumoren stark erhöht ist, erhöht sich der Eiweißbedarf auf ca. 1,2-1,5 g/kg Körpergewicht.[13]

Tumorzellen mögen Glucose

Nicht nur der Metabolismus der körpereigenen Gewebe wird verändert und hat Einfluss auf den Bedarf. Auch der Tumor selbst hat einen von einer gesunden Zelle abweichenden Stoffwechsel. Zwar verbrauchen maligne Zellen für ihre Energiegewinnung Glucose wie gesunde Zellen, anders als diese „vergären“ die meisten Tumorzellen jedoch den Zucker. Das heißt, sie verstoffwechseln ihn nahezu ohne Sauerstoff (aerobe Glykolyse), selbst dann, wenn Sauerstoff zur Verfügung steht. Die Energieausbeute ist dadurch zwar um das 15-Fache geringer als durch eine normale Oxidation, das gleichen die Tumorzellen aber durch eine 20-30-fach höhere Aufnahme von Glucose aus, unabhängig vom Nahrungsangebot. Endprodukt dieser aeroben Glykolyse ist Laktat, das gleichzeitig Schutzfunktionen für die Tumorzellen ausübt. Fette und deren Bausteine, die Fettsäuren, werden dagegen von Tumorzellen so gut wie gar nicht verwertet, während der Verbrauch von Protein um ein Vielfaches erhöht ist.

Ketogene Diät als Therapie?

Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr bei Krebspatienten:[13]
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Hochwertige Fette spielen in der Ernährung von Krebspatienten eine besondere Rolle
"Metabolisch adaptierte Ernährung" nach Holm 2007[13]


Die Stoffwechselanomalität der „Vergärung“ hat bereits 1924 der Nobelpreisträger Otto Heinrich Warburg[4][5] beschrieben. Die Erkenntnisse sind die Grundlage für die Theorie der ketogenen Diät. Bei einer extrem fettreichen, kohlenhydratarmen Ernährung bilden sich Ketonkörper, die in hohen Konzentrationen die Glucoseaufnahme und -verwertung der malignen Zellen reduzieren und dadurch zum Absterben bringen können. Diese Beobachtung ist um so wichtiger, als dass Tumoren mit zunehmender Aggressivität immer mehr Glucose als einzig mögliche Energiequelle verwenden. Das heißt, eine Behinderung des Glucoseabbaus kann das Tumorwachstum hemmen. Gleichzeitig verhindern die Ketonkörper den Eiweißabbau und damit den gefürchteten Muskelschwund. Durch die extrem kohlenhydratarme Ernährung gibt es außerdem keine Insulinspitzen – Insulin und der verwandte Insulin-like-growthfaktor (IGF1) gelten als Wachstumsförderer von Tumorzellen. Fett bzw. Fettsäuren können darüber hinaus Entzündungsreaktionen entgegenwirken: Omega-3-Fettsäuren bzw. deren pflanzliche Verwandte, die Alpha-Linolensäure, haben ein hohes anti-entzündliches Potenzial.[13]

Noch keine Langzeitstudien zu "Krebsdiäten"

Auf Grund dieser Erkenntnisse werden radikal kohlenhydratarme, sogenannte ketogene Diäten zur Krebsbekämpfung propagiert. Dabei werden ca. 10 Gramm Kohlenhydrate pro 1000 kcal erlaubt, gleichzeitig sollten 70-75 Prozent der Kalorien als Fett verzehrt werden, davon 20-30 Prozent als mittelkettige Fette (MCT) und ca. 0,5-1 g Eicosapentaensäure (EPA) – eine Omega-3-Fettsäure. Die Proteinaufnahme soll 21 Prozent der Kalorien ausmachen. In vitro und im Tierversuch konnten bereits einige Erfolge verzeichnet werden. An der Universität Würzburg wurde eine Studie mit Brustkrebspatientinnen durchgeführt. Einzelbeobachtungen an Tumorpatienten geben Anlass zu der Hoffnung, so die Forscher, dass diese Form der Ernährung das Fortschreiten einer Tumorerkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen könnte. Die Studie wird an der Universität-Frauenklinik Mannheim fortgesetzt.[13]

Langzeitergebnisse einer solchen ketogenen Diät als Krebstherapie liegen allerdings bis heute nicht vor. Auch ist noch nicht bekannt, ob die veränderte Stoffwechsellage zu Interaktionen mit Medikamenten oder anderen Therapeutika führen kann. Die Forscher der Universität Würzburg raten daher denjenigen Patienten, die diese Diät ausprobieren möchten, zu einer dreimonatigen Beobachtungsphase unter strenger ärztlicher Kontrolle. Ebenfalls als ketogene Diät gilt die TKTL1-Anti-Krebs-Diät nach Dr. Johannes Coy. Seine These ist, dass das TKTL1-Gen bei Krebspatienten den Energiestoffwechsel der Tumorzellen beeinflusse und mit entsprechender Ernährung gegengesteuert werden könne. Wissenschaftlich umstritten ist hierbei allerdings die Frage, ob der Nachweis des Gens tatsächlich einen Hinweis auf die Wirksamkeit der Diät geben kann, zu der nach Coy spezielle Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel nötig sind. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt in einer Pressemitteilung vom März 2010 vor einer ketogenen Ernährung als Anti-Krebs-Diät, da abgesehen von Tierversuchen bislang keine klinischen Studien vorliegen. Auch von anderen Wissenschaftlern wird sie als „unredlich und unsolide“ angesehen, zumal diese Diät nur unter strenger medizinischer Aufsicht durchgeführt werden darf und mögliche unerwünschte Wirkungen auf den Tumorpatienten nicht ausgeschlossen werden können.[13]

Mit Lebensmitteln den Krebs besiegen?

Beachtenswert sind auch die als „Nutraceuticals“ bezeichneten Lebensmittel, die sowohl krebshemmende als auch immunmodulierende Wirkung haben sollen. Die Onkologen Richard Béliveau und Denis Gingras haben in ihrem Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ eine Reihe von Studien zusammengetragen, die aufzeigen, dass Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Soja, fetter Fisch, Beeren, Kurkuma oder grüner Tee einzeln oder gemeinsam Krebszellen bekämpfen können. Inwieweit sich hierbei Prävention und Therapie überschneiden, sei dahingestellt; ein Fehler, diese Lebensmittel in die Ernährungstherapie einzubinden, ist es sicherlich nicht.[13]

Zuckerersatz

Zuckeraustauschstoff Xylit (Birkenzucker) hat 40 % weniger Kalorien als Zucker

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Merkur Selection: Fruchtaufstrich Marille,
nur 106 kcal/100g,
200g für 2,15 € am 7.4.2018[14]

Xylit hat 40 % weniger Kalorien als Zucker, glykämischer Index nur 7 statt 100 bei Zucker
Xylit, ist ein Zuckeraustauschstoff, eine natürliche Substanz, die in geringen Mengen in diversen Gemüse-, Obst- oder Getreidesorten enthalten ist. Auch in der Rinde bestimmter Laubbaumarten wie der Birke kommt es vor. Chemisch gesehen gehört Xylit zu den Zuckeralkoholen, weshalb es oft auch als Xylitol bezeichnet wird. Industriell wird es überwiegend aus Maiskolbenresten durch die Reduktion von Xylose gewonnen. Von außen zugeführt, wird es vom Körper langsam aufgenommen und verstoffwechselt, weshalb es den Insulinspiegel kaum verändert. Der glykämische Index, der aussagt, wie schnell Nährstoffe in die Blutbahn gelangen, beträgt bei Xylit 7, während Zucker bei 100 liegt. Deshalb sind xylitgesüßte Speisen auch der ideale Süßstoff für Diabetiker. Aber auch für Menschen, die abnehmen möchten, ist Xylit, mit 40 Prozent weniger Kalorien als Zucker, wertvoll wie Gold.[15]

Zwischen 5 und 15g des körpereigenen Stoffes Xylit werden auch von der Leber täglich erzeugt
Unsere Leber produziert täglich Xylitol als Zwischenprodukt des Glukosestoffwechsels. Es handelt sich dabei also nicht um einen körperfremden Stoff. Die Einnahme höherer Dosen kann allerdings abführend wirken, bis sich der Körper durch eine angepasste Enzymtätigkeit daran gewöhnt hat. Durch seine kristalline Struktur und seine weiße Farbe erinnert Xylit an Zucker. Es schmeckt ähnlich und hinterlässt keinen unangenehmen Nachgeschmack und das bei annähernd gleicher Süßkraft.[15] 5 bis 15 Gramm Xylitol produziert die Leber jeden Tag. Daher ist es für den Menschen gut verträglich und kann auch in größeren Mengen konsumiert werden. Eine Einzeldosis von 20 g und eine Tagesdosis von 50 bis 70 g Xylitol gilt wegen der bei höheren Doiserungen abführenden Wirkung als Obergrenze. Nach einiger Zeit Gewöhnung werden aber auch Dosen um 200 g pro Tag problemlos vertragen.[16]

Xylitol bildet keine Säuren und wirkt gegen Bakterien & Pilze
Während Zucker säurebildend ist, erhöht Xylitol den basischen Wert. Das bedeutet, dass die größten Nachteile des herkömmlichen Zuckers, die Übersäuerung und die dadurch entstehende Entmineralisierung des Körpers, nicht gegeben sind. Finnische Studien wiesen nach, dass sich Xylitol positiv auf die Entwicklung der Knochendichte bei Ratten auswirkt. Xylitol ist ein Fünf-Kohlenstoff-Zucker, das heißt, er ist molekular gesehen eine Besonderheit unter den Zuckerstoffen. Bakterien können ihn nicht als Nahrung nutzen und werden dadurch in ihrem Wachstum gehemmt. Alle anderen Zuckerformen sind Sechs-Kohlenstoff-Zucker, die den gefährlichen Bakterien und Pilzen als Leibspeise dienen.[15]

Xylitolhaltige Kaugummis an finnischen Schulen zur Reduzierung von Karies und Plaque

Dass die Ernährung für die Mundgesundheit von großer Bedeutung ist, dürfte den meisten wohl klar sein, aber dass es einen Zucker gibt, der Karies und Plaque verhindert, statt die Zähne zu schädigen, ist vielen noch unbekannt. Diese Tatsache ist in Fachkreisen schon seit über 30 Jahren bekannt und obwohl mittlerweile viele Studien zur Wirkung von Xylitol auf die Entstehung von Zahnkaries veröffentlicht wurden, kennt kaum ein Laie dessen antikariogenen Effekt. Im Mund leben über 400 Bakterienstämme, von denen die meisten gutartig sind. Zucker ist die Power-Nahrung für viele schädliche Bakterien, die dadurch ein hochsaures Milieu im Mundraum erzeugen und sich exorbitant vermehren. Säure bindet Mineralien! Der Zahnschmelz verliert daher an Substanz und wird durchlässiger für angreifende Bakterien. Xylit gärt nicht und kann deshalb von den Bakterien im Mund nicht zu Säure umgewandelt werden. Das Säure-Basen-Gleichgewicht bleibt ausgeglichen. Finnische Wissenschaftler entdeckten diesen Effekt bereits in den 1970er-Jahren. Die Turku-Zuckerstudien von 1972 und 1975 konnten eine signifikante Reduktion von Karies bei der Verwendung von Xylitol belegen. Aufgrund der vielen positiven Erkenntnisse finnischer Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten, wurden und werden immer wieder xylitolhaltige Kaugummis an finnischen Schulen zur Reduzierung von Karies und Plaque eingesetzt.[15]

Turku-Zuckerstudien von 1972 und 1975: Reduktion von Karies um 82-85% durch Xylitol
Die antikariogene Wirkung von Xylitol entdeckten finnische Wissenschaftler bereits in den 1970er-Jahren. Die Turku-Zuckerstudien von 1972 und 1975 konnten eine signifikante Reduktion von Karies bei der Verwendung von Xylitol belegen. In der ersten Studie wurden 115 Probanden in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt ausschließlich mit Fructose gesüßte Lebensmittel, die zweite Gruppe mit Xylitol gesüßte Lebensmittel und die dritte Gruppe diente als Kontrolle und erhielt Haushaltszucker. Im Saccharosearm nahm der DMFS-Index, der die Zahl der akut kariösen, gefüllten und extrahierten Zähne angibt, um 7,2, im Fructosearm um 3,8 und im Xylitolarm gar nicht zu. Dies entspricht einer Kariesreduktion in der Xylitolgruppe um 85 Prozent und in der Fructosegruppe um 30 Prozent. An der zweiten Turku-Zuckerstudie nahmen 100 Personen teil, die für ein Jahr entweder 7 g Saccharose oder 7 g Xylitol pro Tag in Form von Kaugummis konsumierten. Zum Studienende war in der Xylitolgruppe der Karieszuwachs um 82 Prozent niedriger als in der Saccharosegruppe. Der Kaueffekt war an diesem Ergebnis nicht beteiligt, weil beide Gruppen Kaugummis erhalten hatten. Die antikariogene Wirkung beruht darauf, dass Xylitol die Plaquebildung reduziert. Karies verursachende Bakterien wie Streptococcus mutans werden im Wachstum gehemmt. Sie können den Zuckeralkohol nicht verstoffwechseln und werden somit ausgehungert. Der regelmäßige Verzehr senkt die Zahl der Streptokokken in der Plaque und im Speichel deutlich und verhindert zusätzlich das Anlagern der Bakterien am Zahnschmelz. Ein weiterer Effekt von Xylitol ist, dass er die schädliche Säurebildung in der Plaque reduziert. Eine behauptete remineralisierende Wirkung von Xylitol ist nicht belegt. Wie eine aktuelle schwedische Studie zeigt, senkt schon eine tägliche Aufnahme von 3,4 g Xylitol für vier Wochen die Plaquebildung um ein Drittel. Für die Reduktion der Säureproduktion war dagegen eine Tagesdosis von 6 g Xylitol nötig. Allgemein gelten 5 bis 10 g Xylitol als wirksame Tagesdosis. Diese Menge wird durch das Kauen von etwa sechs Kaugummis über den Tag verteilt, am besten kurz nach den Mahlzeiten, erreicht.[16]

Wer sich genauer in das Thema Xylit und Kariesprophylaxe einlesen möchte, findet in der folgenden wissenschaftlichen Zusammenfassung von Prof. Kauko K. Mäkinen einige interessante Informationen:[16] In einem Beitrag von 2010 im International Journal of Dentistry werden anschaulich mehrere Studienbelege zur Wirkungsweise von Xylit im Bezug auf die Zahngesundheit präsentiert. Der regelmäßige Konsum von Xylitol steht demnach in signifikantem Zusammenhang mit der Zahnremineralisierung und der Reduktion von Kariesbefall.[17]

Eingeschränkte Nierenfunktion durch Aspartam, Krebs & Schwächung des Immunsystems durch Sucralose

Als Verursacher einer eingeschränkten Nierenfunktion wurden künstliche Süßstoffe wie Aspartam und Sucralose ermittelt. Sie sind für eine rapide Degeneration der Nieren-Tätigkeit bei Menschen verantwortlich, die exzessive Mengen künstlich durch Süßstoffe gesüßter Getränke konsumieren. Im Rahmen dieser Studie untersuchten Dr. Julie Lin vom Brigham and Women's Hospital in Boston und ihre Kollege Dr. Gary Curhan die Korrelation zwischen dem Konsum von Süßstoffen und dem Nierenabbau. Damit unterstrichen sie eine der vielen Gefahren, die vom Konsum von künstlichen Süßstoffen ausgehen kann. Eine von Dr. Morando Soffritti von der European Ramazzini Foundation of Oncology and Environmental Sciences und dem Cesare Maltoni Krebsforschungszentrum bereits im Jahr 2005 vorgelegte Studie belegt Vergleichbares. Bereits vor 30 Jahren fanden unabhängige Wissenschaftler heraus, dass der Konsum von Aspartam zu verschiedenen Krankheiten und Leiden führt. Darunter befinden sich krebsartige Tumoren, Lymphomen, Leukämie, Läsionen in unterschiedlichen Organen, Urothelkarzinome, Nervenschäden, Anfälle und vorzeitiger Tod.[18]

Fragwürdige Studien ermöglichten Zulassung von Aspartam
Die einstmalige Zulassung von Aspartam als Lebensmittel durch die FDA wurde von fragwürdigen Studien gestützt, die einer späteren Überprüfung durch die Drogenbehörde des Bureau of Foods nicht stand hielten. Zwar wurde der FDA wiederholtes Fehlverhalten nachgewiesen, dennoch ignorierten die Behörden zwei entsprechende Berichte und eine enorme Menge gegenläufiger Fakten und Daten. Diese kamen erst kurz nach der Zulassung von Aspartam zutage. Zwischen 1974, dem Zulassungsjahr des Aspartam, und 1990 stieg die Anzahl von Gehirntumoren bei Menschen über 65 Jahren um 67 Prozent. Auch der Stoff Sucralose, ein Chlorocarbon, ist für verschiedene gravierende chronische Erkrankungen und Leiden verantwortlich. Beworben wird Sucralose damit, dass es direkt aus Zucker gewonnen wird, was es harmlos erscheinen lässt. Sucralose jedoch verursacht Funktionsstörungen des Gehirns und des Nervensystems, Migräne, Krebs und die Schwächung des Immunsystems.[18]

Regelmäßiger Konsum von Sucralose verkleinert die Thymusdrüse & schädigt Immunsystem
Zwar werden die Chloracarbon-Bauteile der Sucralose als unbedenklich eingestuft, dennoch sind sie nachweislich Giftstoffe. Menschen, die anfällig für die negativen Auswirkungen der Sucralose waren, befanden sich häufig schon kurz nach dem Absetzen auf dem Wege der Besserung. Zusätzlich konnte in Labortests nachgewiesen werden, dass regelmäßiger und dauerhafter Konsum von Sucralose die Thymusdrüse verkleinert und damit die biologische Quelle des Immunsystems schädigt.[18]

Dr. Morando Soffritti: Studien zur Unbedenklichkeit von Aspartam und Sucralose ohne Mindeststandard
Nach Dr. Morando Soffrittis Forschungsergebnissen haben die meisten Studien, die eine Unbedenklichkeit von künstlichen Süßstoffen wie Aspartam und Sucralose darlegten, nicht den Standards der international anerkannten "Laborpraxis" entsprochen. Sie liefert Anweisungen für die Handhabung von Biotests zum Nachweis von Karzinogenizität. Studien ohne diesen Mindeststandard kommen also zwangsläufig zu verfälschten Ergebnissen. Meist sind diese Studien auch von großen Unternehmen beauftragt und finanziert. Sie unterliegen also mehr den wirtschaftlichen Zwängen als dem tatsächlichen Wunsch nach Aufklärung.[18]

Stevia ist eine hervorragende Alternative zu Aspartam & Sucralose
Stevia-Extrakt, ein natürlich vorkommender Süßstoff, bietet hervorragende Alternativen. Stevia enthält keinen Zucker und keine Kalorien und eignet sich daher besonders für an Diabetes leidenden Menschen.[18]

Sucralose reduziert nützliche Darmbakterien irreversibel um 50% & erhöht pH-Wert

Der Süßstoff Sucralose greift mehr in den Stoffwechsel ein, als bislang angenommen. Die »Nebenwirkungen« sind vielfältig und dauerhaft. Er ist etwa 600-mal süßer als normaler Haushaltszucker und in Amerika seit den späten 90-er Jahren als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. In Europa wurde Sucralose erst 2004 für die Lebensmittelproduktion zugelassen (E 955). Die zugelassene Tagesdosis des chemisch veränderten Haushaltszuckers liegt bei 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Im Gegensatz zu Aspartam ist Sucralose hitzestabil und lässt sich gut in Backwaren verarbeiten. Doch zusammen mit anderen Süßstoffen mit hoher Intensität war Sucralose auch immer wieder in den Schlagzeilen. Vor allem weil die Verbraucherorganisation für Ernährung und Lebensmittelsicherheit CSPI in Washington Sucralose aufgrund neuer Forschungsberichte aus der Kategorie »sicher« der Nahrungsmittelzusätze entfernte.[19]

Sucralose beeinflusst Zuckerstoffwechsel und Darmflora
Bestimmte Wirkstoffe in dem beliebten Süßstoff haben das Potenzial, die Wirkung von Medikamenten zu beschränken, die Anzahl und das Gleichgewicht der nützlichen Darmbakterien zu reduzieren und die Hormonausschüttung im Körper zu verändern. Die Studienautorin Susan Schiffman und ihre Kollegen berichteten darüber bereits 2008 in einem Artikel im »Journal of Toxicology and Environmental Health«.[20] Der Artikel behandelte ausführlich ein Experiment mit dem Süßstoff, der aus hochwirksamer Sucralose (1,1%) und den Füllstoffen Maltodextrin und Glukose besteht. Die Studie betraf ein Experiment mit Sprague-Dawley-Ratten, denen der Süßstoff 12 Wochen lang verabreicht wurde. Stuhlproben der Tiere wurden bakteriell analysiert und der PH-Wert gemessen. Die Ergebnisse ließen darauf schließen, dass der Süßstoff zu verschiedenen negativen Effekten bei den Ratten führte wie Reduzierung der nützlichen Darmbakterien, erhöhter PH-Wert im Kot und einer schlechtere Aufnahme von Medikamenten. Zusätzlich entstanden beim Backen mit Sucralose Chlorpropanole, die als potenziell toxisch gelten.

Täglicher Konsum von Sucralose senkt nützliche Darmbakterien um 50 Prozent irreversibel & führt zu Übersäuerung mit Krebsrisikoanstieg
Die Ergebnisse aus 2008 wurden nun in einem weiteren Artikel[21] im »Journal of Toxicology and Environmental Health« bestätigt. Die Studienautoren fordern darin, die Sicherheit von Sucralose und seinen Stoffwechselprodukten nochmals zu prüfen, denn sowohl bei Nagetieren als auch bei Menschen veränderte Sucralose die Insulin- und Glukosespiegel sowie die Werte des Darmhormons GLP-1, das auch am Zuckerstoffwechsel beteiligt ist. »Bei Konzentrationen, die normalerweise in Speisen und Getränken verwendet werden, unterdrückt Sucralose die nützlichen Bakterien im Verdauungstrakt, wirkt aber weniger auf krankmachende Keime«, sagte Co-Autorin Susan Schiffman. »Die meisten Verbraucher sind sich dieser Wirkung nicht bewusst, denn die Produktetiketten enthalten keine Warnhinweise.« Schiffman sagte weiterhin, dass die Änderungen der Darmflora verbunden waren mit Gewichtszunahme und Übergewicht. Auch krankhaft veränderte Gewebe wurden im Darm gefunden. In erhöhten Mengen schädigt Sucralose auch das Erbgut. Diese biologischen Effekte treten bereits bei Mengen auf, die von Zulassungsbehörden für die Verwendung in Lebensmitteln genehmigt wurden. Der tägliche Konsum von Sucralose senkt die nützlichen Darmbakterien um 50 Prozent und mehr. Die Bakterienstämme regenerierten sich auch nach einem dreimonatigen Verzicht auf Sucralose nicht mehr. Inzwischen wurde in weiteren Studien[22] auch ein Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs festgestellt: Eine Tierstudie im Fachjournal "Journal of Toxicology and Environmental Health" kam zu dem Schluss, dass Sucralose die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm von Ratten um 50 Prozent senkte, während der pH-Wert zunahm. Der pH-Wert gibt Hinweise darauf, ob der Körper übersäuert ist. Krebs entsteht beispielsweise immer in einer sauren Umgebung.[22]

Aspartam (E951) gefährlich, Xylitol (E967) besser als Sucralose, Stevia & Luo Han Guo am besten

Wie Zucker besitzt leider auch fast jeder künstliche Süßstoff ein eigenes Risiko. Aspartam (E951) ist vielleicht sogar der Gefährlichste von allen. Zumindest ist er einer der am meisten verwendeten Süßstoffe und lieferte die meisten Berichte über ungünstige Auswirkungen. Es gibt hunderte wissenschaftlicher Studien, die die schädlichen Effekte darlegen. Zuckeralkohole sind eine andere Möglichkeit auf dem Markt. Sie können dadurch identifiziert werden, dass ihr Name immer mit "ol" endet, wie Xylit(ol), Sorbit(ol), Maltit(ol), Mannit(ol), Glycerol und Lactit(ol). Sie sind nicht genauso süß wie Zucker und enthalten weniger Kalorien, aber sie sind nicht kalorienfrei. Lassen Sie sich deshalb nicht verwirren durch das Etikett "zuckerfrei" auf Nahrungsmitteln, die diese Süßstoffe enthalten. Ein Grund, warum Zuckeralkohole weniger Kalorien enthalten als Zucker ist, dass sie nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden. Deshalb kann das Essen von Nahrungsmitteln mit Zuckeralkoholen zu Blähungen und Durchfall führen. Erwähnenswert ist auch, dass Malitol, ein allgemein verwendeter Zuckeralkohol, den Blutzuckerspiegel fast genauso stark ansteigen lässt wie eine stärkehaltige Kartoffel. Xylitol (E967) hat im Vergleich keine starke Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und kann unter diesem Gesichtspunkt eine Alternative sein. In Maßen verwendet können einige Zuckeralkohole die bessere Wahl sein als künstliche Süßstoffe wie Sucralose und Aspartam. Von den unterschiedlichen Zuckeralkoholen ist Xylitol einer der besten. In der reinen Form sind mögliche Nebenwirkungen minimal und es gibt sogar ein paar echte Vorteile wie die Bekämpfung von Karies. Alles in allem gilt Xylitol als einigermaßen sicher und ist ein potenziell bekömmlicher Süßstoff. Nebenbei bemerkt: Xylitol ist giftig für Hunde und einige andere Tiere, deshalb sollten Sie dafür sorgen, dass Haustiere damit nicht in Kontakt kommen.[22]

Zwei der besten natürlichen Zuckerersatzstoffe stammen aus dem Pflanzenreich: Stevia und Luo Han Guo
Stevia, ein sehr süß schmeckendes Gewürz aus dem Blatt der südamerikanischen Steviapflanze wird als Zuckerersatz verkauft. Es gilt als vollkommen sicher in seiner natürlichen Form und kann für das Süßen von Getränken und Mahlzeiten verwendet werden.[22]

Zuckersteuer gegen Erkrankungen durch Zuckerkonsum

WHO begründet Forderung nach 20% Zuckersteuer

2014 waren 39 Prozent der Erwachsenen über­gewichtig, also mehr als ein Drittel
Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) begründet ihre Forderung nach einer „Zuckersteuer“ in einem Report mit den Erfahrungen, die verschiedene Länder mit gesetzlichen Initiativen gemacht haben. Die zusätzlichen Einnahmen sollten am besten in die Subvention von gesunden Grundnahrungsmitteln investiert werden, heißt es in dem Report „Fiscal Policies for Diet and Prevention of Noncommunicable Diseases“.[23] Das Problem ist bekannt. Im Jahr 2014 waren 39 Prozent der Erwachsenen über­gewichtig, also mehr als ein Drittel.[24]

Verdoppelung der Adipositas-Prävalenz 1980-2014, Diabetes war 2012 für 1,5 Millionen Todesfälle verantwortlich
Die weltweite Prävalenz der Adipositas hat sich zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt. Etwa 11 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen sind fettleibig. Das sind weltweit mehr als eine halbe Milliarde Erwachsene. Hinzu kommen noch einmal schätzungsweise 42 Millionen Kinder unter 5 Jahren, die im Jahr 2015 übergewichtig oder fettleibig waren. Dies entspricht laut WHO einer Steigerung von rund 11 Millionen in den letzten 15 Jahren. Fast die Hälfte der übergewichtigen Kinder leben heute in Asien ein Viertel in Afrika. Auch die Zahl der Diabetiker nimmt unaufhaltsam zu. Die WHO schätzt, dass es 2014 bereits 422 Millionen waren gegenüber 108 Millionen in 1980. Die Krankheit sei im Jahr 2012 allein für 1,5 Millionen Todesfälle verantwortlich gewesen. Der steigende Zuckerkonsum ist nach Einschätzung der WHO für diese Entwicklung zumindest mitverantwortlich. Francesco Branca, der Leiter der Abteilung „Nutrition for Health and Development“ der WHO, erinnert daran, dass raffinierter Zucker für die Ernährung eines Menschen eigentlich nicht notwendig ist. Die notwendigen Kohlenhydrate kann der Mensch auch über Stärke und andere Mehrfachzucker aufnehmen.[24]

WHO schlägt 20% Steuer auf zuckerhaltige Süßgetränke & Preisreduktion von Obst und Gemüse um 10-30% vor
Um den Zucker-Konsum zu senken, schlägt die WHO eine Steuer vor, die den Preis von zuckerhaltigen Süßgetränken um 20 Prozent oder mehr erhöht. Gleichzeitig könnte der Preis für frisches Obst und Gemüse durch Subventionen um 10 bis 30 Prozent gesenkt werden. Als Beleg führt der Report eine eigene Meta-Analyse von 11 systematischen Übersichten an, die aber (bis Oktober 2016) noch nicht veröffentlicht wurde. Der Report verweist auf die Erfahrungen, die in einzelnen Ländern mit einer Konsum­steuer erzielt wurden. Als positive Beispiele werden Mexiko und Ungarn genannt.[24]

WHO nennt Mexiko und Ungarn als positive Beispiele mit Zuckersteuer

Mexiko hatte 2012 den weltweit höchsten Pro-Kopf-Konsum von Süßgetränken (160 Liter/Jahr). Insgesamt 71 Prozent des mit der Nahrung zugeführten Zuckers entfiel auf Süßgetränke. Seit Januar 2014 gibt es eine Steuer von 1 Peso für jedes verkaufte nicht-alkoholische Süßgetränk, was die Getränke um etwa 10 Prozent verteuerte. Hinzu kommt noch einmal ein Aufschlag auf die Mehrwertsteuer von 8 Prozent auf alle nicht-lebensnotwendigen Nahrungsmittel, die mehr als 175 Kalorien pro 100 Gramm enthalten. Erste Untersuchungen haben laut WHO gezeigt, dass der Verkauf der besteuerten Getränke im ersten Jahr um 6 Prozent zurückgegangen ist, wobei der Rückgang sich bis Dezember auf 12 Prozent erhöht habe.[24]

In Ungarn gibt es seit 2011 eine „Gesundheitssteuer“ auf Süßgetränke und Snacks. Die Steuer ist umstritten. Kritiker glauben, dass sie nur die Staatskassen füllen soll, da die Preise für die einzelnen Produkte nur gering angestiegen sind. Die WHO vertraut allerdings einer Evaluierung ungarischer Behörden, nach denen 26 bis 32 Prozent der Verbraucher ihren Konsum der besteuerten Produkte vermindert haben. Viele hätten dies allerdings nicht aufgrund des erhöhten Preises gemacht, sondern weil sie die Steuer auf die gesundheitlichen Bedenken aufmerksam gemacht habe. Aus Sicht des WHO-Reports hat die Steuer jedenfalls ihren Zweck erreicht.[24]

Finnland hat, die Philippinen und Südafrika planen eine Steuer auf Süßigkeiten

Auch in Finnland gibt es eine Steuer auf Süßigkeiten, die allerdings gering ausfällt. Für Eis und Süßigkeiten beträgt sie derzeit 0,95 Euro pro kg, zuckerhaltige Getränke werden mit 0,22 Euro pro Liter belegt (zuckerfreie Getränke sind mit 0,11 Euro pro Liter besteuert). Der Staat nimmt auch Einfluss auf die Zusammensetzung des kostenlosen Mensaessens in Schulen und an Universitäten. Ob die Maßnahmen wirken, ist laut WHO nicht sicher, es gebe aber Hinweise, dass der Verbrauch von nicht-alkoholischen Getränken und Süßigkeiten zurückgegangen ist. Laut WHO-Infoarmation im Oktober 2016 haben auch die Philippinen, Südafrika und Großbritannien angekündigt, dass sie Steuern auf zuckerhaltige Getränke einführen wollen. Als Negativbeispiel wurde Ägypten genannt. Dort sei es der Industrielobby gelungen, die Mehrwertsteuer auf kohlensäurehaltige Getränke (denen oft Zucker zugesetzt wird) von 50 und 60 Prozent auf 25 Prozent zu senken. Eine Warnung, dass eine Strafsteuer auf ungesunde Nahrungsmittel ohne ausreichende Erklärung der positiven Auswirkungen für die Gesundeheit Bürger nicht unbedingt beliebt ist, ist für die WHO Dänemark. Dort wurde im Januar 2013 eine im Oktober 2011 eingeführte Steuer auf gesättigte Fette in Höhe von 16 Kronen/kg (ca. 2,15 €) wieder abgeschafft.

Ab April 2018 gibt es eine Zuckersteuer in Großbritannien ähnlich wie in Skandinavien & Frankreich

Seit Freitag, 6. April 2018 müssen Hersteller von besonders süßen Getränken in Großbritannien mehr Steuern zahlen. Das Geld soll dem Sportunterricht an Schulen zugute kommen. Fans von süßen Softdrinks drohen in Großbritannien höhere Preise. Seit 6. April 2018 wird dort eine Steuer auf Getränke mit zugesetztem Zucker erhoben. So will die Regierung gegen Übergewicht bei Kindern vorgehen, denn diese nehmen rund ein Fünftel ihres Zuckers allein durch Cola und Limonade zu sich. Das eingenommene Geld soll dem Schulsport zu Gute kommen. Hersteller von zuckerhaltigen Produkten müssen in Großbritannien eine Sonderabgabe zahlen
Belastet werden zunächst die Hersteller. Ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter müssen sie eine Sonderabgabe von 18 Pence (gut 20 Cent) zahlen, bei mehr als acht Gramm Zucker im Getränk werden 24 Pence fällig. Erhoben wird die Steuer nur auf Getränke, denen Zucker zugesetzt wird, und nicht etwa auf Fruchtsäfte oder zuckerfreie Limonaden. Die Regierung rechnet im ersten Jahr mit Einnahmen von umgerechnet rund 275 Millionen Euro. Ähnliche Steuern gibt es auch in den skandinavischen Ländern, in Frankreich, Ungarn und Mexiko. [25]

Foodwatch fordert auch in Deutschland eine Zuckersteuer, Coca Cola senkt Zuckergehalt um 10%

Auch in Deutschland fordern Verbraucherorganisationen wie Foodwatch eine Abgabe für überzuckerte Lebensmittel. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) warnte zuletzt allerdings vor einfach klingenden Lösungen. "Es mag zwar sein, dass der Zuckergehalt in manchen Produkten sinkt. Das gilt aber nicht automatisch für den Gesamtkaloriengehalt", sagte sie. Sie wolle eine "Gesamtstrategie" zum Reduzieren von Fett, Zucker und Salz angehen. Immer mehr Supermärkte haben bereits angekündigt, die Rezepturen ihrer Eigenmarken freiwillig zu ändern. Auch Coca-Cola will den Zuckergehalt seiner Limonaden in Europa bis 2020 durchschnittlich um 10 Prozent verringern. In Großbritannien sind Fanta und Sprite bereits weniger süß.[25]

Weitere Informationen

Siehe auch

(1) Voll verzuckert ist ein Dokumentarfilm des australischen Regisseurs Damon Gameau, der den Konsum von Haushaltszucker kritisiert und als wichtige Ursache für das in Australien weit verbreitete starke Übergewicht darstellt. 2015 startete der Film auch in Deutschland.

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Einzelnachweise

Filme

  1. "45 Min"-Dokumentation des TV-Senders NDR "Zeitbombe Zucker", Dauer 44:24, Autorinnen: Christine Buth und Ute Jurkovics, NDR, Samstag, 18. April 2015, 11:30 bis 12:15 Uhr
    Sendetermin: 18.04.2015 11:30 Uhr auf NDR, Suche nach "Zeitbombe Zucker" auf TVInfo.de

Text-Quellen

  1. WHO Technical Report Series, No. 916 – Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases (englisch).
  2. Diabetes in Hessen rasant gestiegen, SOTT.net, Sign Of The Times, 15.2.2012
  3. Pur, weiß, tödlich: Warum der Zucker uns umbringt und wie wir das verhindern können, von Prof. Dr. John Yudkin & Robert H., Prof. Dr. Lustig, 1972, Amazon.de, abgerufen am 4.2.2017
  4. 4,0 4,1 4,2 Weitere Informationen über Otto Heinrich Warburg und seine Arbeiten (Biographical), abgerufen am 4.2.2017
  5. 5,0 5,1 5,2 Wikipedia: Otto Warburg (Biochemiker), deutscher Biochemiker, Arzt und Physiologe, geb. 1883, gestorben 1970, 1931 erhielt er für "Die Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
  6. Was ist Ketose?, Urgeschmack.de, Felix Olschewski, abgerufen am 4.2.2017
  7. 7,0 7,1 7,2 Zuckerverzicht zur Krebsbekämpfung, Urgeschmack.de, Felix Olschewski, abgerufen am 4.2.2017
  8. Dr. Thomas Seyfried: A Calorie-Restricted Ketogenic Diet Could Be The Cure For Brain Cancer, Dr. Thomas Seyfried, abgerufen am 4.2.2017
  9. Cardiolipin and electron transport chain abnormalities in mouse brain tumor mitochondria: lipidomic evidence supporting the Warburg theory of cancer, Michael A. Kiebish, Xianlin Han,† Hua Cheng,† Jeffrey H. Chuang and Thomas N. Seyfried, J Lipid Res. 2008 Dec; 49(12): 2545–2556, DOI: 10.1194/jlr.M800319-JLR200abgerufen, am 4.2.2017
  10. Was ist so schlimm an Zucker?: Ist Zucker ungesund? Urgeschmack.de, Felix Olschewski, abgerufen am 4.2.2017
  11. Cancer as a metabolic disesase, Thomas N Seyfried and Laura M Shelton, Nutrition & Metabolism 2010 7:7 DOI: 10.1186/1743-7075-7-7, Published: 27 January 2010
  12. "Metabolic management of glioblastoma multiforme using standard therapy together with a restricted ketogenic diet: Case Report", Giulio Zuccoli, Norina Marcello, Anna Pisanello, Franco Servadei, Salvatore Vaccaro, Purna Mukherjee, Thomas N. Seyfried; Nutrition & Metabolism, 22 April 2010
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 13,4 13,5 13,6 13,7 Ketogene Ernährung bei Krebs, Dr. troph. Gisela Krause-Fabricius, abgerufen am 4.2.2017
  14. Merkur Selection: Fruchtaufstrich Marille: nur 106 kcal/100g, 200g für 2,15 € am 7.4.2018, Merkurmarkt.at
  15. 15,0 15,1 15,2 15,3 Xylit Birkenzucker - die gesunde Alternative, StarRider Elements, 74679 Weißbach, Deutschland, abgerufen am 7.4.2018
  16. 16,0 16,1 16,2 Xylitol: Zuckeraustauschstoff gegen Karies, Pharmazeutische Zeitung, Avoxa – MediengruppeDeutscher Apotheker GmbH, Ausgabe 38/2007, von Christina Hohmann, abgerufen am 7.4.2018
  17. Sugar Alcohols, Caries Incidence, and Remineralization of Caries Lesions: A Literature Review:Mäkinen, Kauko K. (2010), Universität Turku, Finnland, erschienen in International Journals of Dentistry. Ausgabe 2010. Hidawi Publishing Corporation Online.
  18. 18,0 18,1 18,2 18,3 18,4 Lightprodukte schaden den Nieren. fitall.com, abgerufen am 10.5.2018
  19. Sucralose - Süßstoff mit Nebenwirkungen, Angelika Lensen, freie Journalistin für Online- und Printmedien, GesundheitundWissenschaft.com, abgerufen am 10.5.2018
  20. [Abou-Donia MB1, El-Masry EM, Abdel-Rahman AA, McLendon RE, Schiffman SS: Splenda alters gut microflora and increases intestinal p-glycoprotein and cytochrome p-450 in male rats. J Toxicol Environ Health A. 2008;71(21):1415-29. DOI: 10.1080/15287390802328630]
  21. [Susan S. Schiffman, Kristina I. Rother: Sucralose, A Synthetic Organochlorine Sweetener: Overview Of Biological Issues. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 2013; 16 (7): 399 DOI: 10.1080/10937404.2013.842523]
  22. 22,0 22,1 22,2 22,3 Sucralose: Kein gesunder ZuckerersatzAngelika Lensen, freie Journalistin für Online- und Printmedien, GesundheitundWissenschaft.com, abgerufen am 10.5.2018
  23. Report „Fiscal Policies for Diet and Prevention of Noncommunicable Diseases“, WHO, 36 pages, publication date: 2016, Languages: English, French ISBN: 978 92 4 15112
  24. 24,0 24,1 24,2 24,3 24,4 WHO-Report begründet Forderung nach Zuckersteuer und Subventionen, Ärzteblatt.de, 12. Oktober 2016, abgerufen am 7.4.2018
  25. 25,0 25,1 Ab jetzt gilt die Zuckersteuer in Großbritannien, Ausburger Allgemeine, 6.4.2018